Direkt zum Inhalt

Österreichs Händler nehmen im Online-Handel Fahrt auf: Gegenwind gibt’s durch Wettbewerbsnachteile

05.06.2014

KMU Forschung Austria hat nach 2007 und 2011 neuerlich eine umfassende Analyse des heimischen Internet-Einzelhandels durchgeführt. Die Ergebnisse präsentierte jetzt Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch.

Der heimische Online-Handel nimmt zwar an Fahrt auf, ernüchternd sind die Ergebnisse aber nach wie vor. „Stellt man die Ausgaben der österreichischen Konsumenten im Netz dem Umsatz des heimischen Internethandels gegenüber, zeigt sich der Wermutstropfen der Entwicklung: Die heimischen Unternehmen decken mit 2,9 Mrd. Euro nämlich nur knapp die Hälfte der Internet-Ausgaben der Österreicher ab, während die zweite Hälfte in den ausländischen Internet-Einzelhandel fließt", so die Handelsobfrau.

 

Insgesamt wickelt der heimische Internet-Einzelhandel 4,5 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens in Österreich ab – das bedeutet ein Wachstum von 30 Prozent innert drei Jahren. Besonders beliebt ist dabei offensichtlich die Kombination aus Internet- und Ladengeschäft – Stichwort Multichanneling. 65 Prozent der Umsätze entfallen nämlich auf Online-Shops von stationären Einzelhandelsunternehmen. Weitere 25 Prozent macht der "klassische" Versandhandel und rund 10 Prozent entfallen auf den reinen Internethandel.

 

Wermutstropfen Kaufkraftabfluss

 

Als Gründe für den gewaltigen Kaufkraftabfluss macht Lorentschitsch vor allem die unterschiedlichen Rahmenbedingungen fest. Die hohen Abgaben - etwa in den Bereichen Entsorgung, Urheberrecht und Künstlersozialversicherung - würden die Ertragssituation der Händler belasten und ausländische Mitbewerber begünstigen, ärgert sich auch Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik, diesmal in der Rolle als Wiener Elektrohändler. „Ich bin als Händler mit Abgaben konfrontiert, die von ausländischen Händlern nicht eingehoben werden.“

 

„Ich fordere von der österreichischen und der europäischen Politik faire, d.h. gleiche Rahmenbedingungen auf allen Ebenen. Außerdem appelliere ich an die Lieferanten, faire Konditionen mit dem heimischen Handel zu vereinbaren. Nur so wird auch in Zukunft eine vielfältige Handelslandschaft bestehen bleiben können."

 

Interessant (und in der Elektrobranche ebenso ein Thema) sind in diesem Sinne auch die Ausführungen von Peter Hinterberger, einem Spielwarenhändler aus Niederösterreich: „Meine Einkaufspreise liegen teilweise über dem Verkaufspreis von ausländischen Internetplattformen und die Versandkonditionen ausländischer Logistiker sind astronomisch“.

 

Handels-Präsenz im WWW steigt

 

Laut der aktuellen Studie betreiben bereits 70 Prozent der Einzelhandelsunternehmen mit Unternehmenssitz in Österreich eine Webseite. Auch die Zahl der Onlineshops hat sich seit 2010 vergrößert: Mittlerweile verkaufen 19 Prozent bzw. rund 7.500 Einzelhandelsunternehmen ihre Produkte online. 2010 waren es noch 5.700, im Jahr 2006 3.200.

 

Im Gegenzug geben auch immer Österreicher ihr Geld im Web aus. Im Jahr 2013 haben bereits 57 Prozent der Konsumenten per Mausklick eingekauft - auch hier ist ein enormer Anstieg (plus 90 Prozent!) seit dem Jahr 2006 zu verzeichnen. Unterschiede gibt’s aber in den einzelnen Branchen. „Die größten Umsatzzuwächse kann der Lebensmittelhandel verzeichnen, der im Jahr 2013 online 220 Mio. Euro Umsatz erwirtschaften konnte“, erläutert Ernst Gittenberger, Handelsexperte der KMU Forschung Austria.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Krefeld ist der logistische Dreh- und Angelpunkt in Deutschland.
Branche
07.11.2019

Der Schweizer Onlinehändler hat seine „Betaphase“ in Deutschland abgeschlossen und geht nun zum Angriff über. Gleichzeitig beginnt man die weitere Expansion zu planen und Österreich steht ganz ...

Chinesische Onlinehändler müssen nicht sonderlich viele Briefmarken auf ihre Packerl nach Europa kleben.
Branche
25.09.2019

Die USA haben sich im Weltpostverein aufs Billigporto für Warensendungen aus China eingeschossen: Der Versand von Peking nach Wien ist billiger, als eine Paketsendung von Graz nach Bregenz. Kippt ...

Während China-Versender bis 22 Euro keine Steuern zahlen müssen, werden diese für europäische Unternehmen ab dem ersten Cent berechnet.
Branche
22.09.2019

Der Nationalrat hat vergangene Woche eine zentrale Forderung des Handelsverbandes beschlossen: die Abschaffung der 22-Euro-Freigrenze für Kleinpakete aus Drittstaaten. Unterstützung gibt’s vom ...

Der deutsche Onlinehändler Comtech ist pleite.
Branche
09.09.2019

Der deutsche Onlinehändler Comtech hat trotz beeindruckender Wachstumszahlen Insolvenz angemeldet. Die genauen Hintergründe der Pleite liegen noch im Dunklen.

Kunden würden sogar dafür bezahlen, nur um weiter bei Amazon einkaufen zu dürfen.
Branche
03.07.2019

Eine Studie des IFH Köln zeigt: Für immer mehr Kunden ist die Onlineplattform beim Shoppen nicht mehr wegzudenken, so dass sie sogar dazu bereit wären, fürs Einkaufen zu zahlen. Beachtlich: rund ...

Werbung