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KSV1870: Rückgang der Unternehmensinsolvenzen (1.HJ 2017)

08.06.2017

Der KSV1870 hat eine Hochrechnung der Unternehmensinsolvenz-Statistik für das 1. Halbjahr 2017 veröffentlicht – ausgegangen wird von einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um ca. 4 %, deutlich weniger Dienstnehmer sind betroffen.

Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz: „Wir stehen an der Schwelle einer Konjunkturbelebung.“

Die Hochrechnung zum ersten Halbjahr 2017 zeigt laut KSV1870 einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um ca. 4 Prozent und damit eine Fortsetzung des moderaten Trends aller österreichischen Bundesländer. Einzige Ausnahme ist Niederösterreich mit einem Zuwachs von 20 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016.

Allgemein dürfte die ruhige Lage bei den Unternehmensinsolvenzen bis Jahresende bestehen bleiben.

Im ersten Halbjahr 2017 wurden (hochgerechnet) 1.514 Unternehmen insolvent (= -7 %). Mangels Vermögens konnten 1.028 Fälle nicht eröffnet werden (= +/- 0 %). Insgesamt waren es damit 2.542 insolvente Unternehmen mit Verbindlichkeiten von 652 Millionen Euro (= -64 %).

Dieser starke Rückgang bei den Passiva hängt mit drei Großverfahren im Vorjahr zusammen, die mit der österreichischen Wirtschaft kaum Berührungspunkte hatten, so der KSV1870.

Doch auch wenn man diese drei untypischen Fälle herausrechnet, betragen die Passiva immer noch um 25 % weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs.

Auch bei den betroffenen Dienstnehmern gab es mit insgesamt 7.400 Personen einen Rückgang von 22 %.

Einzig Niederösterreich weist gegen den Trend eine Steigerung von 20 % auf. Grund dafür sind nicht eröffnete Insolvenzen: Meist Klein- und Kleinstunternehmen, die nicht ordentlich liquidiert werden, weil es nichts mehr abzuwickeln zu geben scheint.

Insgesamt sind auch in Niederösterreich die Passiva mit 23 % deutlich zurückgegangen, sodass der Zuwachs an betroffenen Unternehmen volkswirtschaftlich wenig ins Gewicht fällt.

Besonders stark ist der Rückgang der Insolvenzfälle in der Steiermark mit ca. 22 % sowie der Verbindlichkeiten um sogar 55 %. Es handelt sich vor allem um eröffnete Verfahren. Die Steiermark ist durch den hohen Grad an industrieller Fertigung (Maschinen, Metall und Exportgüter) externen und konjunkturellen Einflüssen gegenüber besonders empfindlich.

Der Rückgang zeigt deutlich, dass sie nach insolvenz-intensiven Jahren nun an Restösterreich aufschließt.

Wiederum führen u. a. Gastgewerbe und unternehmensbezogene Dienstleistungen die Liste an. Grund sind die vielen Unternehmen und die geringen Hürden für Gründungen in diesen Branchen. Aufgrund branchentypischer Herausforderungen sind auch Maschinen/Metall (internationaler Wettbewerb bzw. Preisdumping) und Bauwirtschaft (Billigstbieter-Prinzip) an oberer Stelle.

Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz, gibt einen Ausblick: „Im Dezember 2017 schien nach mehreren Jahren rückläufiger Insolvenzen das Tal durchschritten zu sein. Da das erste Halbjahr 2016 einen Anstieg um 5 % hatte, der sich in weiterer Folge etwas verflachte, rechnen wir im Jahr 2017 mit nahezu unveränderten Zahlen gegenüber 2016.“

Kantner weiter: „Wir stehen an der Schwelle einer Konjunkturbelebung. Sollte sich das gegenwärtige Wachstum der Wirtschaft noch 3-4 Quartale halten lassen, dann werden die Zinsen wieder auf ein normales Niveau ansteigen, und damit auch die Insolvenzen. Diese Entwicklung wird aber frühestens 2018 zu spüren sein.“

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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