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Noch eine Woche, dann ist Schluss: Helmut Niedermeyer über das Ende seines Lebenswerks

03.06.2013

Heute beginnt das endgültige Ende von Niedermeyer. Schnäppchenjäger stürmen die restlichen Filialen und kaufen das einst so große Unternehmen leer. Ende der Woche ist dann Schluss. Nach 56 Jahren. Das geht auch an Gründer Helmut Niedermeyer nicht spurlos vorbei.  

„Ich hänge mit dem Herzen dran, obwohl ich mit dem Geschäft nichts mehr zu tun habe", sagt Gründer Helmut Niedermeyer im Gespräch mit der Kronenzeitung. Er hat bis zuletzt alle Geräte bei Niedermeyer gekauft. Heute beginnt das endgültige Ende seines Lebenswerks, mit Rabattaktionen. Der letzte Auftrag für die Angestellten lautet: Alles muss raus. Das geht nicht ohne Wehmut.

Niedermeyer gründete die Kette 1957. 56 Jahre später ist’s vorbei. "Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn die Firma Niedermeyer auch ohne mich ein führendes österreichisches Unternehmen geblieben wäre. Leider ist das nicht der Fall. Ob's wehtut? Wissen Sie, dazu hab ich schon zu viel Böses erlebt in meinem Leben. Meine Mutter ist bei meiner Geburt gestorben, mein Vater war im KZ und ich in sowjetischer Gefangenschaft. 82 Kameraden erkrankten an Paratyphus, nur drei haben überlebt. Einer davon war ich.“

 
"Es ist schwieriger geworden"

Fehler möchte Niedermeyer den jetzigen Eigentümern nicht vorwerfen. „Die Zeiten sind härter geworden, die Konkurrenz größer.“ Allerdings betont er: „Als ich mich zurückgezogen habe, hatte die Firma keinen Euro Schulden. Kredite hab ich immer nur kurzfristig aufgenommen - und wenn möglich nicht bei den Banken."

 
Der letzte Akt des Dramas

Der heutige Tag erinnert an die besten Zeiten. In der Filiale in der Wiener Rotenturmstraße nähe Stephansdom kam es heute schon um 9 Uhr zu einem regelrechten Ansturm, ergab ein APA-Lokalaugenschein. Aus dem Unternehmen hieß es, dass die Preise bis zum Wochenende noch weiter sinken werden, begehrte Ware wie höherpreisige Fotoapparate oder Tablets würden aber wohl schon zu Wochenbeginn ausverkauft sein. Es ist der letzte Akt des Dramas. In diesem spielt die Familie Niedermeyer seit zehn Jahren keine Rolle mehr.

 

Der Verkauf

Dass Niedermeyer nicht mehr den Niedermeyers gehört, wurmt den Gründer. „Natürlich wäre es der Wunsch des Vaters gewesen, dass der Sohn die Firma in seinem Sinn weiterführt“, sagt er zur Krone. Nachsatz: „Andererseits hätte er es sicher nicht leicht gehabt, deshalb war es vielleicht besser so. Mein Sohn stammt aus einer anderen Generation, er hat ja nie Sorgen gehabt. Im Unterschied zu mir ist es ihm immer nur gut gegangen. Nachdem wir beide die Firma verkauft haben – 60 Prozent haben ja noch mir gehört – konnten wir beide ein sorgenfreies Leben führen.“

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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