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Negative Bewertung: Amazon-Händler verklagt Kunden auf 70.000 Euro

25.04.2014

Ein Fliegengitter fürs Küchenfenster wollte sich Thomas Allrutz über Amazon kaufen. Er war mit dem Produkt unzufrieden. Nach kurzem Hin und Her mit dem Amazon-Marketplace-Händler verfasste Allrutz eine negative Bewertung. Jetzt wird er auf 70.000 Euro Schadensersatz verklagt. Ein Fall, der das System der Online-Bewertungen auf den Kopf stellen könnte.

Nein, es geht dieses Mal nicht um die Elektrobranche. Aber der Fall birgt auch für den E-Handel Brisanz. Thomas Allrutz aus Deutschland kaufte Ende Juni 2013 über Amazon ein Fliegengitter für etwas mehr als 22 Euro. Er brauchte das Fliegengitter für sein Küchenfenster, wie er der Augsburger Allgemeinen erzählt. Beim Einbau sei ihm dann aufgefallen, dass die Anleitung missverständlich formuliert gewesen sei. Das Gitter war für das Fenster zu klein.

Was dann passierte, ist umstritten. „Allrutz sagt, er habe sich bei dem Gitterlieferanten telefonisch beschwert, aber keine Hilfe bekommen. Die Anwälte des Händlers bestreiten das: Man habe versucht, die Probleme des Kunden in Telefonaten und per Mail zu beheben. Doch Allrutz habe einfach nicht verstanden, wie das Insektenschutzgitter aufzubauen sei“, berichtet die Augsburger Allgemeine.  

Besagte Bewertung

Dann, am 3. Juli 2013, schrieb Allrutz die besagte Bewertung: "Die Lieferung erfolgte schnell. Das war das positive. In der Anleitung steht ganz klar Mann muss den Innenrahmen messen das ist falsch. Damit wird das ganze zu kurz! Die Ware selbst macht guten Stabilen Eindruck, Der Verkäufer nie wieder!"

Das brachte den Händler erst richtig in Rage. Er verlangte, dass die negative Bewertung gelöscht oder geändert wird und drohte mit einer Anzeige. Allrutz beschwerte sich daraufhin direkt bei Amazon. Eine Woche später flatterte dem Deutschen eine Abmahnung ins Haus. Allrutz erklärte sich bereit, die Bewertung zu löschen, die geforderten Anwaltskosten von 800 Euro wollte er allerdings nicht zahlen.

Im Herbst 2013 dann der Super-GAU. Der Insektengitter-Händler verklagte Allrutz auf rund 70.000 Euro. Die Begründung: Amazon habe wegen der negativen Bewertung und der Beschwerde dem Händler das Verkäuferkonto mit 13.000 Euro gesperrt. Ohne diese Sperrung hätte er bis heute rund 39.000 Euro erwirtschaften können, so der Kläger. Dazu kämen Anwaltskosten und 20.000 Euro "weitere Schäden". Ab Juni wird sich das Landgericht Augsburg mit dem Fall beschäftigen.

„Juristischer Blödsinn“

Die Fall birgt Brisanz. Würde der Kläger mit der Klage durchkommen, würde das Urteil wohl System der Online-Bewertungen komplett auf den Kopf stellen und den gesamten Handel betreffen. Und den E-Commerce würd's sowieso durcheinander wirbeln.  Dass es dazu aber kommt, ist recht unwahrscheinlich. Auf der Plattform ibusiness.de sagt Martin Bahr von der deutschen Anwalts-Kanzlei Dr. Bahr: „Die Klage ist juristisch vollkommener Blödsinn. Mehr muss man dazu nicht sagen.“

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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