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Loewe-Chef Harsch: Loewe soll Massenmarkt-tauglich werden … und trotzdem Premium bleiben

28.06.2013

Nach den zuletzt eher wenig erbaulichen Nachrichten aus Kronach hat sich nun auch der Chef des Edel-TV-Herstellers zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) kündigte Matthias Harsch an, Loewe künftig Massenmarkt-tauglicher aufzustellen und im Zuge dessen auch in die Großmärkte vorzustoßen – ohne allerdings den Premium-Anspruch ganz abstreifen zu wollen. Derweilen soll es übrigens auch positive Investoren-Signale aus Fernost geben.

Günstiger müssen sie werden, die Loewe-Geräte. Dafür ist der seit Anfang des Jahres im Amt befindliche Vorstandsvorsitzende Matthias Harsch auch bereit, das komplette Geschäftsmodell der Kronacher umzukrempeln. Jahrelang hatte man versucht, dem anhaltenden Preisverfall in der Branche durch einen Rückzug in das obere Premium-Segment zu trotzen. Verbunden mit einer Konzentration auf dem Fachhandel.

Dies soll sich nun aber ändern, was vor allem die Großfläche freuen dürfte. "Wir brauchen sie als Vertriebskanäle, um die Marke Loewe stärker in das Bewusstsein der Käufer zu bringen", so Harsch zur SZ. Dem Fachhandel möchte man trotzdem treu bleiben. "Außerdem werden wir nur in solche Elektronikmärkte gehen, wo Loewe als Marke gesondert und eigenständig präsentiert wird und speziell geschulte Verkäufer Loewe betreuen." Auch ist daran gedacht, für den Fachhandel eigene, exklusive Produktlinien zu schaffen.

 

Billigere Geräte, neue Zielgruppen

Ändern soll sich im Zuge der Neuausrichtung auch die Preisklasse der Geräte. "Es kann nicht sein, dass unsere Geräte 50 oder gar 100 Prozent mehr kosten als der jeweilige Durchschnittspreis. Wir müssen diese Schere deutlich schließen. Maximal 15 bis 20 Prozent sollte der Premiumzuschlag bei vergleichbaren Geräten ausmachen", begründet der Vorstandchef diese Strategie. Erreichen will er dies, indem er große Teile der Produktion nach Asien auslagert. In Kronach selbst sollen dann nur noch die absoluten Top-Geräte produziert werden. Harsch erhofft sich dadurch, den Absatz an TV-Geräten von 200.000 auf eine Millionen Geräte pro Jahr zu erhöhen. Wobei vor allem auch jüngere Käufer angesprochen werden sollen. "Unsere Zielgruppe soll vom Alter her nicht 50 plus, sondern 30 plus sein."

 

Harschs Plan sieht außerdem vor, die Beschaffungskosten um bis zu 40 Prozent zu senken, "ohne dass dies zulasten der Qualität geht". Beim Einkauf von Panels, Elektronik und Chiptechnologie will sich Loewe zu diesem Zweck mit einem strategischen Partner aus Asien zusammentun. Und die Chancen stehen nicht mal schlecht. "Wir sind in den Gesprächen sehr weit", sagt der Loewe-Chef. Genannt werden Namen wie Haier, Hisense oder TCL – Details gibt es allerdings keine. Wegen der hohen Verluste der Loewe-Aktie seit Jahresbeginn reicht wohl schon ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag für den Einstieg. Und attraktiv ist der Zugriff auf eine etablierte deutsche Luxusmarke für die Chinesen in jedem Fall. Womöglich bereits zur Hauptversammlung Ende Juli, spätestens aber zur IFA hofft Harsch mit guten Nachrichten aufwarten zu können.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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