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Pleiten, Insolvenzen und Verkäufe: Regioplan mit sieben Spielregeln für den Handel von morgen

25.07.2013

Praktiker Deutschland meldete vor kurzem Insolvenz an, während der Textildiskonter NKD einen Käufer sucht. In Österreich wurden die Möbelkette Kika/Leiner und der Sport eybl an ausländische Investoren verkauft. Für Niedermeyer gab’s keine Rettung. Schlecker ging zum Teil in die Marke Dayli auf, die wiederum vor kurzem Insolvenz in Österreich anmelden musste. Die Standortberater von RegioPlan Consulting stellen sieben Spielregeln auf. Diese müssten Handelsmarken akzeptieren, um künftig erfolgreich zu sein. Sagt zumindest RegioPlan.  

1. Den besten Preis gibt es im Internet! Sucht der Konsument nach dem attraktivsten Preis, so geht er zuerst ins Internet. Dort kann er vergleichen und den besten Preis finden. Dies stellt die Existenzberechtigung der klassischen stationären Diskonter in Frage, die den Anspruch auf den günstigsten Preis stellten und so die Konsumenten für sich gewinnen konnten. Ehemalige Diskonter arbeiten deshalb stärker an neue USPs. So stehen beispielsweise die Marken Aldi/Hofer längst nicht mehr für Diskont, sondern für Bio-Kompetenz und jede noch so billige Modekette inszeniert ihre Ware mit aufwändiger Werbung oder hochwertigem Shopdesign. 

2. Der Konsument sanktioniert alles! Noch nie war die Vielfalt im Einzelhandel so groß wie heute. Nicht nur auf Grund der sehr hohen Verkaufsflächendichte in Österreich, die mit 1,76 m² pro Kopf eine der höchsten in Europa ist, sondern auch angesichts der unendlich großen Auswahl an Produkten im Internet haben Konsumenten immer Alternativen. Sie nehmen diese wahr und sanktionieren jeden Fehler, bewusst oder unbewusst.

3. Marken und nicht Produkte sind wichtig! Ob es klassische Markenartikelhersteller wie Adidas, Sony oder Ralph Lauren oder vertikal organisierte Händler, wie H&M oder Ikea sind – die richtige Inszenierung der Marke ist essentiell. Marken sind angesichts der Vielfalt an Produkten und Leistungen wichtiger denn je, denn sie geben Orientierung. Richtig inszenierte Marken wecken positive Emotionen und wenn wir uns für eine Marke entscheiden, dann kaufen wir uns hauptsächlich ein Gefühl. Das Produkt als solches ist weniger wichtig.,

4. Ständige Standortoptimierung ist gefragt! War es noch bis vor einigen Jahren möglich, auch die schlecht positionierten Filialen mit wenig Ertrag mitzutragen, so gilt dies in Zukunft nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Schlechte Standorte müssen sofort abgestoßen werden, bevor die Kosten explodieren und das Markenimage an diesen Standorten auf Grund schlecht besuchter Filialen leiden.

5. Kunden kaufen wann, wo und wie sie wollen! Längst kaufen wir hauptsächlich deswegen ein, weil wir etwas wollen und nicht weil wir es brauchen. Dies erfordert eine Menge an Inszenierung und Verführung von Seiten des Händlers sowie eine richtige Cross-Channel-Strategie. Die Marke muss dort sein, wo die Zielgruppe ist – ob auf der Straße, im Auto, im Center, am Handy, beim Surfen, beim Fernsehen, etc. Der Zustand des permanenten Konsums bedeutet beispielsweise auch, dass wir die Ware zurückgeben möchten, sollten wir uns doch anders entscheiden. Im Onlineshop bestellte Ware, die in der Filiale nicht zurückgegeben werden kann, schreckt den Konsumenten ab.

6. Ohne Multi-Channel wird es nicht mehr gehen! Seit einigen Jahren wachsen die Onlineanteile rasant und belaufen sich je nach Land in Europa zwischen 6% (Benelux-Staaten) und 13% (Großbritannien) der Gesamtumsätze im jeweiligen Land. Auch steigen sie rapide weiter und sollen Ende dieses Jahrzehntes schon beispielsweise im deutschsprachigen Raum rund 25% der Gesamteinzelhandelsumsätze ausmachen. Wer nicht wahrhaben will, dass wir on- und offline, von überall und wann immer konsumieren und nicht mehr bereit sind, für alles in ein stationäres Geschäft zu gehen, wird Marktanteile verlieren.

7. Nachhaltigkeitsgedanke wichtiger denn je! Die oft verheerenden Zustände, unter denen Menschen bei der Erzeugung von Konsumgütern heutzutage arbeiten müssen sowie die starke Umweltbelastung angesichts des enormen Ressourcen- und Energieverbrauchs sorgen für einen wachsenden Unmut auch bei den Konsumenten. Erfolgreiche Händler der Zukunft werden sozialer und ökologischer agieren müssen.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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