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Lehrlinge: Mieles Schritt Richtung Zukunft

11.02.2020

In den heimischen Elektrobetrieben sind sie begehrter denn je: Lehrlinge. Doch wie schaut’s eigentlich bei den Herstellern aus? Das Elektrojournal hat sich bei Miele in Salzburg umgesehen und ein Ausbildungssystem entdeckt, das man getrost als ein Vorzeigemodell bezeichnen kann.

Seit 1956 werden bei Miele Lehrlinge ausgebildet, 206 Lehrverträge hat man seit damals geschlossen und 43 ehemalige Auszubildende sind immer noch im Unternehmen beschäftigt – zwei davon sogar in führenden Positionen. Daran soll und wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern – aktuell werden wieder fünf Lehrlinge gesucht. „Die Lehrlingsausbildung liegt uns sehr am Herzen“, bekräftigt auch Miele Österreich-Chefin Sandra Kolleth, die dabei auch gleich das Firmenmotto ins Spiel bringt: „Wir haben hohe Ansprüche an die Qualität unserer Produkte und die Art und Weise wie wir arbeiten und unsere Kunden betreuen. Das zieht sich bei uns durch. Auch als Ausbildungsbetrieb versuchen wir daher immer besser zu sein.“

Die Bemühungen und Investitionen in den Nachwuchs sind freilich nicht ganz selbstlos. „Mitarbeiter sind das wichtigste Gut eines Unternehmens. Und ein solches kann sich nur dann gut entwickeln, wenn diese auch langfristig motiviert sind und hinter dem Unternehmen stehen. Wir bieten unseren Lehrlingen sehr viel. Auf der anderen Seite kriegen wir aber auch sehr viel retour. Und damit meine ich jetzt nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihren Zugang und ihre Sichtweise zu und über viele Dinge. Wenn wir also von Lehrlingsausbildung reden, müssen wir auch darüber reden, was wir als Unternehmen von ihnen lernen können“, so Kolleth. Auch sei es natürlich eine gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens, Menschen fürs Berufsleben auszubilden.  

„Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen“

Viel Verantwortung lastet dabei auf Theresa Kröpfl. 2012 hat sie bei Miele angedockt und ist seitdem für die Personalentwicklung/Recruiting inklusive Lehrlingsausbildung zuständig. „Wir versuchen schon bei der Ausbildung daran zu denken, was uns ins Zukunft bewegen und beschäftigen wird. Ein gutes Beispiel ist hier unsere Anna Brandstätter, die derzeit eine Doppellehre zur Bürokauffrau und Medienfachfrau macht. Letzteres ist mit einer e-Commerce-Lehre vergleichbar und zusammen mit der Lehre zur Bürokauffrau eine sehr interessante Kombination“, erklärt Kröpfl. Sehr interessant sind übrigens auch die Sozialleistungen und Anreize, die Miele seinen Lehrlingen bietet. So wird beispielweise eine bis zu 30-prozentige Überzahlung zur Lehrlingsentschädigung geboten, sofern die Leistungen im Unternehmen und der Berufsschule sehr gut sind. Zudem ist man währende der Lehrzeit kostenlos Krankenzusatzversichert, kann an Lehrlingsausflügen teilnehmen und bekommt die Öffi-Karte bezahlt und einen finanziellen Beitrag zum Führerschein – bei entsprechend guten Leistungen versteht sich.

„Und wir fördern die Lehre mit Matura. Für jedes positiv absolvierte Modul gibt’s zwei Sonderurlaubstage“, ergänzt Kröpfl. Nicht alltäglich ist auch die Miele Lehrlingsakademie, die seit 2018 existiert. „Wir bieten hier auch gesellschaftliche Kurse, etwa über Business-Etikette, an. Wir wollen nämlich, dass die Lehrlinge auch über den fachlichen Tellerrand hinaus von ihrer Ausbildung profitieren können. Insgesamt investieren wir sehr viel in unsere Mitarbeiter, damit sie sich Wohlfühlen und ihre Stärken ins Unternehmen einbringen können“, so die Personalentwicklerin. Und es wirkt offenbar: die Mitarbeiterfluktuation liegt bei etwa neun Prozent – bei 430 Leuten.

