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Geiz ist geil – nur nicht im 6000-Seelen-Örtchen Billigheim … die Girls wurden nach Hause geschickt

28.06.2013

Die Voraussetzungen könnten eigentlich besser nicht sein. Es gibt ein Rathaus, zwei Schulen, eine Sonderabfalldeponie und natürlich den ausgesprochen attraktiven Ortsnamen, für den sich werbeaffine Elektro-Internetversender auch mal in die baden-württembergische Provinz (oder genauer gesagt in den idyllischen Landkreis Neckar-Odenwald-Kreis) wagen würden. Ja, würden … wären da nicht die rund 6000 (w)ehrhaften Bürger, die mit billigem Geiz schon so rein gar nichts am Hut haben möchten.

Über den qualitativen Anspruch der Redcoon-Werbefilmchen lässt sich bekanntlich nicht streiten. Oder wer hat nicht schon mal eine Träne verdrückt, wenn eine knapp bekleidetet Dame „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Billigste im ganzen Land“, fragt und ihre gleichermaßen lustig-lasziven Begleiterinnen im Chor „Ich“ rufen? Ja genau, es sind diese Szenen, die Fernsehen und Kino so unvergesslich machen…

Aber wie auch immer. Kein anderes filmisches Machwerk schafft es derzeit so gut die Vorteile des Internethandels auf den Punkt zu bringen. Und dass es bislang nicht mit einem Oscar geklappt hat, liegt entweder an bösartigen US-Ressentiments gegenüber tiefgründigem, deutschem Brachial-Humor, oder vielleicht einfach nur daran, dass in Hollywood generell keine Werbespots ausgezeichnet werden.

Hollywood, wir kommen...

Einen finalen Anlauf ins Mekka des Filmbusiness wollte die Redcoon-Werbeagentur Serviceplan allerdings noch wagen, und dazu ganz tief ins Billig-Thema vordringen. Der neue Spot sollte daher im idyllischen Örtchen Billigheim, im deutschen Baden Württemberg abgedreht werden – weil halt der Name so schön passt.  Dabei hat man die Rechnung allerdings ohne die Einwohner gemacht, die man natürlich gerne als Statisten dabei gehabt hätte. Hauptdarsteller wären wieder die bekannt talentierten C-Promis gewesen, deren Namen uns leider grad entfallen sind – und die im Grunde auch keine Rolle spielen. Bei derart großen Brüsten zwischen Wirtshaus und Fußballverein, sind Namen aber ohnehin nur Schall und Rauch.

Geplant waren also Dialoge wie „Wir Billigheimer lieben billig!“ (dagegen stinkt sogar ein „Ich schau' dir in die Augen, Kleines" von Humphrey Bogart hoffnungslos ab). Und man hatte auch schon die hohe Lokalpolitik auf seine Seite gezogen, wie die Süddeutsche Zeitung weiß. Bürgermeister Reinhold Berberich wollte eigentlich mit dem Filmteam kooperieren, verbieten hätte er es ja außerdem sowieso nicht können. Womit der Orts-Chef allerdings nicht rechnete: als das Vorhaben durchsickerte und dann ohne Vorwarnung Statisten gesucht wurden, da wurden einige Bürger wirklich sauer.

Man wolle nicht, so der Tenor der Einwohner, im Mittelpunkt einer Kampagne stehen, deren Slogan „Wir Billigheimer lieben billig“ lautet. Böse Bürger bringen böses Werbe-Karma dachte sich wohl das Filmteam und packte daraufhin wieder seine Koffer. Dem Ort entgehen durch das kulturelle Unverständnis seiner Bürger nun Redcoon-Einkaufsgutscheine von mehreren tausend Euro. Dem Bürgermeiser ist’s aber im Grunde egal: „Am wichtigsten ist, dass der örtliche Frieden erhalten bleibt.“

Unklar ist allerdings, ob die Redcoon-Damen nun vor ihrem Spieglein sitzen bleiben oder in andere, kulturell aufgeschlossenere Ortschaften gekarrt werden. Die Auswahl ist jedenfalls groß: Billigheim-Ingenheim (Rheinland-Pfalz) böte sich etwa an oder das beschauliche Moseldörfchen Oberbillig. Und falls man das Werbe-Thema wechseln möchte, kämen auch Gammelshausen, Mückenloch, Katzenhirn oder – eigentlich eh schon ganz passend – Busendorf und Deppenhausen in Betracht. Ach ja: diese Ortschaften gibt’s alle wirklich …

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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