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Media/Saturn im Sog aus Korruption & Betrug: Jetzt klicken die Handschellen

20.10.2011

Einem ausgewachsenen System aus Korruption und Betrug sind die Staatsanwälte bei Media/Saturn auf der Spur. Gestern klickten in der Ingolstädter Media/Saturn-Zentrale die ersten Handschellen. Ein Top-Manager, seine Ehefrau sowie drei Media/Saturn-Geschäftspartner sitzen in Untersuchungshaft. Ein Nachschlag ist zu erwarten: Richteten sich die Ermittlungen anfangs nämlich nur gegen sechs Personen, hat sich der Kreis der Verdächtigen inzwischen auf stolze 19 erhöht.

Die Vorwürfe wiegen schwer: "Wir gehen von besonders schweren Fällen der Bestechung und der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr aus", sagte Augsburgs Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz. Die Verdächtigen sollen dabei sogar gewerbs- und bandenmäßig organisiert gewesen sein. 
 

Unter anderem wird dem Wetzlarer Geschäftsmann Peter N. ein besonders schwerer Fall von Bestechung im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen, wobei es hauptsächlich um fragwürdige Geschäfte rund um DSL-Verträge geht. 50 Millionen Euro an Provisionen soll N. von 2005 bis 2010 für DSL-Kontrakte kassiert haben, die seine Mitarbeiter in Media- und Saturn-Märkten verkauften. Damit er überhaupt an den Vertriebsauftrag gekommen ist, soll er die Verantwortlichen bei Media-Saturn kräftig geschmiert haben. Die Staatsanwaltschaft spricht hier von 3,5 Mio. Euro. Nach Angaben des Chefanklägers sollen Marktleiter aus der Media-Saturn-Organisation heraus angewiesen worden sein, mit N. zu kooperieren.

 

Gewaschen wurden die Bestechungsgelder dem Vernehmen nach über Immobilien-Deals in den USA. Zur Tarnung hätten einige Beteiligte aber auch Scheinverträge über Leistungen abgeschlossen, die nie erbracht worden seien – hauptsächlich über Firmen der jeweiligen Ehefrauen. Seltsam kommt den Ermittlern beispielsweise ein 800.000-Euro-Transfer zwischen einer Firma von Peter N. und einem Unternehmen vor, an dem zum fraglichen Zeitpunkt die Frau eines Media-Saturn-Managers beteiligt gewesen sein soll.

 

Lustigerweise spielt in die ganze Sache auch der aktuelle Gesellschafterstreit zwischen Metro und Kellerhals bzw. Stiefel rein. Die beiden Gründer hatten auf der letzten Gesellschafterversammlung mit ihrer Sperrminorität einen Antrag der Metro blockiert, Michael R. zu beurlauben. R. gehört der obersten Media-Saturn-Geschäftsführung an und war jahrelang der Vorgesetzte des nunmehr verhafteten Managers. Übrigens: Auch gegen R. wird nun wegen Korruptionsverdacht ermittelt. Er befindet sich allerdings auf freiem Fuß.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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