Direkt zum Inhalt
Internes Wettziehen um den Online-Erfolg.

„Kannibalisiert“ Media-Saturn Tochter Redcoon?

25.01.2016

Medienberichten zufolge soll Redcoon das Weihnachtsgeschäft gehörig eingebrochen sein. Die Media-Saturn reagierte prompt mit einem Umbau der Geschäftsführung der Tochter.

„Kannibalismus“ ist nicht bösmeinend, sondern die zutreffende Fachvokabel, wenn der eigene Online-Shop dem zugekauften Online-Shop die Kunden abspenstig macht. Folgt man dem für gewöhnlich gut informierten ChannelPartner, dürfte sich so ein Szenario zwischen der Mutter Media-Saturn und der Tochter Redcoon abspielen.

ChannelPartner beruft sich auf eine Meldung der Lebensmittelzeitung, wonach sich der Redcoon-Umsatz in Deutschland im vierten Quartal 2015 – das entspricht dem ersten Quartal des Media-Saturn-Geschäftsjahres 2015/16 – um etwa ein Drittel reduziert haben soll.

Dabei hat Media-Saturn Redcoon doch eigentlich gekauft, um den Onlinehandel sozusagen an eine eigenständige – obzwar im Konzern beheimatete – Geschäftseinheit „auszugliedern“. Dieses Kalkül dürfte scheinbar (noch) nicht aufgegangen sein.

Der Reihe nach. Media-Saturn hat Redcoon im Jahr 2011 also mit der Absicht gekauft, dem Onlinehändler das Internetgeschäft des Konzerns anzuvertrauen. Die Lebensmittelzeitung freilich berichtete jüngst, dass für das Geschäftsjahr 2014/15 von Redcoon mit einem Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent gerechnet werden muss.

Gleichzeitig mit dem Kauf verstärkte Media-Saturn aber sein Online-Geschäft: Saftige Geldspritzen in die hauseigenen Online-Shops sollen den E-Commerce-Anteil auf über acht Prozent gepusht haben. Hat also die Werbemacht von Media Markt und Saturn die eigene Tochter „kannibalisiert“?

Redcoon indes soll als Internet-Pure-Player, also als Firma, die ausschließlich auf das Internet als Vertriebskanal setzt, ein kaum ausgeprägtes Eigenprofil entwickelt haben.

Zwischenstart für Redcoon?

Redcoon startet ins neue Kalenderjahr mit gänzlich veränderten Parametern: Erstens soll sie laut ChannelPartner nicht mehr in der Electronics Online Group (EOG) von Media-Saturn angesiedelt sein, und Zweitens gab es Personalrochaden. Martin Sinner, Leiter der Electronics Online Group (EOG) von Media-Saturn, ist nicht mehr gleichzeitig Redcoon-Geschäftsführer.

Ralf Laffert ist nunmehr CEO von Redcoon: zusätzlich zu seiner Aufgabe als Chef-Einkäufer für Media-Saturn in Deutschland. Und Mirko Nägele wird neuer COO: auch er behält seine bisherige Position, im Falle Nägeles ist das der Posten eines Geschäftsführers der Media Markt E-Business GmbH. Ein Ende des Kannibalismus im Konzern? Das darf getrost bezweifelt werden.

 

Autor: Rudolf Preyer

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Werbung

Weiterführende Themen

Martin Wild verlässt die Großfläche.
Branche
31.03.2020

Kurzarbeit, Staatshilfe und jetzt auch noch der schmerzhafte personeller Abgang: Chief Innovation Officer Martin Wild nimmt bei der Elektrogroßfläche seinen Hut.

Media-Saturn-Mutter Ceconomy beantragt Staatshilfe.
Branche
29.03.2020

Media-Markt-Saturn schickt nicht nur ...

Media-Markt-Saturn meldet in Deutschland 20.000 Angestellte zur Kurzarbeit an.
Branche
27.03.2020

Media-Markt-Saturn hat für das Gros seiner deutschen Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Der Antrag betrifft rund 20.000 Angestellte.

Sortiment und Märkte sollen schrumpfen und Raum für neue Warengruppen und mehr Dienstleistungsangebote erschlossen werden.
Branche
10.12.2019

In einem Interview mit der deutschen Handelszeitung lassen Ceconomy-Interimschef Bernhard Düttmann und Media-Saturn-Oberhaupt Ferran Reverter tief blicken und kündigen bereits deutliche ...

Branche
17.09.2019

Die Sparmaßnahmen bei Media-Saturn erreichen – kurz vor Ende des Geschäftsjahres mit Ende September – eine neue Qualität. Nach Recherchen der deutschen Lebensmittelzeitung sind in den vergangenen ...

Werbung