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Kollektivvertrag im Handel: Die Fronten verhärten sich

06.12.2018

Der Verhandlungsmarathon um Kollektivvertrag im Handel geht weiter. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Paket beinhaltet ein Gehaltsplus und eine Stunde mehr Freizeit am 24. Dezember. Für die Arbeitnehmerseite reicht dieses Angebot nicht aus. Für 8. Dezember wurden nun „Aktionen“ angekündigt.

Noch keine Einigung.

Es hätte eigentlich die letzte Runde sein sollen. Doch auch die vierte Verhandlung für einen Kollektivvertragsabschluss im Handel hat nach 10 Stunden erneut keine Einigung gebracht. Damit ist der Weihnachtsfriede nicht gewahrt, denn für kommenden Samstag (8. Dezember), den zweiten Einkaufssamstag im Advent, hat die Gewerkschaft nun Aktionen und betriebliche Aktivitäten angekündigt.

Völliges Unverständnis darüber herrscht auf Arbeitgeberseite. "Die GPA-djp hat unser Top-Angebotspaket für mehr als 400.000 Handelsangestellte und 15.000 Lehrlinge ausgeschlagen. Dabei kann sich auch unser monetäres Angebot zur Erhöhung der Gehälter um 2,35 bis 2,65 Prozent mehr als sehen lassen. Das sind immerhin bis zu 30 Prozentpunkte über der Inflationsrate", hält Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Chefverhandler der Arbeitgeberseite im Handel, fest. 

Darüber hinaus bietet der österreichische Handel seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Freizeit: Am 24. Dezember sollen die Geschäfte eine Stunde früher schließen, also um 13:00 statt um 14:00. Damit würden die Handelsbetriebe den Beschäftigten am Heiligen Abend eine Stunde mehr (Familien-)Freizeit schenken. "Das ist in den Augen der Arbeitnehmervertreter allerdings nichts wert. Wir sehen das - wie sicher auch die Beschäftigten im Handel - aber deutlich anders", sagt Buchmüller.

"Das Letztangebot der Arbeitgeber in der Höhe von 2,35 Prozent Gehaltssteigerung zeugt von einer Geringschätzung der Leistungen der Angestellten. In praktisch allen Branchen, die in den letzten Wochen KV-Abschlüsse erzielten, lagen diese über der 3 Prozent-Marke. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum ausgerechnet die Angestellten im Handel bei der heurigen Gehaltsrunde keinen angemessenen Anteil an der Wirtschaftsleistung der Branche bekommen sollen", meint hingegen die Verhandlerin der GPA-djp, Anita Palkovich.

Wesentliche Annäherungen hat es in den letzten Gesprächsrunden bereits bei rahmenrechtlichen Themen gegeben. Zugeständnisse gab es etwa bei der Aufnahme von Altersteilzeitmodellen in den Kollektivvertrag, einer besseren Anrechnung von Karenzzeiten sowie der besseren Förderung von Aus-und Weiterbildung - etwa durch Bildungskarenz. Auch bei der Höhe der Lehrlingsentschädigungen sind die Arbeitgeber bereit, ordentlich was draufzupacken.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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