Direkt zum Inhalt

KMU: Eigenes Segment an Wiener Börse

18.10.2018

Der Chef der Wiener Börse, Christoph Boschan, rechnet fix damit, dass Anfang 2019 am heimischen Kapitalmarkt das geplante eigene Handelssegment für kleine und mittelgroße Aktiengesellschaften starten kann, zu dem es einen besonders einfachen Zugang geben soll. Der politische Wille sei da und die Regelung einfach.

Das Thema steht am Freitag auf der Tagesordnung des parlamentarischen Finanzausschusses - die Beratungen wurden um einen Tag verschoben -, die nötige Regelung sei "zwei Zeilen lang". Zugang zum "direct market"-Segment für KMU sollen Kleinbetriebe haben, die als AG organisiert sind und, so Boschan, "mehr als 15 bis 20 Aktionäre" - also einen gewissen Streubesitz - aufweisen.

Boschan erinnerte daran, dass die Wiener Börse ab 2019 an bis zu sechs Feiertagen im Jahr geöffnet haben kann, sofern diese nicht auf ein Wochenende fallen; kommendes Jahr wird somit an vier Feiertagen erstmals gehandelt, "bisher haben wir unsere ausländischen Kunden gezwungen, auf ausländische Börsen zu gehen". 85 Prozent des Orderflows an der Wiener Börse kommen aus dem Ausland.

Sowohl Boschan als auch der Industrielle Hannes Androsch übten Kritik an zu starken Regulierungen. Androsch brandmarkte Kodex- und Compliance-Vorschriften, die "so idiotisch" seien, "dass man nicht einmal beim Zähneputzen etwas sagen kann, ohne vorher den Compliance-Officer anzurufen". Das sei "in einem Maße schlecht, falsch und negativ, dass man nicht mehr weiß, soll man sich ums Geschäft kümmern oder um die Bürokratie". Hier sei "allerdringendst eine kräftige Durchforstung und Unkrautbeseitigung erforderlich", so der AT&S-Kernaktionär. Der Börse-Chef stimmte Androsch zu und sprach von einem "Regulierungs-Tsunami" und einer "krankhaften Entwicklung", die zurückgedreht gehöre.

Die heimische Marktkapitalisierung hinke mit 130 Mrd. Euro, rund ein Drittel des BIP, der Entwicklung im Ausland hinterher, so Boschan. Am europäischen Kontinent seien 50, 60, 70 Prozent normal, im angelsächsischen Raum 100 bis 130 Prozent. Direkte Vergleiche des ATX mit dem deutschen DAX hält der Wiener-Börse-Chef für fragwürdig, denn der heimische Leitindex sei ein Kursindex, während an der Deutschen Börse ein Performanceindex errechnet werde, der auch die Dividenden inkludiert. "Daher ist der Vergleich nicht ganz redlich", so Boschan. Betrachte man das adäquat, sei auch die Wiener Börse auf der Rückkehr zu alten Höchstständen. Seit Bestehen weise der ATX im Schnitt eine jährliche Rendite von 6 bis 7 Prozent auf, "trotz aller Krisen".

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
Werbung

Weiterführende Themen

Rainer Will (Handelsverband), Alexander Egit (Greenpeace) und Barbara Teiber (GPA)
Branche
16.12.2020

Der Handelsverband, die Umweltorganisation Greenpeace und die Gewerkschaft GPA fordern von der Regierung eine strengere Regulierung von Online-Giganten wie Amazon.

Branche
16.12.2020

Eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Produkten, die über Online-Marktplätze verkauft werden, entsprechend nicht den Gesetzen zur erweiterten Hersteller-Verantwortung. Die Covid-19-Pandemie hat das ...

Hausgeräte
15.12.2020

Das Budget der Weihnachtsfeier von Leifheit wurde dieses Jahr für den guten Zweck verwendet: Geschäftsführer Gerhard Lasselsberger übergab einen symbolischen Check im Wert von 2500 Euro an Harald ...

Obfrau des Wiener Handels Margarete Gumprecht und SOS-Kinderdorfleiter Erwin Roßmann bei der Scheckübergabe.
Branche
15.12.2020

In Wien finden rund 240 Kinder, die nicht dauerhaft bei ihren leiblichen Eltern leben können, bei SOS-Kinderdorf ein neues Zuhause. Die Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien hat heuer erstmalig ...

Hausgeräte
15.12.2020

Das Elektrokleingeräte Forum stellte dem SOS Kinderdorf insgesamt 60 Elektrokleingeräte für Familien in Niederösterreich zur Verfügung. Die Kinderdorf-Familien bedankten sich mit einer ...

Werbung