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Lidl lässt das Bespitzeln nicht: Jetzt ist Deutschland-Chef Frank-Michael Mros raus

07.04.2009

Erste Konsequenz: Deutschland-Chef Frank-Michael Mros muss seinen Hut nehmen.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert: Dennoch will Lidl retten, was noch zu retten ist. Aufgeflogene Überwachungs-Skandale ramponierten das Image des Discounters enorm. Jetzt, als aufflog, dass Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten wurden, reagierte man prompt und entließ Frank-Michael Mros. Andere Skandale, wie die Bespitzelungs-Affäre oder die Austräger-Überwachung, überstand Mros noch relativ unbeschadet. Jetzt ist das Maß anscheinend voll. Seine Nachfolgerschaft als Chef von Lidl-Deutschland tritt Jürgen Kisseberth an. Der 59-Jährige ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in leitenden Funktionen in dem Handelsunternehmen tätig.

Solche Krankenakten seien bei Lidl gängige Praxis gewesen, weiß der Lidl-Berater und ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob. Ob es bei der Dokumentation flächendeckende Anweisungen für alle Lidl-Regionalgesellschaften gab, wisse er aber nicht. Jacob arbeitet gerade an einem neuen Datenschutzkonzept für Lidl. Der Konzern "sei auf einem guten Weg" und kontrolliere seit letztem April alle Geschäftsprozesse gewissenhaft und überarbeite sie gegebenenfalls.

Der Spiegel brachte den aktuellen Skandal aufs Tablett. Das Aufdecker-Blatt berichtete, in Formularen, die zufällig in einer Mülltonne gefunden wurden, sei festgehalten worden, welche Mitarbeiter psychische Probleme hatten oder sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches behandeln ließen. Außerdem wurde der Grund einer Krankheit vermerkt. Lidl gab zu, mit den Formularen Informationen erfasst zu haben, die nicht datenschutzkonform gewesen seien. Allerdings sei die Arbeit mit den Listen zum Jahresende 2008 von selbst eingestellt worden.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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