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Die Verhandlungspartner (v.l.): Franz Georg Brantner, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA-djp, Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp, Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel, Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ

Handels-KV wird von Verhandlern als „Meilenstein“ bezeichnet

25.07.2017

Für rund 404.000 Beschäftigte in rund 80.000 Betrieben im Handel wurde eine KV-Einigung gefunden.

Als „Meilenstein“ bezeichneten Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) und der Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Peter Buchmüller, die nun erreichte Einigung auf ein neues Gehaltssystem im Handel.

Buchmüller und Katzian unisono: „Aus Sicht der Sozialpartnerschaft haben wir eine weitreichende Lösung erreicht, die die heimische Handelslandschaft auf völlig neue Beine stellt. Qualität stand bei den Verhandlungen im Vordergrund, sodass nun eine komplett neue Gehaltsordnung für 404.000 Beschäftigte und 80.000 Betriebe vorliegt.“

Handelschef Buchmüller schickt voraus: „Eckpunkte der Verhandlungen sind Vereinfachungen durch künftig eine einheitliche Gehaltstafel und ein einheitliches Gehaltsgebiet für den gesamten Handel.“

Buchmüller weiter: „Mit einem höheren Einstiegsgehalt von 1.600 Euro lässt der Handel das Image der Niedriglohnbranche endgültig hinter sich und gewinnt durch Anerkennung der Karenzzeiten an Attraktivität. Durch die Deckelung der Vordienstzeiten auf sieben Jahre werden erfahrene Mitarbeiter wieder leistbarer.“

Die Einigung auf den neuen Kollektivvertrag für den Handel habe jedenfalls eine große sozialpolitische Vorbildwirkung, von der vor allem Frauen profitieren, unterstreicht GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian: „Jede Statistik beweist, dass es leider noch immer fast ausschließlich Frauen sind, die zur Betreuung ihrer Kinder in Karenz gehen. Mit der vollen Anrechnung von zwei Jahren Karenzzeit pro Kind sind wir unserem Ziel des dringend notwendigen Lückenschlusses in der Einkommensschere wieder einen Schritt nähergekommen.“

Katzian dazu, was der neue KV für Angestellte bringt, die mit All-In Vertrag arbeiten: „Für die Betroffenen ist oft nur schwer nachvollziehbar, wie viele Überstunden und Mehrleistungen mit einem All-in Vertrag tatsächlich abgegolten werden. Es besteht auch der weitverbreitete Irrglaube, dass ein All-In Vertrag den Kollektivvertrag oder das Arbeitszeitgesetz außer Kraft setzt.“

Katzian weiter: „Umso wichtiger und wertvoller ist die neue Regelung: das kollektivvertragliche Mindestgehalt und eine Überzahlung sind anzuführen und bilden das Grundgehalt, die Entlohnung der Überstunden ist extra anzuführen – diese Transparenz wünschen wir uns für alle Branchen.“

Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel: „Nunmehr werden die Tätigkeiten in den Beschäftigungsgruppen detailliert beschrieben. Bisher war das nicht der Fall, was oft zu Rechtsstreitigkeiten vor den Gerichten führte. Betriebe haben vier Jahre Zeit, um in den neuen Kollektivvertrag umzusteigen.“

Thalbauer weiter: „Für Handelsunternehmen wurde damit bis 2021 ein Übergangszeitraum geschaffen, der so auf die Bedürfnisse der Handelsbetriebe Rücksicht nimmt und diese durch die getroffenen Maßnahmen nicht überfordert.“

Im Hinblick auf die nun getroffene Einigung, sieht Thalbauer aber auch gleichzeitig den Startschuss für weitere Gespräche, um in einem nächsten Schritt Verhandlungen zur Vereinfachung der Öffnungszeitenzuschläge zu einem Abschluss zu bringen.

Franz Georg Brantner, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier): „Dass im neuen Gehaltsschema die facheinschlägige Ausbildung und die Qualifikation honoriert werden, eröffnet vielen Angestellten neue Möglichkeiten und die Chance auf ein höheres Einkommen.“

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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