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Insolvenzstatistik 2018: Firmen top, Private Flop

14.02.2019

Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die Zahlen der Insolvenzentwicklung 2018 erhoben: Insgesamt gab es in Österreich 16.566 Firmen- und Privatinsolvenzen. Während die Firmeninsolvenzen auf das niedrigste Niveau seit 2001 sanken, stiegen die Privatinsolvenzen auf neuen Rekord.

Mit ein Grund dafür ist das neue Insolvenzrecht, welches bei den Privaten für ein sattes Plus von 38,7 Prozent sorgt. Die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen stieg auf über 11.300 Verfahren - ein neuer Rekord seit Einführung des Privatinsolvenzrechts 1995. Die Anzahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist dabei um 44,4 % auf mehr als 10.000 Verfahren, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzanträge sind um 4,3 % auf über 1.200 Fälle an-gestiegen.

Die Hauptgründe für das finanzielle Scheitern sind der Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Selbständigkeit oder ein persönlicher Schicksalsschlag (Krankheit, Scheidung). Das Grundübel ist aber immer der mangelnde Überblick über die eigene finanzielle Lage, sei es bei Online-Bestellungen oder in der Selbstüberschätzung beim Gang in die Selbständigkeit. Hauptgläubiger sind Banken, Versicherungen, Mobilfunkbetreiber und Online-Shops.     

Ein Bundesländer-Vergleich zeigt die stärksten Zuwächse im Burgenland (+97,6 %), in der Steiermark (+72,6 %) und in Vorarlberg (+69,7 %). Die größte Insolvenzbetroffenheit herrscht traditionell in der Bundeshauptstadt: Knapp 27 von 10.000 erwachsenen Wienern wurden insolvent. Ein Drittel aller Insolvenzen fanden hier statt. Österreichweit wurden hingegen 17 von 10.000 Erwachsenen zahlungsunfähig.

Starker Rückgang bei Unternehmenspleiten

Währenddessen sanken die Unternehmensinsolvenzen auf einen historischen Tiefststand seit 17 Jahren. Die Zahl der Verfahren ist um 1,8 % auf 5.224 gesunken. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist dabei um 1,5 % auf 3.113 Fälle, die Zahl der mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesenen Fälle um 2,1% auf 2.111 zurückgegangen.

Obwohl vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern betroffen waren, war das vergangene Jahr von zahlreichen Insolvenzen namhafter Unternehmen geprägt: NIKI Luftfahrt GmbH, Forstinger Österreich GmbH, Charles Vögele (Austria) GmbH, die Rosenberger- und die Waagner-Biro-Gruppe. Die Insolvenzgründe lagen vor allem in kaufmännischen Fehlern des Managements, in Liquiditätsproblemen aufgrund sinkender Margen und Forderungsverlusten.

Der Blick auf die Bundesländer zeigt den stärksten Rückgang in Tirol (-9,4 %), in Salzburg (-8,5 %) und in Kärnten (-7,3 %). Lediglich im Burgenland (+14,3 %) und in Niederösterreich (+8,0 %) gab es einen Zuwachs. Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit 17 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Österreichweit wurden im Durchschnitt 11 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt.

Hier können Sie die Insolvenzstatistik 2018 der Creditreform herunterladen.

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