Direkt zum Inhalt

Nach Razzia: Regierung und Gewerkschaft nehmen Amazon in die Pflicht

19.02.2020

Nach der Großrazzia im Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf bei Wien nehmen Regierung und Gewerkschaft den Online-Riesen in die Pflicht.

Die Finanzpolizei hatte am Dienstag mit 63 Beamten das Amazon-Lager gefilzt. Im Visier stand nicht der Onlineriese selbst, sondern die Subfirmen, die für Amazon im Großraum Wien die Pakete zustellen. Finanzminister Gernot Blümel sagte, er erwarte sich von Amazon mehr Sorgfalt. „Auch wenn es sich dabei um Subfirmen von Amazon handelt: Die unternehmerische Verantwortung kann nicht bei der Warenausgabe abgegeben werden. Ich erwarte mir eine besondere Sorgfalt gerade von großen Internetkonzernen", so der Ressortchef nach der Ministerratssitzung in Wien. Es bestehe der Verdacht auf gewerbliche Schwarzarbeit, "das ist kein Kavaliersdelikt", betonte er.

Der Präsident des Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Wolfgang Katzian, sagte in einer Pressekonferenz, es sei durch die Razzia „sehr, sehr deutlich geworden ist, wie das System Amazon funktioniert“. Katzian forderte eine „Auftraggeberhaftung“ Amazons, wie es sie in der Baubranche gibt. „Weil sich dann hinzustellen und zu sagen 'Das ist alles super, wir kooperieren mit den Behörden und was ist das für ein Skandal, dass diese Subfirmen da sich nicht daran gehalten haben', gleichzeitig aber diesen Firmen Vorgaben zu machen, die die gar nicht erfüllen können, wenn sie nicht genauso vorgehen, wie sie vorgehen, das ist eine maximale Sauerei“, kritisierte Katzian.

Das politische Hickhack beginnt

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch rief nach härteren Strafen gegen Lohn- und Sozialdumping. Er warf ÖVP und FPÖ vor, die Strafen bei Meldeverstößen gesenkt zu haben. „Das erweist sich als schwerer Fehler“, so Muchitsch. Stimmt nicht, erwiderte ÖVP-Klubobmann August Wöginger: „Die neue Volkspartei setzt sich seit Jahren für scharfe und konsequente Strafen zum Schutze des heimischen Arbeitsmarktes und für einen fairen Standort ein.“ Die Strafbestimmung seien aufgrund von EuGH-Urteilen häufig zahnlos, weshalb Wöginger „dringenden Handlungsbedarf“ sieht, wie er sagte.

Die Gewerkschaft vida erklärte, sich in ihrer Kritik an Sozialdumping, Scheinselbstständigkeit und Schwarzarbeit in der Zustellungsbranche bestätigt zu fühlen und forderte Konsequenzen von der schwarzgrünen Regierung. vida-Gewerkschaft Karl Delfs appellierte an Blümel, mehr Personal für die Finanzpolizei bereitzustellen. Der sozialdemokratische Wirtschaftsverband pochte indes auf ein „Recht auf Selbstständigkeit“ für Paketzusteller.

Die Finanzpolizei hatte am Dienstag 174 Dienstnehmer bei 36 Betrieben kontrolliert, dabei sind 49 Verstöße gegen das Arbeitsrecht festgestellt worden. Viele der Mitarbeiter bei den Paketzusteller-Firmen sind nur geringfügig angemeldet.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
Werbung

Weiterführende Themen

Branche
19.12.2019

Konkret werden die Marktplätze von Amazon & Co. aufgefordert, mehr gegen die asiatische Plagiatsindustrie zu unternehmen. Bereits jeder dritte Top-Seller auf dem Amazon Marktplatz stammt aus ...

Multimedia
15.12.2019

Nach zwei Jahrzehnten verliert Bezahlsender Sky die Übertragungsrechte für die Fußball-Champions-League. Ab der Saison 2021/22 wird diese nur noch via Streaming zu sehen sein. Die Rechte teilen ...

Branche
29.11.2019

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac heute das Verteilzentrum von Amazon in Großebersdorf bei Wien sowie an rund 50 Orten in Frankreich blockiert. Damit will Attac auf den hohen Preis ...

Branche
12.10.2019

Amazon steht nach wie vor ganz an der Spitze der Online-Shops. Eine Statista-Umfrage zeigt jetzt aber, dass die Beliebtheit bei den Kunden bröckelt. Die Ursachen sind vielfältig.

Branche
22.09.2019

Mit seiner Initiative „Climate Pledge“ verpflichtet sich Amazon bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein. Gleich zu Beginn hat der E-Commerce-Riese 100.000 Elektro-Lieferwagen für die zukünftige ...

Werbung