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Gewerbe & Handwerk: Investitionsmotor anwerfen, Arbeitszeitflexibilisierung vorantreiben

13.01.2016

Die Gewerbe- und Handwerkssparte erwartet für 2016 nur moderate Verbesserungen – Eine Handwerkerbonus für 2016 und Investitionsanreize sollen umgesetzt werden.

 Renate Scheichelbauer-Schuster ist die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk.

„Wir stehen vor einer herausfordernden Situation für die Betriebe: Denn für 2016 erwartet das Gewerbe und Handwerk nur moderate Verbesserungen zum Vorjahr, wenngleich die Stimmung bei den Unternehmen sich langsam bessert“, betonte heute, Mittwoch, die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Renate Scheichelbauer-Schuster im Rahmen der Konjunktur-Pressekonferenz der Bundessparte. Jetzt gelte es den Investitionsmotor anzuwerfen, um die konjunkturelle Situation rascher zu verbessern. „Mit der Steuerreform im Rücken wäre es ein Leichtes, den Handwerkerbonus nun in die Verlängerung zu schicken. Es besteht auch ein Investitionsrückstau bei den Haushalten, jetzt sollte man dazu anregen, Geld für bauliche Maßnahmen in die Hand zu nehmen und damit gleichzeitig die Auftragslage der Handwerksbetriebe zu stärken“, so die Obfrau, die auch auf das generell niedrige Investitionsniveau in der heimischen Wirtschaft verwies. Investitionsanreize wie eine Investitionszuwachsprämie könnten helfen, dass die Betriebe – branchenübergreifend – von reinen Ersatzinvestitionen zu Neuinvestitionen kommen, die helfen, Wachstum für den österreichischen Markt zu generieren.

Denn die Konjunktur, so Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, deute noch auf keine echte Erholung hin: „Die Indikatoren zeigen, dass der private Konsum aufholt. In den investitionsgüternahen Branchen ist die Situation aber nicht rosig. Jetzt gilt es den richtigen Dünger zu geben, damit wir 2015 hinter uns lassen. Denn die Umsätze verzeichneten allein in den ersten drei Quartalen des Vorjahres minus 2,8 Prozent“. 2016 zeige die Erwartungshaltung der Unternehmen jedenfalls was die Geschäftsentwicklung und die Personalplanung betrifft leicht nach oben. So ist der Auftragsbestand im vierten Quartal um 3,8 Prozent gestiegen, dementsprechend positiver sind die Unternehmen für das erste Quartal 2016 gestimmt. Nach Branchen zeigt sich ein deutlicher Rückgang bei den Gesundheitshandwerken, einen erhöhten Auftragsbestand verzeichnen beispielsweise die Kunststoffverarbeiter und die Elektriker.

Wohnbaupaket dringend nötig − Bestbieterprinzip anwenden

Wie dringend das Wohnbaupaket gebraucht wird, zeigen die gesamten Bauwirtschaftswerte: Hier sind die Ergebnisse 2015 schlechter als im Durchschnitt, insbesondere bei Bau, Holzbau, Installateuren und Bauhilfsgewerben. Vor diesem Hintergrund plädierte die Gewerbe- und Handwerksobfrau auch für eine konsequente Umsetzung des Bestbieterprinzips bei öffentlichen Aufträgen: „Ich gehe davon aus, dass dieses Gesetz in der vorliegenden Form tatsächlich in Umsetzung kommt. Denn es ist ein Instrument für mehr Transparenz und wirkt dem Lohn- und Sozialdumping entgegen. Gleichzeitig ist es ein starkes Zeichen für eine faire und regionale Vergabe“, so Scheichelbauer-Schuster.

Gewerbe drängt auf Arbeitszeitflexibilisierungen

„Mehr Flexibilität bedeutet für Österreich einen echten Standortvorteil: Bei zu wenig Flexibilität wird für die Kunden die Abdeckung von Auftragsspitzen zu teuer. Und dann wandert die Arbeit entweder in die Schwarzarbeit oder an Anbieter, die andere Kostenstrukturen haben, wie aus dem benachbarten Ausland. Denn Arbeit muss für den Kunden leistbar sein. Wir rütteln nicht an der 40-Stunden-Woche, wir wollen aber, dass die Arbeitszeit innerhalb der Vorgaben flexibler verteilt werden kann“, so der Bundesinnungsmeister der Metalltechniker, Harald Schinnerl.

Mit den vor Weihnachten vorgenommenen Änderungen im Montagebereich (Einrechnung von Fahrzeiten in die Gesamtarbeitszeit) sei ein Schritt in die richtige Richtung unternommen worden. Aus Unternehmenssicht gelte es aber, weiterführendere Maßnahmen zu setzen. Schinnerl nannte folgende Beispiele: Bei einer dringenden Reparatur im Bad etwa durch einen Wasserrohrbruch ist es im Sinne aller, wenn dies schnellstmöglich passiert und damit weitestgehend am Stück und durchgehend gearbeitet werden kann. Oder wenn durch flexiblere Arbeitszeiten Betreuungspflichten von MitarbeiterInnen so gelegt werden können, dass keine dritte Person einspringen muss – also Transporte von und zum Kindergarten bzw. Schule.

Standort und Betriebe stärken

Im Detail betont die Bundessparte Gewerbe und Handwerk die Ausweitung der täglichen Normalarbeitszeit auf 10 anstatt 9 Stunden. „Das wäre eine Durchrechnung innerhalb einer Woche“, so Schinnerl. Gleichzeitig sollte die tägliche Höchstarbeitszeit 12 Stunden betragen - unter Beibehaltung der wöchentlichen Obergrenze von 50 Stunden. „Beides bedarf einer gesetzlichen Regelung, damit auch kleinere Betriebe die Spielräume nützen können, beispielsweise mit einzelvertraglichen Vereinbarungen“, so Schinnerl. „Jetzt gilt es das Wachstum am Standort Österreich anzukurbeln. Denn angesichts der Zahl jener Menschen, die ohne Arbeit sind und die in den Arbeitsmarkt integriert werden müssen, gilt es die Betriebe zu stärken. Arbeit und Ausbildung können die Betriebe nur geben, wenn die Auftragslage stimmt“, unterstrich Scheichelbauer-Schuster abschließend.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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