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Handels-KV: Das Feilschen um Geld und Urlaub geht los

14.10.2013

Ab morgen, Dienstag, pokern die Sozialpartner wieder um neue Kollektivvertrags-Abschlüsse für über eine halbe Million Beschäftigte (Angestellte und Lehrlinge) im österreichischen Handel. Wie schon im vergangenen Jahr, steigt die Gewerkschaft GPA-djp mit der Forderung nach einer ordentlichen realen Gehaltserhöhung und dem früheren Erreichen der sechsten Urlaubswoche in den Ring.

Damit den Beschäftigten netto real auch etwas bleibt, braucht es aus Sicht der Arbeitnehmervertreter den Dreier vor dem Komma und ein Mindestgehalt von 1.500 Euro brutto für Vollzeitbeschäftigte. Derzeit liegt es bei 1.400 Euro.

 

Die Wirtschaftslage im Handel wird von der Gewerkschaft naturgemäß besser eingeschätzt als von den Arbeitgebern. Während die Belegschaftsvertreter "genug Substanz zum Verteilen" sehen, verweist die Wirtschaftskammer auf die schlechten Ergebnisse vieler Betriebe. Über 50 Prozent der Betriebe schrieben Verluste oder hätten kein positives Eigenkapital.

 

Auch bei der für die Gehaltserhöhung herangezogenen Inflationsrate gehen die Meinungen auseinander: Die Gewerkschaft geht derzeit von einer Teuerung von 2,4 Prozent für das abgelaufene Jahr aus. Die Arbeitgeber sehen die Inflation knapp über zwei Prozent pendeln. Die Festlegung der Inflationsrate wird Thema der morgigen Verhandlungsrunde sein.

 

Dabei ruhen die Hoffnungen auf dem Abschluss der Metaller, der als Richtwert für andere Branchen gilt. Morgen gehen die Verhandlungen des größten Metallfachverbandes FMMI in die dritte Runde. Gefordert wird hier von der Gewerkschaft eine Anhebung der Gehälter um 100 Euro bzw. mindestens 3,4 Prozent. Traditionell liegt der Abschluss im Handel aber darunter.

 
In ihrem Paket für die diesjährigen Verhandlungen findet sich auch eine alte Forderung der Gewerkschaft wieder, der die Wirtschaftskammer schon im Vorjahr eine Abfuhr erteilte: Das frühere Erreichen der 6. Urlaubswoche. Derzeit kommen Handelsbeschäftigte nur dann in den Genuss von sechs Wochen Urlaub im Jahr, wenn sie 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Aus Vordienstzeiten sowie Schul- und Studienzeiten werden bisher maximal 12 Jahre angerechnet. "Über 90 Prozent der Handelsangestellten sehen die 6. Urlaubswoche so nie", kritisiert die Gewerkschaft. Im Schnitt blieben die Beschäftigten nämlich nur sieben bis neun Jahre in einem Unternehmen.

 

Eine bessere Absicherung wünscht sich die Gewerkschaft für Karenzierte. Per Gesetz müssen kollektivvertragliche und betriebliche Gehaltserhöhungen während der Karenz weitergerechnet werden. Das sei vielfach aber nicht der Fall. Laut Arbeitnehmervertreter kommt es auch häufig vor, dass Frauen nach der Karenz in eine schlechtere Gehaltsgruppe eingestuft werden als davor. "Oft mit der Begründung, dass es den gleichen Job nicht mehr gibt." Bei diesem Punkt sind die Arbeitgeber offen, wenngleich ihnen keine Problemfälle bekannt seien.

 

Der Handelskollektivvertrag gilt für rund 534.000 Beschäftigte (davon etwa 17.600 Lehrlinge) und ist damit der größte KV in Österreich. Im vergangenen Jahr einigten sich die Sozialpartner nach sechs Verhandlungsrunden auf ein Gehaltsplus von 2,98 Prozent für Angestellte und 3,1 Prozent für Lehrlinge. Heuer soll es in drei Runden über die Bühne gehen. "Wir wollen die Verhandlungen effektiver gestalten", sagte Gewerkschafts-Chefverhandler Franz Georg Brantner im Vorfeld.

 

Das Verhandlungsteam besteht wie schon im Vorjahr aus Brantner und Manfred Wolf auf Gewerkschaftsseite sowie Peter Buchmüller und Rene Tritscher auf Arbeitgeberseite.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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