Geringe Personalfluktuation

Noch geringer ist die Fluktuation übrigens bei den Elektrotechnik-Lehrlingen. Seit man Elektrotechniker ausbildet haben erst zwei (!) Lehrlinge das Unternehmen verlassen. „Der eine macht ein Studium und der andere hat sich für einen komplett anderen Job entschieden. Ach ja, derjenige, der studieren gegangen ist, möchte nach seinem Abschluss wieder zu uns zurückkommen“, erzählt Rainer Fuchshofer, Leiter der Werkstätte Wals, nicht ohne Stolz. Diese Verbundenheit mag mitunter auch daran liegen, dass die Lehrlinge bei Miele nicht „zum Wurstsemmelholen“ geschickt werden. „Die Lehrlinge arbeiten vom ersten Tag an mit. Zuerst natürlich die einfacheren Geschichten und dann immer mehr. Und sie fahren später auch mit dem Kundendienst mit, damit sie sehen, wie es draußen läuft. Geräte reparieren ist ja teilweise einfacher, als mit den Kunden klarzukommen“, erklärt Fuchshofer.

Bestätigung erhält er von Manuel Brouczek, E-Technik-Lehrling im zweiten Lehrjahr: „Derzeit bin ich noch in der Werkstätte und arbeite dort fast schon wie eine voll ausgebildete Kraft mit. Es ist super, dass man solche Aufgaben übernehmen darf. Weil einem damit auch Wertschätzung und Vertrauen entgegengebracht wird.“ Generell versucht Miele, die ausgebildeten E-Techniker auch im Unternehmen zu Halten – auch aus wirtschaftlichen Gründen. „Zur Ausbildung gehört ja nicht nur das Reparieren von Geräten, sondern auch Drehen, Fräsen usw. Das muss in der Ausbildung dabei sein, egal, ob wir das später brauchen oder nicht. Hier schicken wir die Lehrlinge zu externen Partnern. Die sind ein paar Tage dort, lernen diese Fähigkeiten und können das dann auch bei der LAP. So ein Kurs kostet allerdings rund 1.000 Euro. 20 Kurse braucht man, da kommt schon eine schöne Stange Geld zusammen“, so Fuchshofer. Mitunter gibt’s bei den E-Technikern aber auch kuriose Situationen, wie der Werkstätten-Leiter erzählt. „Von einem unserer Kundendienst-Mitarbeiter wollte der Bub unbedingt auch zu Miele. Er hatte extra eine eigene Wohnung in Salzburg angemietet, um bei uns seine Ausbildung zu machen. Jetzt hat er den Job seines Vaters übernommen, weil der in Pension gegangen ist.“

Es gibt auch Schattenseiten

Die volle Integration ins Tagesgeschäft hat aber manchmal auch seine Schattenseiten, wie PR-Chefin Petra Ummenberger feststellen muss. In ihrer Abteilung ist „Doppel-Lehrling“ Anna Brandstätter derzeit tätig, muss nun allerdings in die Berufsschule. Und diese ist seit neuestem nicht mehr ein/zwei Tage wöchentlich, sondern geblockt. „Das trifft uns hart und reißt eine Lücke in unsere Abteilung. Bei uns haben Lehrlinge ja konkrete Aufgaben und kochen nicht nur Kaffee“, so Ummenberger. „Ich pflege die Webseite, erstelle Prospekte und betreue den Veranstaltungskalender – allein und eigenständig“, konkretisiert Brandstätter ihre Tätigkeiten. „Unsere Lehrlinge wissen ja auch, dass es Konsequenzen hat, wenn sie einen Fehler machen. Man kann nicht alles kontrollieren. Jetzt müssen wir für die kommenden Monate Ersatz finden – eine Herausforderung für jedes Unternehmen“, ergänzt Ummenberger.

