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Öffentliche Hand begleicht Rechnungen spät: Privat- und Firmenkunden deutlich schneller

28.08.2013

Die öffentliche Hand begleicht Rechnungen erst nach 41 Tagen. Damit sind Bund, Länder und Gemeinden trotz Verbesserungen von der EU-Vorgabe satte elf Tage entfernt. Firmen zahlen trotz schlechterer Geschäftslage bereits nach 31 Tagen. Wien und Steiermark bilden die Schlusslichter. Das besagt eine aktuelle Umfrage des KSV1870.

Die öffentliche Hand – zwischen Gemeinden, Ländern und Bund wird nicht unterschieden – zahlt Rechnungen nach 41 Tagen (2012: 42 Tage). Spürbar ist allerdings ein deutliches Ost-West Gefälle: Während in Vorarlberg die Rechnungen im Schnitt nach 32 Tagen am schnellsten bezahlt werden, lassen sich Wien und die Steiermark 44 Tage am meisten Zeit, gefolgt vom Burgenland und Niederösterreich mit 43 Tage. Oberösterreich liegt mit 41 Tagen im Bundesschnitt, ergab die Online-Umfrage.

EU-Vorgabe um elf Tage verfehlt

Die öffentliche Hand sei ein wichtiger zentraler Auftraggeber für Wirtschaft, erklärte Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV 1870 Holding. Ihr aber den "schwarzen Peter" für Großinsolvenzen wie etwa jene der Alpine zuzuschieben, sei bei rund 10.000 Gläubigern zu kurz gegriffen. Fakt ist aber: Von der in Österreich umgesetzten Vorgabe der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie, die seit März für die öffentlichen Hand (exklusive Gesundheitswesen) ein Zahlungsziel von 30 Tagen vorsieht, ist man noch immer weit entfernt. Diese Regelung gelte erst ein paar Monate, es werde "schon erst genommen", berichtete Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH von seinen Gesprächen mit Verantwortlichen von Gebietskörperschaften. "Es muss dem Apparat die Möglichkeit gegeben, das anzupassen", sagte er.

 

Auch Nejedlik erwartet, dass eine gewisse Übergangsphase von den Firmen toleriert werde, nach einiger Zeit dürften die Unternehmen diese Frist aber rechtlich durchsetzen. Derzeit würden die Firmen diesbezüglich noch sehr verhalten agieren. Auf die Frage, ob es weniger Insolvenzen geben würde, wenn die öffentliche Hand pünktlich zahlen würde, meinte Nejedlik, dass jede Liquiditätsstärkung für Unternehmen zu begrüßen sei, es würde die Insolvenzanfälligkeit verringern.

 

Trotz schlechterer Geschäftslage gleiche Zahlungsmoral

 

Was Firmen angeht, bleibt trotz der trüben Geschäftslage die Zahlungsmoral in Österreich relativ hoch: Fast drei Viertel der Firmen zahlen ihre Rechnungen innerhalb des Zahlungsziels von 25 Tagen, während der durchschnittliche Zahlungsverzug sechs Tage betrage. Im Schnitt begleichen die Unternehmen ihre offenen Rechnungen nach 31 Tagen - genauso schnell wie im Vorjahr.

 

Diese Stabilität im Zahlungsverhalten sei aufgrund der schlechten Wirtschaftsaussichten durchaus positiv, so der KSV. Denn die Unternehmen bewerten heuer die Geschäftslage schlechter als noch 2012: 53 Prozent bezeichnen sie als "sehr gut" und "gut", im Vorjahr waren es noch 59 Prozent, 2011 gar 62 Prozent. Dagegen erwarten elf Prozent eine "ungenügende" bzw. "mangelhafte" Wirtschaftslage, 2012 waren es lediglich acht Prozent, im Jahr davor sieben Prozent. Als häufigste Gründe für den Zahlungsverzug bei den Firmenkunden werden ein momentaner Liquiditätsengpass, von Vorsatz und Ineffizienz der Verwaltung vermutet.

 

Privatpersonen begleichen ihre Rechnungen nach 18 Tagen, genauso wie im Vorjahr. Kommt es zu einer Forderungseintreibung, dann betrage der durchschnittliche offene Rechnungsbetrag rund 2.000 Euro, der von Unternehmen gefordert werde, und knapp unter 400 Euro, der von Privatkunden, erklärte Eibl. Zahlen für Forderungen gegen die öffentliche Hand gebe es nicht.

 

Der KSV1870 befragte rund 2.500 Firmen des Kreditschutzverbandes online.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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