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Rainer Will, Handelsverband-Geschäftsführer: „Würden Plattformen und Marktplätze die Umsatzsteuer ihrer Handelspartner aus Nicht-EU-Staaten selbst an die nationalen Finanzämter abführen müssen, wäre die wettbewerbsverzerrende Situation leicht zu bereinigen.“

HV: Umsatzsteuerumgehung bei Versand in die EU muss abgeschafft werden

27.04.2017

Der Handelsverband sieht ein Preisdumping im E-Commerce: Händler aus Nicht-EU-Staaten, die auf Onlinemarktplätzen ihre Waren anbieten, vermeiden die Umsatzsteuer und verschaffen sich so Wettbewerbsvorteile gegenüber heimischen Händlern.

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, hinterfragt die Steuervorteile für Händler aus Nicht-EU-Staaten „Ein Großteil der Waren, die asiatische Händler über Plattformen vertreiben, wird ohne Umsatzsteuer verkauft. Damit können sie 20 Prozent billiger anbieten als heimische Händler.“

Der Handelsverband spricht sich für einen fairen Welthandel aus, im dem sich Österreich als offene Volkswirtschaft positionieren muss, um Wohlstand zu schaffen. Wie stellt man jedoch sicher, dass jene Händler – etwa aus dem asiatischen Raum –, die für den Verkauf Onlinemarktplätze und deren Lager nutzen, auch Umsatzsteuer zahlen?

Durch die geübte Praxis entgehen dem Staat Millionen an Steuereinnahmen, aber vor allem werden heimische Händler aus dem Markt gedrängt, da die internationale Konkurrenz ihre Produkte durch diese Steuervorteile günstiger anbieten kann.

In Großbritannien beispielsweise ziehen die Finanzbehörden seit einem Jahr die Marktplätze zur Verantwortung und verlangen von ihnen, die Umsatzsteuer ihrer Marktplatz-Händler aus Drittstaaten einzuziehen. Die Behörden schätzen die Mehreinnahmen 2016 dort auf eine Milliarde britische Pfund.

Wettbewerbsverzerrende Steuerregelungen sowie Steuer-und Zollfreigrenzen, die Billigwaren nach wie vor in die restliche EU schleusen, müssen auch bei uns abgeschafft werden, so der Handelsverband.

Will: „Wir stehen für einen funktionierenden Cross-Border Handel und sehen in Onlineplattformen einen wichtigen Vertriebsweg und Partner für heimische Unternehmen, jedoch braucht es eine faire Besteuerung für alle Marktteilnehmer.“

Will resümiert: „Würden Plattformen und Marktplätze die Umsatzsteuer ihrer Handelspartner aus Nicht-EU-Staaten selbst an die nationalen Finanzämter abführen müssen, wäre diese wettbewerbsverzerrende Situation leicht zu bereinigen.“

Dass bei Direktsendungen an Konsumenten in der EU eine zollfreie Einfuhr von Kleinsendungen bis zu 150 Euro je Sendung sowie eine Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer bis 22 Euro ein Problem für den europäischen Handel darstellen, hat die EU schon erkannt.

Ein EU-Kommissionsvorschlag zur Mehrwertsteuerrichtlinie liegt vor und soll diese Steuerschieflage demnach mit 1. Jänner 2021 abschaffen. Dies bedeutet einen Anstieg der Mehrwertsteuereinnahmen der Mitgliedstaaten von sieben Milliarden Euro jährlich und verbesserte Wettbewerbsbedingungen für die gegenwärtig benachteiligten Unternehmen aus der EU.

Will abschließend: „Die Einführung eines vereinfachten Deklarationsverfahrens beim Zoll und die Abschaffung der Zoll- und Steuerprivilegien bei der Einfuhr in die EU sind ein wichtiger Schritt, der nicht früh genug gemacht werden kann. Jetzt müssen noch die Steuerprivilegien der Drittstaaten-Händler, die via Online-Marktplatz in die EU verkaufen, aufgelöst werden.“

Der zusätzliche Preisvorteil wäre dahin, so Will, Arbeitsplätze würden geschützt und die Steuereinnahmen würden steigen. Damit würden der österreichische und europäische Handelsstandort auch global profitieren.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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