Am regelmäßigen Abteilungswechsel will Miele aber trotzdem nicht rütteln. „Lehrlinge bekommen so den besten Einblick ins Unternehmen“, meint Ummenberger. Bestätigen kann das Christian Schiefer, der vor 35 Jahren als Bürokaufmann-Lehrling begonnen hat und 2003 zum Regionalverkaufsleiter aufgestiegen ist. „Das hat schon zu meiner Zeit gestimmt. Ich habe jeden kennengelernt und alles gewusst. Mich hat damals aber vor allem der Vertrieb interessiert, weil ich nicht jeden Tag im Büro sitzen wollte. Außerdem waren das die feinen Herren mit Anzug und schönem Auto. Der damalige Vertriebsdirektor (Ingo Wimmer, Anm.) hat mir die Chance gegeben und ich bin praktisch durch ganz Österreich gewandert. Später habe ich ein Gebiet bekommen, in dem ich die Händler betreuen sollte. Nie werde ich meinen ersten selbständigen Händlerbesuch vergessen: dreimal bin ich aus dem Auto ausgestiegen, zur Türe gegangen und wieder zurück. Die Hemmschwelle vor dem ersten Termin war enorm – trotz all der Ausbildung. Aber wenn ich mir mein Auto heute anschaue, die Zielstrebigkeit hat sich schlussendlich ausgezahlt“, schmunzelt Schiefer.

„Würden gerne auch in den Bundesländern ausbilden“

Sehr gerne, so bestätigt Miele Österreich-Chefin Sandra Kolleth, würde man beispielsweise auch in Wien mehr Lehrlinge ausbilden. Vor allem die Technikerausbildung beschränkt sich ja auf den Miele-Hauptsitz in Wals – in Wien gibt’s derzeit nur einen Lehrling zur Einzelhandelskauffrau im Miele Center. Vor allem bei den Technikern ist dieses Vorhaben allerdings schwierig umzusetzen, weil dazu eine eigene Infrastruktur notwendig ist. „Aus administrativer Sicht ist das eine echte Herausforderung und wir können derzeit die Voraussetzungen noch nicht erfüllen. Aber wir arbeiten dran“, bestätigt  Kolleth. „Beispielsweise bräuchten wir dann auch in Wien eine Werkstätte und Kooperationspartner“, ergänzt Fuchshofer. Firmenintern steht diese Möglichkeit allerding schon zur Diskussion.

In diesem Sinne ist auch Wunsch der Miele-Chefin nach mehr Unterstützung von außen zu verstehen. „Dort, wo es für Unternehmen sehr herausfordernd und kompliziert ist, wäre mehr Support wünschenswert. Sicher tun wir uns aufgrund unserer Größe ein bisschen leichter, kleine Unternehmen bleiben hier aber zwangsläufig auf der Strecke und können dann halt keine Lehrlinge ausbilden.“

„Man muss sich die Rosinen herauspicken“

Probleme Lehrlinge zu finden habe Miele derzeit noch nicht, wenngleich man es aber auch schon merke, dass es immer schwieriger wird. „Hier in Salzburg stehen wir natürlich im Wettbewerb mit einigen großen Konzernen wie etwa Spar oder dm. Unser großer Vorteil ist aber, dass unsere Produkte die Eltern ansprechen und die dann entsprechend auf ihre Kinder einwirken“, erzählt Kröpfl. „Was wir ebenfalls merken ist, dass es bei den Grundkenntnissen der zukünftigen Lehrlinge schon sehr oft Probleme gibt. Da müssen wir uns dann eben die Rosinen herauspicken.“

Was mitunter auch sehr schwierig sein kann, wie Werkstättenleiter Fuchshofer weiß. „Ich will es mal so ausdrücken: der klassische Hausverstand wird leider immer weniger und die Umgangsformen werden eher auch nicht besser. Wir müssen aber darauf achten, weil unsere Leute ja dann auch bei den Kunden draußen sind und das Unternehmen repräsentieren. Wir haben bei  Bewerbungsgesprächen jedenfalls schon viel erlebt. Es gibt sogar Bewerber, die mit kurzer Hose, Trägerleibchen und Flipflops beim Bewerbungsgespräch auftauchten. Das ist vor allem deswegen sehr interessant, weil da teilweise auch seine Eltern mit dabei sind.“

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