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Ohne Investitionen kein Wirtschaftswachstum

05.06.2015

Die jährliche Strukturbefragung unter österreichischen Unternehmen von der Austria Wirtschaftsservice GmbH, der Wirtschaftskammer Österreich und dem Marktforschungsinstitut marketmind zeigt, dass nur mehr 11% der Unternehmen große Investitionen tätigen. Bei den heimischen Start-ups zeigt sich hingegen eine Zunahme an mittleren Investitionen.

Geschäftsführer Austria Wirtschaftsservice GmbH: Bernhard Sagmeister

„Wer investiert, muss auch finanzieren und dafür müssen die richtigen Rahmenbedingungen stehen. Die Investitionen haben sich in Österreich seit dem Krisenjahr 2009 nicht erholt und liegen nach wie vor vier Prozent unter dem Jahr 2008, während Konsumausgaben und Exporte bereits geringfügig die Werte vor der Krise überschritten haben“, zeigt Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, bei der Präsentation der Finanzierungsumfrage auf.

Den Hintergrund meint Ralf Kronberger, Leiter der Finanz- und Handelspolitik der Wirtschaftskammer Österreich zu kennen: „Von den Unternehmen, die sich 2014 ein Angebot für eine Bankfinanzierung eingeholt haben, wurden bei 47% der Kreditbedarf ausreichend abgedeckt, bei knapp 30% wurde der Kredit abgelehnt und bei 23% gekürzt.“ Als Konsequenz einer Kürzung oder Ablehnung verschiebt ein Großteil der Unternehmen ihre Investitionen oder kürzt das Investitionsvolumen. Manche Unternehmen realisieren ihre Investitionen auch mit Eigenkapital, und einem kleinen Anteil an Förderungen. Die Schuld sieht Leitl aber nicht bei den Geldinstituten. Sie können durch politisch vorgegebene Ehrhöhungen des Eigenkapitals und anderen finanziellen Belastungen nicht im notwendigen Ausmaß Kredite vergeben.   

Im Gegensatz zu alteingesessenen Unternehmen zeigen sich junge Unternehmer und Gründer wesentlich investitionsfreudiger. Knapp über 43% der seit 2011 gegründeten Unternehmen planen ein mittleres Investitionsvorhaben. Mehr als zwei Drittel von ihnen erwartet eine steigende Nachfrage ihrer Produkte oder Dienstleistungen. Aber auch sie haben Schwierigkeiten Bankfinanzierungen zu erhalten. Bei ihren Investitionen spielen Eigenkapital, Cashflow und Förderungen, sowie alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding eine wichtige Rolle.

Der Regierungsbeschluss zum Crowdfunding ist laut Leitl zu befürworten, aber es müssen noch weitere Schritte folgen; wie etwa ein Beteiligungsfreibetrag für private Investoren, oder die Umsetzung von Mittelstandsfinanzierungsgesellschaften. „Zusätzlich sollte der Staat vermehrt Garantien und Haftungen statt Zuschüsse vergeben. Darüber hinaus brauchen wir weitere Anreize zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums – eine Investitionszuwachsprämie und die Anhebung der Grenze für geringfügige Wirtschaftsgüter“, so Leitl.

Austria Wirtschaftsservice GmbH Geschäftsführer Bernhard Sagmeister weist darauf hin, dass Unternehmen in den vergangenen Jahren oft mit Ersparnissen gegründet wurden. „Nun haben sie einen erhöhten Investitionsbedarf, bei dem sie im Sinne der österreichischen Volkswirtschaft unterstützt werden müssen. Wir stellen einen Instrumentenmix aus Zuschüssen, Garantien, Fremdkapital oder auch einen Zugang zu alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.“ Allein bei den Garantien im ersten Halbjahr 2015 konnte eine Steigerung von fast 40% erzielt werden. „Diesen Weg werden wir weiter gehen“, verspricht Sagmeister.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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