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Media-Saturn-Mutter zückt den Rotstift: 500 Stellen streichen, Datentochter beerdigen

30.04.2019

Nach und nach sickern die ersten Details zum angekündigten Sparprogramm durch. Größe Veränderungen gibt’s hauptsächlich in der Zentrale – aber auch die einzelnen Märkte werden viel Eigenständigkeit einbüßen.

Am Montagabend hat Konzernchef Jörn Werner sein umfassendes Sparprogramm verkündet. Im Zuge dessen sollen rund 500 Stellen wegfallen, ein Vorstandsposten eingespart und die Anfang 2017 mit großem Tamtam gestartete Datentochter Retail Media Group (RMG) beerdigt werden.

Ziel sei es, „Prozesse und Strukturen in der gesamten Organisation zu straffen“, teilte das börsennotierte Unternehmen mit. „So können wir uns stärker als bisher auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und legen den Grundstein, um in Zukunft nachhaltig und profitabel wachsen zu können“, so Vorstandschef Werner. Mit diesen Schritten will man die Kosten jährlich um 110 bis 130 Millionen Euro senken.

Die Einsparungen sollen ab dem Geschäftsjahr 2020/21 voll wirksam werden. Zur Umsetzung des Programms werden im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 aber voraussichtlich Kosten in Höhe von rund 150 bis 170 Mio. Euro anfallen. Dazu kommen buchhalterische Effekte in Höhe von rund 20 Mio. Euro. Die rund 34 Mio. Euro, die im bereits im ersten Quartal für Veränderungen im Top-Management verbucht wurden, sind in den Aufwendungen nicht enthalten. Dessen ungeachtet soll die Prognose für das Geschäftsjahr 2018/19, die vor Portfolioveränderungen sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit der Neuausrichtung von Strukturen und Geschäftsprozessen in Verwaltungs- und Zentraleinheiten erfolgte, unverändert bleiben.

„Aufgrund der erheblichen Einsparungen gehen wir davon aus, dass sich die Aufwendungen für das Programm in weniger als eineinhalb Jahren vollständig amortisiert haben. Wir werden unsere Ertragskraft deutlich stärken“, sagt Karin Sonnenmoser, CFO von Ceconomy. „Mit der Reorganisation werden wir viel schneller, agiler und fokussierter agieren und unsere Aktivitäten konsequent auf die besonders zukunftsträchtigen Felder ‚Digitales Wachstum‘, ‚Services & Solutions‘ sowie ‚Category & Supply Chain Management‘ ausrichten. So schaffen wir die Grundlage, um unser operatives Geschäft zu stärken und gezielt weiterentwickeln zu können“, ergänzt Ferran Reverter, CEO von MediaMarktSaturn.

Märke verlieren Eigenständigkeit

Die erste Säule bündelt insbesondere alle Projekte zur Reorganisation der Zentral- und Verwaltungseinheiten der Holdinggesellschaften von Ceconomy, MediaMarktSaturn und der deutschen Landesorganisation. Bei MediaMarktSaturn werden zudem Aufgaben von Märkten und von Landesorganisationen in die Ingolstädter Holding verlagert und dort zusammengeführt. Ein Umstand, der sicher noch für einige Diskussionen sorgen wird, da die einzelnen Märkte in ihrer Freiheit dadurch erheblich eingeschränkt werden.

Das Kernproblem seien die vielen Doppelstrukturen bei den Töchtern Media Markt und Saturn, die von der IT über die Buchhaltung und die Logistik bis zum Einkauf zu stark unabhängig voneinander gearbeitet haben. Dadurch seien Fehlentwicklungen auch viel zu spät erkannt worden. Jahrzehntelang war die dezentrale Organisation des Unternehmens allerdings der Garant für den Erfolg. Die einzelnen Filialen wurden unternehmerisch geführt von einem Geschäftsführer, der mit einem Minderheitsanteil beteiligt war und große Freiheiten bei der Sortimentsgestaltung und der Preissetzung hatte. So konnte man flexibel auf Kundenwünsche und Konkurrenz vor Ort reagieren. Mit dem Aufkommen des Onlinehandels hat sich dieser Vorteil jedoch in einen Nachteil verwandelt.

Vorstand wird verkleinert

Im Zuge der Umsetzung dieser Maßnahmen wird auch der Vorstand von Ceconomy verkleinert. Ab dem 1. Juni besteht er aus Jörn Werner (CEO) und Karin Sonnenmoser (CFO). Dieter Haag Molkenteller, bislang verantwortlich für Recht, Compliance und Risikomanagement, scheidet per 31. Mai aus dem Gremium aus.

In der zweiten Säule werden vor dem Hintergrund der stärkeren strategischen Fokussierung verschiedene Optionen für einzelne operative Einheiten von CECONOMY und MediaMarktSaturn geprüft. Dazu gehören die Liveshopping-Plattform iBood und die Beteiligung von MediaMarktSaturn an der Re-Commerce Plattform Flip4New. Das Geschäft der Retail Media Group zur Vermarktung von Kundendaten wird beendet. Die Aktivitäten des StreamingDienstes Juke wurden ja bereits eingestellt.

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