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Mobilfunker im Tal der Tränen: Trotz LTE winken in den kommenden Jahren Umsatzrückgänge

22.04.2013

Kein sehr positives Bild der Zukunft zeichnet die 12. Auflage der europäischen Telekommunikationsstudie von Arthur D. Little und Exane BNP Paribas. Demnach steht auch den heimischen Mobilfunkanbietern in den nächsten drei Jahren eine kräftige Durststrecke bevor. So sollen die Umsätze trotz LTE-Einführung um bis zu zwei Prozentpunkte sinken, außerdem könnten potenzielle Neueinsteiger für verschärften (Preis-)Wettbewerb sorgen.  

Der Datenverkehr wächst europaweit und damit auch die Umsätze in diesem Segment. Dennoch bleibt es unwahrscheinlich, dass die Telcos langfristig höhere Preise für LTE-Dienstleistungen durchsetzen können, um damit die Erosion der Tarife aufzufangen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der diesjährigen 12. Auflage der europaweiten Studie unter dem Titel „4G – going faster, but where?“ zu den aktuellen Herausforderungen der Telekommunikationsbranche. Die Studie wird jedes Jahr von der Strategie- und Innovationsberatung Arthur D. Little in Kooperation mit der Investmentbank Exane BNP Paribas in 15 Ländern Europas durchgeführt.

Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, ob es den Mobilfunkanbietern nach dem enttäuschenden Geschäftsjahr 2012 mit LTE-Diensten gelingen kann, einen margenträchtigen Geschäftszweig zu entwickeln. Vorbild sind hier die US-amerikanischen und asiatischen Mobilfunkanbieter, bei denen sich LTE zu einem profitablen Geschäft entwickelt hat.

In Europa wird das eher nicht der Fall sein, meinen die Studienautoren. „Die europäischen Anbieter stehen vor verschiedenen Problemen, die diesen Wunschtraum zunichtemachen können: Die begrenzten Möglichkeiten für Anbieter, LTE zur Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen zu nutzen und der nach wie vor tobende, harte Preiskampf, machen es kaum möglich, Preiserhöhungen durchzusetzen“ so Dr. Karim Taga, Geschäftsführer Arthur D. Little Austria und Global Practice Leader des Bereichs TIME (Telekommunikation, Information, Medien und Elektronik).

Und das obwohl die Ausgangslage eigentlich sehr gut wäre. Die 3G-Netze werden bald an ihre Kapazitätsgrenze stoßen, die sich mit 4G LTE deutlich erweitern lässt. Die Kunden werden sich schnell an die höhere Geschwindigkeit gewöhnen und das Angebot an kompatiblen Smartphones und Tablets verbessert sich permanent. In Österreich werden 60-70 Prozent der Bevölkerung bis 2016 LTE zur Verfügung haben.

„Zwar geht der Trend auch in Österreich klar in Richtung unlimitierter Sprachtelefonie und SMS Bündelung, aber diese muss nicht zwangsläufig zu einer Erhöhung des durchschnittlichen Umsatzes pro Kunde führen. Vielmehr findet in diesem Zusammenhand ein sogenannter „Re-Balancing“ Effekt statt der Umsätze individueller Dienste (Sprache, SMS, Daten) zu einer Grundgebühr zusammenfasst“, erläutert Taga.

Entsprechend düster fällt auch die Prognose der Autoren aus. Demnach werden die Umsätze der europäischen Telekommunikationsanbieter bis 2016 trotz des Wachstums mit LTE um 1,8 Prozentpunkte pro Jahr sinken. Ohne LTE wäre der in diese Zahl bereits eingerechnete Umsatzrückgang im Basis-Mobilfunkgeschäft (Sprache und Text) mit minus 2,6 Prozent sogar noch deutlicher für die Anbieter. Um auf den Wachstumspfad zurückkehren zu können, müsste der monatliche Umsatz pro Kunde mit LTE-Datendiensten von derzeit 10 bis 2016 auf 17 Euro ansteigen. Auch das Geschäft mit mobilen Internetdiensten und Apps kann kaum etwas an diesen Umsatzrückgängen ändern.

Wettbewerb um Spektrum

Durch die Multi-Band-Auktion (800/900/1800 MHz) im Herbst dieses Jahres ergibt sich in Österreich übrigens eine spannende Sondersituation. Die Ersteigerung von Spektrum ist für Netzbetreiber die Voraussetzung, gleichsam der „Rohstoff“, um in den nächsten 20 Jahren am Markt erfolgreich tätig zu sein. Aufgrund der abgesenkten Eintrittsbarrieren ergibt sich auch ein klares Potenzial für einen Neueinsteiger.

Grundsätzlich kommt den Anbieten die Tatsache zu Hilfe, dass die Markteinführung von LTE zwar sehr kapitalintensiv ist, der anschließende Betrieb des Netzes jedoch wesentlich kostengünstiger als bei älteren Mobilfunkgenerationen. Daher werden insbesondere schlank aufgestellte Mobilfunkunternehmen künftig im Wettbewerb deutliche Vorteile haben. Für kosteneffiziente Wettbewerber könnte LTE daher ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil sein.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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