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Kunden missachten Zahlungsfristen: 250 Mrd. Euro fehlen in Unternehmenskassen

10.11.2008

Säumige Kunden, die ihre Rechnungen nicht pünktlich begleichen, gefährden immer stärker die Existenz europäischer Unternehmen. Besonders kleine Unternehmen können Liquiditätsengpässe nicht ausgleichen.

Die Zahlungsfrist zu missachten gilt - leider - noch immer als Kavaliersdelikt. Zugleich vernachlässigten viele Unternehmen während der Hochkonjunktur das Mahnwesen. Das Ergebnis: Derzeit müssen sie genau 55,5 Tage auf ihr Geld warten. Der Kreditmanagement-Spezialist Intrum Justitia erhob in einer europaweiten Untersuchung, dass derzeit mindesten 250 Milliarden Euro ausstehen. Das entspricht immerhin dem österreichischen Bruttoinlandsprodukt von 2005. Besonders problematisch ist die Kreditklemme bei Banken. Diese gestalten ihre Kreditvergabepraxis bei kleinen Betrieben immer restriktiver. "Sicher ist, dass die Hausbanken die Strategien ihrer Kunden schärfer unter die Lupe nehmen, und bei Markt- und/oder Eigenkapitalschwächen sofort reagieren. Das heißt, dass sie Kredite entweder verteuern, fällig stellen, nicht mehr verlängern oder den Rahmen einfrieren", erklärt Andreas Reinthaler, Geschäftsführer der paneuropäischen Beratungsdienstleister-Gruppe M27 im Gespräch mit pressetext.


Groß verzögert, Klein verliert

Besonders schwer sind kleine Unternehmen mit bis zu 19 Mitarbeitern betroffen. Sie verlieren über drei Prozent der ihnen zustehenden Summe vollständig. Nur wenige besser geht es Firmen mit bis zu 49 Mitarbeitern. Bei großen Gesellschaften mit 250 bis 499 Angestellten, beträgt die Ausfallquote nur noch 1,5 Prozent. Hinzu kommt, dass kleine Betriebe kurzfristige Liquiditätsengpässe nur sehr schwer ausgleichen können.

Überproportional stark sind die Bildungsinstitutionen, die Dienstleistungsbranche, Medienunternehmen und die Bauindustrie betroffen. Hierbei verzögern größere Unternehmen das Bezahlen anfälliger Rechnung öfters absichtlich. Das betrifft in Folge viele kleine Unternehmen. Sehen sie das ihnen zustehende Geld nicht, können sie ihre eigenen Rechnungen nicht begleichen. "Wir befürchten einen negativen Effekt für die weitere wirtschaftliche Entwicklung", unterstreicht Michael Wolf, Vorstandsvorsitzender der Intrum-Justitia-Gruppe.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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