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„Fix vom Tisch!“ 0:1-Regelung kommt nicht, die Versender-Frage bleibt

25.09.2013

Geschafft. Die Ausnahme für Österreich kommt, dem Handel bleibt die vom EU-Plenum angedachte 0:1-Rücknahme bei kleinen Geräten erspart. Ein Gutachten zeigt, die Altgeräte-Sammelquoten des bestehenden Systems passen. Weniger sicher ist allerdings, ob’s wirklich klappt, die internationalen Online-Händler in Sachen Altgeräteentsorgung endlich zur Kassa zu bitten.      

„Die 0:1-Rücknahme ist vom Tisch“, sagt Reinhard Mang, Generalsekretär im Lebensministerium, zu Elektrojournal Online. Im Sommer war es endlich fertig, das langersehnte Gutachten, das dem Elektrohandel ein Leben als Schrottsammelstelle erspart. Elektrojournal berichtete exklusiv in den Ausgaben 1/2013 und 7-8 2013. Das Lebensministerium zeigt sich mit dem jetzigen Gutachten jedenfalls zufrieden, die Quoten in Österreich passen. Das hat man nun Schwarz auf Weiß. Das Gutachten wird demnächst gemeinsam mit der neuen EAG-Verordnung – die Novelle wird in Kürze begutachtet – nach Brüssel geschickt. Im Februar muss dann die neue EU-Elektroaltgeräte-Richtlnie (WEEE) in nationales Recht umgesetzt werden.

 

„Wahnsinnig wichtig“

 

„Für die Händler ist das ein wahnsinnig wichtiges Thema. Es ist uns gemeinsam mit Anstrengung gelungen, dass wir die Ausnahme bekommen werden, dass die 0:1-Regelung an uns vorbeigeht“, sagt Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik zu Elektrojournal Online. Das EU-Plenum wird das Gutachten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zurückschicken. „Es gibt diese Möglichkeit für eine Ausnahme. Welches Land sollte sie bekommen, wenn nicht Österreich? Das alternative System funktioniert zumindest genauso gut bei Kleinstgeräten, wie das vom EU-Plenum angedachte“, meint Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle.

 
9,1 Kilogramm pro Kopf
 

Dass das System mit den 2.100 Sammelstellen rund läuft, zeigen auch die aktuellen Zahlen. Insgesamt sammelten die Österreicher letztes Jahr pro Kopf 9,1 Kilogramm an Elektroaltgeräten, um 2,46 Prozent als im Jahr zuvor. Addiert kamen so 76.612 Tonnen zusammen. Bei den Kleingeräten verzeichnete die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle einen Anstieg von zwölf Prozent. Interessant: 18.530 Tonnen an Bildschirmgeräten sind Österreich gesammelt worden, 15.860 Tonnen in Verkehr gesetzt worden, was wohl an schweren Röhrenfernsehern liegt, die noch in Haushalten zu finden sind.     
 

Eine Lösung für das Versandhandel-Problem?

 

Zurück zur WEEE-Richtlinie: Sie besagt, dass ausländische Hersteller künftig einen Bevollmächtigten zur Erfüllung der Herstellerpflichten in Österreich benennen müssen. Dieser Bevollmächtigte muss dann auch dafür sorgen, dass die Online-Versender ihre Abgaben in den Ländern zahlen, in die sie senden. So soll ein fairerer Wettbewerb gewährleistet werden. Es geht etwa um die Kosten für die Altgeräteentsorgung. Elektrojournal berichtete.

 
"Untragbar und ungerecht"

Für Krejcik ist es höchste Eisenbahn, dass die auch die internationalen Versender zur Kassa gebeten werden. Die derzeitige Situation sei „untragbar“ und eine "Ungerechtigkeit", poltert er. „Der österreichische Handel muss für ausländische Mitbewerber mit zahlen.“ Das würde sich natürlich auch auf die Preise auswirken und den Wettbewerb verzereren

 

Krejcik erhofft sich durch die geplante Richtlinie eine Verbesserung der Situation. Ob diese wirklich eintritt, wagt er aber nicht zu beantworten. Die Frage wird sein, ob der Bevollmächtigte mit den nötigen Informationen seitens des Online-Händlers versorgt wird. Giehser glaubt jedenfalls, dass sowohl die EU also auch die Öffentlichkeit den notwendigen Druck aufbringen werden, dass sich die großen Online-Händler – die ja bekanntlich einige Tricks auf Lager haben – die neue Richtlinie annehmen.

 

Klar ist aber, dass die WEEE-Richtlinie nur für Versender mit einem Sitz im EU-Raum gilt. Dass Online-Händler weltweit erfasst werden, sei „der logische nächste Schritt“, meint Giehser. Sowohl die EAK-Chefin also auch Krejcik zeigen sich aber angesichts der neuen Regelung optimistisch, denn „es kann nur besser werden, als es jetzt ist.“  

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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