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KSV1870: 3 % mehr Firmeninsolvenzen

23.09.2016

Mit 2.366 eröffneten Insolvenzverfahren liegen die ersten drei Quartale 2016 etwa 2,3 % über dem Vorjahr. Bei den mangels Vermögens nicht eröffneten Fällen (1.561) beträgt das Plus etwa 3,5 %.

Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz: In den ersten drei Quartalen 2016 gab es einen Anstieg der Firmenpleiten von 3 %.

In den ersten drei Quartalen 2016 gab es laut Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz, einen Anstieg der Firmenpleiten von knapp 3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die eröffneten Verfahren betreffen Verbindlichkeiten von 2,411 Milliarden Euro – das ist ein Plus von fast 60 %. Darin enthalten sind allerdings zwei Unternehmen, deren Aktivitäten sich im Wesentlichen außerhalb Österreichs abspielten. Es handelt sich um die Activ Solar und Slav Holding – beide sind den Brüdern Kljujiev zuzurechnen. Ihre Passiva belaufen sich auf insgesamt 620 Millionen Euro (500 Mio. Euro entfallen davon auf Activ Solar).

Ohne diese beiden – laut KSV 1870 eigentlich nicht-österreichischen – Unternehmen lägen die Passiva nur ca. 20 % über dem Wert des Vorjahres.

Mit 14.400 Personen waren knapp 3 % mehr Arbeitnehmer betroffen als im Vergleichszeitraum 2015. Das spezifische Gewicht der Insolvenzfälle ist also von 2015 auf 2016 praktisch gleich geblieben.

Im Jahr 2016 sind die Sanierungsverfahren insgesamt mit 8 % gegenüber dem Jahr 2015 rückläufig gewesen. Dieser Rückgang darf aber den Blick nicht darauf verstellen, dass Österreich mit einem Anteil von ca. 33 % Sanierungen an allen Firmeninsolvenzen der Sanierungsweltmeister sein dürfte, heißt es vonseiten des KSV1870.

Trends in den Bundesländern

In der Betrachtung der Bundesländer fällt besonders auf, dass es keinen einheitlichen Trend zu geben scheint. Während Salzburg mit Zuwächsen von über 20 % und Tirol mit über 17 % aufwarten, verzeichnet Niederösterreich einen Rückgang von fast 12 %.

Zwei weitere wichtige Bundesländer, nämlich Wien und Oberösterreich, verzeichnen jeweils ein spürbares Plus von 7,5 % und fast 6 %, was letztlich auch den Österreichtrend bestimmt haben dürfte. Die Bundesländer Oberösterreich und Tirol gelten als starke Industriestandorte und können damit auch eine gewisse Vorreiterrolle in Österreich einnehmen, während Wien mit einem besonders breiten Branchenmix als eher krisenresistent gilt. Wenn also Wien einen Zuwachs von 7,5 % verzeichnet, dann sind davon auch Unternehmen in vielen, durchaus verschiedenen Branchen betroffen, so der KSV1870.

Ausblick auf das Gesamtjahr 2016

Es war bereits im Dezember 2015 absehbar, dass die Talsohle der Insolvenzentwicklung durchschritten war und daher mit leichten Zuwächsen zu rechnen sein würde. Diese Prognose ist bislang eingetroffen, wobei sich das Wachstum gegenüber dem Vorjahr im zweiten Halbjahr etwas abschwächen dürfte. Mit einem Plus von etwa 3 % wird im Gesamtjahr zu rechnen sein, also insgesamt mit ca. 3.200 Insolvenzfällen, so der KSV1870.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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