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Geizhals vs. Lieferanten: „Bald brauchen wir gar keinen UVP mehr“

31.01.2012

„Vielleicht wird’s in Zukunft überhaupt keine Preis-Empfehlungen mehr geben“, meint ein Industrie-Manager. Ausgerechnet (Selektiv-)Bemühungen, Ruhe in den Markt zu bekommen, werden nun von selbigem bestraft. Geizhals fordert Internet-Händler auf, Lieferanten bei der Bundeswettbewerbs-Behörde (BWB) anzuschwärzen. In Deutschland soll sogar mal wieder ein Verfahren gegen einen Kleingeräte-Anbieter laufen.

Unter dem Titel einer „beruhigten“ oder „markengerechten Vermarktung“ haben viele Lieferanten in jüngsten Jahren große Anstrengungen unternommen, um sich und dem Fachhandel eine auskömmliche Existenz zu ermöglichen. Dazu zählten von Anwälten geprüfte Selektiv-Verträge ebenso wie das Gespräch mit Handels-Partnern, damit Vernunft im Markt einziehen möge.

 

Dass diese Bemühungen bei der heimischen Preisvergleichs-Plattform mit Argwohn beobachtet worden sein dürften, zeigte sich spätestens Ende November des Vorjahres, als Geizhals gemeinsam mit der WU Wien eine Studie präsentierte, derzufolge 47 Prozent der befragten Händler bereits unter Druck von Herstellern, insbesondere bei der Preis-Gestaltung, gesetzt wurden. Beliebte Instrumente dabei seien Liefer-Verzögerungen, Liefer-Sperren, verschlechterte Einkaufs-Konditionen und der Entzug der Herstellerbild-Erlaubnis.

 

Behörde sucht Beweise

 

Ganz überraschend kommt es also nicht, dass das Unternehmen nun einen Schritt weitergeht und sich in einem Schreiben direkt an Online-Händler wendet. Darin heißt es: „Die BWB will nun verstärkt gegen diese sog. Preisbindungen der zweiten Hand vorgehen und benötigt entsprechende Beweise, um ein Verfahren einleiten zu können. Wir würden Sie daher bitten, sich am besten direkt mit der BWB in Verbindung zu setzen und gleich auch an diese entsprechend belegbare Beweise im Zusammenhang mit Druck-Ausübung bei der Preis-Gestaltung seitens Herstellern, Großhändlern oder anderen Vertriebs-Partnern zu übermitteln.“

 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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