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Insolvenz: Jede zweite Pleite geht auf die Kappe der Chefs

16.08.2016

Mehr als jede zweite Unternehmens-Pleiten lässt sich auf schwere interne Fehler zurückführen. Diese passieren vor allem in der Chefetage. Kapitalmangel ist hingegen nur selten der Grund für den Untergang.

Manche Chefs schieben gerne die Schuld auf die Mitarbeiter. Der KSV nimmt jedoch die Chefetage in die Pflicht.

Fehlende Planung, falsche Kalkulationen, unterschätzte Kostensteigerungen oder Absatzschwierigkeiten – oft mangelt es in den Betrieben an fundamentalem Know-how und es kommt zu schwerwiegenden innerbetrieblichen Fehlern. „Damals wie heute sind Personen in den obesten Rängen zugange, die das kaufmännische Einmaleins nicht ausreichend beherrschen. Jedoch erfordern viele Aufgaben heute auch mehr Fachkenntnis als noch vor zehn Jahren – man denke nur an das Steuerrecht, das Jahr für Jahr komplexer wird. Hinzu kommt, dass das Aufgabenspektrum des heutigen Managements bedeutend vielfältiger ist als noch vor zehn oder 20 Jahren. Die bürokratischen Auflagen werden immer mehr und es kommen stetig neue Themen hinzu – Stichwort Compliance, Datenschutz, Barrierefreiheit, etc. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob das Management die richtigen Prioritäten setzt, ausreichend Zeit für die überlebenswichtigen Aufgaben aufwendet und die restlichen Themen delegiert“, kommentiert Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim KSV1870. Es sind demnach Fehler in der Chefetage, die mit 51 Prozent inzwischen mehr als jede zweite Pleite verursachen.

Rückläufig ist hingegen die Insolvenzursache „Fahrlässigkeit“. „Fahrlässigkeit“ unterscheidet sich von reinen „internen Fehlern“ insofern als bei Fahrlässigkeit das Management durchaus gewisse Fehlentwicklungen hätten voraussehen müssen, jedoch darüber hinweg gegangen ist. Dieser Mangel an Sorgfalt war im Vorjahr bei elf Prozent der Unternehmen der Grund für die Pleite. 2006 war fahrlässiges Verhalten noch bei 22 Prozent der Unternehmen der Pleitegrund. Persönliches Verschulden – ebenfalls dem Management zuzuordnen - ist mit aktuell neun Prozent niedrig.

Das Geld fehlt bei neun Prozent

Auf den ersten Blick überraschend: Obwohl die Unternehmen Österreichs traditionell vorsichtig sind, wenn es darum geht, Investoren ins Boot zu holen, ist auch der Kapitalmangel als Ursache zurückgegangen. Und zwar von 16 (2006) auf neun Prozent im Vorjahr. In Zeiten von Basel III ist das Bewusstsein für solide Unternehmensfinanzierung merkbar gestiegen. Man weiß, dass der schnelle Kredit in der gewünschten Höhe nicht immer gewährt wird und sorgt daher vermehrt für eine solide Grundausstattung.

Diese Zahlen ergeben sich aus einer Analyse des KSV via Multiple Choice-Verfahren, das 18 typische Ursachen vorgibt.

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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