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Karl Dürtscher, Bundesgeschäftsführer der GPA-djp.

Handels-KV: die Forderungen der Gewerkschaft

25.10.2018

Bei den kommende Woche startenden Kollektivvertragsverhandlungen im Handel drängt die Gewerkschaft auf einen Ausgleich für die im Juli von ÖVP, FPÖ und NEOS beschlossene Arbeitszeitflexibilisierung. Angeordnete 12-Stundendienste würden wahrscheinlicher, vor allem zur Weihnachtszeit, erwarten die Arbeitnehmervertreter. Zudem wollen die Arbeitnehmervertreter eine "kräftige" Gehaltserhöhung.

Ein 12-Stunden-Tag würde vor allem Frauen mit Kinderbetreuungspflichten vor große Probleme stellen, nachdem Kinderbetreuungseinrichtungen in vielen Gegenden Österreichs nicht so lange geöffnet haben, sagte Karl Dürtscher, Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, bei einem Hintergrundgespräch vor Journalisten. Knapp zwei Drittel der rund 400.000 Angestellten im Handel in Österreich sind Frauen, im Einzelhandel liegt der Frauenanteil noch etwas höher. Die Freiwilligkeit bei Überstunden sei angesichts der knappen Personalressourcen in der Handelsbranche und zahlreichen "All-In-Verträgen" problematisch, so Dürtscher.

Eine zentrale Forderung der Gewerkschaft in den kommenden KV-Verhandlungen ist die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche. Diese Forderung stellen die Arbeitnehmervertreter schon seit Jahren, die Arbeitgeber haben bisher aber abgeblockt. Momentan kommen Beschäftigte im Handel laut Kollektivvertrag nur dann in den Genuss von sechs Wochen Urlaub im Jahr, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten.

Als Positivbeispiel sieht die Gewerkschaft die beiden Baumarktketten Hornbach und Bauhaus. Beide bieten ihren Handelsangestellten in Österreich seit kurzem ein Vollzeit-Einstiegsgehalt von 1.820 brutto und 6 Wochen Urlaub ab dem zweiten Jahr. Die Baumärkte wollen damit wohl gute Mitarbeiter von anderen Unternehmen abwerben, so Wirtschaftsbereichssekretärin GPA-djp, Anita Palkovich.

Die Gewerkschaft hat noch einige andere Forderungen für die KV-Verhandlungen: Die Arbeitszeit pro Mitarbeiter an den umsatzstarken Tagen 24. und 31. Dezember soll beschränkt und besser bezahlt werden. Weiterbildung sollte durch einen Anspruch auf die 4-Tage-Woche und einen Rechtsanspruch auf Bildungskarenz gefördert werden. Für ältere Arbeitnehmer drängen die Arbeitnehmervertreter auf altersgerechte Arbeitszeitmodelle. Die Altersteilzeit wird im Handel derzeit nur wenig genutzt. Außerdem wünscht sich die Gewerkschaft eine Karenzanrechnung auf alle dienstzeitabhängigen Ansprüche.

Mehr Gehalt

Zudem wollen die Arbeitnehmervertreter bei den nächsten Dienstag startenden KV-Verhandlungen für die rund 407.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel eine "ordentliche reale" Gehaltserhöhung erreichen. Die Angestellten müssten "vom goldenen Herbst profitieren", forderte Franz Georg Brantner, Verhandlungsleiter der Arbeitnehmervertreter, am Mittwochabend vor Journalisten. "Eine kräftige Gehaltserhöhung ist gerechtfertigt, leistbar und sichert die Kaufkraft, von welcher der Handel am meisten profitiert." Wie hoch das geforderte Gehaltsplus ausfällt, wollte Brantner als Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel der GPA-djp vor Beginn der Verhandlungen nicht verraten.

Aktuell liegt das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte im alten Handels-KV bei 1.586 Euro brutto pro Monat, das sind 1.276 Euro netto laufender Bezug und im neuen KV bei 1.636 Euro brutto oder 1.308 Euro netto. Beim Abschluss im vergangenen Jahr einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf eine Erhöhung der Mindestgehälter von 2,35 bis 2,6 Prozent.

Seit Dezember 2017 gilt der neue, reformierte Handels-KV. Die rund 80.000 Handelsbetriebe haben allerdings bis Ende 2021 Zeit, auf das neue Schema umzusteigen. Die großen Handelsketten haben laut Gewerkschaftsangaben noch nicht auf den neuen Handels-KV umgestellt.
 

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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