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Gewerkschaft wittert Skandal: Österreichischer Amazon-Mitarbeiter packt aus

12.06.2019

Die Arbeitsbedingungen beim Online-Versandhändler Amazon stehen seit Jahren in der Kritik. Jetzt hat auch in Österreich erstmals ein Beschäftigter ausgepackt. Seine Vorwürfe reichen von Überwachung über Disziplinierungsmaßnahmen bis hin zu erniedrigenden Vorschriften.

Maarten N. war sechs Monate im Amazon-Verteilzentrum beschäftigt.

Der Holländer Maarten N. arbeitet seit sechs Monaten im Verteilzentrum in Großebersdorf (NÖ). Wie die meisten seiner Kollegen ist er über eine Leiharbeitsfirma bei Amazon beschäftigt. Der Online-Riese selbst habe nur 16 Filialmanager direkt angestellt. Operativ arbeite das Unternehmen ausschließlich mit Leiharbeitern, derzeit seien es etwa 150.

„Wir wollen nicht, dass Arbeitnehmer bei uns respektlos und menschenunwürdig behandelt werden", so die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft GPA-djp, Barbara Teiber, bei einem Pressegespräch in Wien. Maarten N. hat sich an die Gewerkschaft gewandt. „Am schlimmsten ist es, dass man am Anfang der Woche nicht weiß, ob man am Ende der Woche noch einen Job hat", so N. Im November 2018 habe er einen 25-Stunden-Vertrag unterzeichnet. Nach dem Weihnachtsgeschäft sei seine Arbeitszeit reduziert worden, da es weniger Geschäft gab. Mitarbeiter seien unter der Androhung von Personalreduktion ersucht worden, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Doch auch trotz Stundenreduktionen seien Beschäftigte gekündigt worden, erzählte er.

Den Arbeitsdruck im Verteilerzentrum schilderte der Holländer als hoch. Da Amazon räumliche Anpassungen vorgenommen habe, um mehr Pakete pro Tag ausliefern zu können, sei es in der Halle sehr eng. Zudem seien die Beschäftigten einer ständigen Überwachung ausgesetzt. Ein Scanner, der als Arbeitsgerät benutzt wird, registriere die Arbeitsleistung. Die Mitarbeiter selbst hätten keine Erlaubnis, ihre Daten einzusehen. Die gewonnenen Daten würden aber zur Entscheidung über eine Verlängerung der Beschäftigung herangezogen.

Während der Arbeitszeit dürften die Beschäftigten im Verteilzentrum keine persönlichen Gegenstände wie Handys, Uhren, Gürtel oder sogar Kaugummi bei sich haben. „Wer etwas dabei hat, steht unter Pauschalverdacht, es womöglich aus einem Paket entwendet zu haben“, so Maarten N. weiter. Abgesehen von den Umkleideräumen gebe es überall Überwachungskameras.

Den Boten geht’s nicht besser

Der Onlinehändler arbeitet in Österreich mit Auslieferungsboten zusammen, darunter Intersprint, Albatros, Veloce und LTS. Die Fahrer liefern pro Tag zwischen 80 und 300 Pakete aus. Ihnen drohten bei „Fehlverhalten“ wie falscher Bekleidung Disziplinierungsmaßnahmen, erzählte Maarten N. Zur Strafe müssten sie dann jedes Paket unter Aufsicht einzeln scannen, obwohl es die Möglichkeit einer gruppierten Scannung gebe.

Die Gewerkschaft will nach den nun bekannt gewordenen Vorwürfen gleich an mehreren Fronten gegen den Onlineriesen vorgehen. "Solche Verhältnisse werden wir nicht zulassen", stellt Teiber, klar. Das Arbeitsinspektorat solle überprüfen, ob die Arbeitsplatzsituation im Verteilzentrum in Großebersdorf gesetzeskonform sei, so Teiber. Es gebe zu wenig Platz für die Beschäftigten und eine Gefährdung durch ungesicherte Regale. Die niederösterreichische Gebietskrankenkasse solle zudem  prüfen, ob eine Scheinselbstständigkeit vorliege.

Ob die Gewerkschaft allerdings gegen Amazon ankommt, ist fraglich. „Amazon ist sehr geschickt darin, die Grenzen auszuloten, in denen sie agieren können. Sie handeln aber unmoralisch, respektlos und menschenunwürdig“, sagte Teiber.

„Ist nicht die Wirklichkeit“

In einem schriftlichen Statement hat der Onlinehändler inzwischen auch Stellung genommen. „Wir denken nicht, dass die Vorwürfe die Wirklichkeit in unseren Gebäuden widerspiegeln“, hieß es am Mittwoch zur APA. An allen Standorten seien seit dem Start von Amazon sichere und attraktive Arbeitsplätze entstanden. „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben dabei immer die höchste Priorität. Wie jedes Unternehmen erwarten wir eine bestimmte Leistung von den Mitarbeitern. Deshalb arbeiten unsere Manager eng mit den Mitarbeitern zusammen, um sie zu fördern und zu unterstützen“, so das Unternehmen.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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