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Fachkräftemangel: Handel braucht die richtigen Lehrlinge statt falsche Klischees

15.10.2018

Der Handel sucht Lehrlinge. Darum startet die WKÖ-Sparte Handel eine neue Info-Kampagne. Mit dieser will die Bundessparte neue Zielgruppen ansprechen und alte Klischees ausräumen.

Das Kampagnen-Facebook-Sujet für den Elektrohandel.

Auch wenn die Lehrlingszahlen zuletzt leicht nach oben gingen, der Fachkräftemangel im Handel ist akut. 15.000 Lehrlinge werden jährlich ausgebildet. Das ist viel, trotzdem fehlen 2.500 bis 3.000 Lehrlinge. „Wir müssen deswegen Maßnahmen setzen“, weiß auch Sonja Marchhart, die bildungspolitische Referentin der Bundessparte Handel. Zu den gesetzten Maßnahmen gehört unter anderem eine neue Info-Kampagne, mit der zwei Zielgruppen angesprochen werden sollen: Jugendliche, die mit dem Gedanken spielen, eine Handelslehre zu starten, sowie Eltern und andere Entscheider.

Die Kampagne „Eine Lehre im Handel. Mitten im Leben. Karriere machen“ läuft von 9. Oktober bis Ende November und dann wieder im Jänner und Februar 2019. In 17 verschiedenen Sujets werden die gefragtesten Lehrberufe im Handel präsentiert. Bei diesen werden Interessen und Talente von Kindern bildlich dargestellt und mit dem jeweiligen Lehrberuf verknüpft. Die Sujets sind dabei bewusst im Retro-Look gehalten. „So wollen wir Eltern an die Talente ihre Kinder erinnern, als die noch klein waren. Der Handel ist so breit. Er deckt enorm viele Interessengebiete ab“, erklärt Marchhart. Für Jugendliche gibt es zusätzliche noch eigene Entwürfe.

Entsprechend der Zielgruppen werden als Kanäle die Website www.lehre-im-handel.at und die Social Medias Facebook und Snapchat genutzt. Insgesamt werden um die 24 Millionen Anzeigen auf den Kanälen laufen.

Handel ein attraktiver Arbeitgeber

Jugendumfragen zeigen, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen präsent ist. Wohl ist das ein wesentlicher Grund, warum zu wenige in den klassischen Handel wollen. Schließlich schweben die Schatten der internationalen Online-Riesen über der Branche. Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel, will jungen Menschen diese Angst aber nehmen. Der Handel sei zukunftssicher. „Gute Verkäufer wird es immer geben. Die Perspektive im Handel ist gut“, sagt sie.

Außerdem biete sich die Handelsbranche an, um eine richtig steile Karriere zu machen. „Es gibt kaum eine andere Branche, in der ich mich so schnell in eine Führungsposition arbeiten kann“, betont Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte. Er will an dieser Stelle zwei Klischees ausräumen: Die Arbeitszeiten seien mit 38,5 Stunden gut und gut geregelt. Und auch die Bezahlung sei attraktiv, nicht zuletzt durch verschiedene Zulagen. „Aber es stimmt: Wenn man ein schlechtes Image hat, dann dauert es, bis man dieses wieder wegbekommt. Wir müssen den Leuten daher sagen, dass das alles nicht mehr stimmt.“

E-Commerce-Kauffrau/ -mann

Freilich könne der Handel das Thema Internet nicht wegdiskutieren. Aber Angst, brauche er  keine zu haben. Ganz im Gegenteil, würden sich doch neue Chancen ergeben. Darum wurde auch der Lehrberuf „E-Commerce-Kauffrau/-mann“ ins Leben gerufen. „Damit kann der heimische Handel ein neues, topmodernes Lehrangebot für zukünftige Fachkräfte im Multichannel-Handel anbieten“, erklärt Thalbauer. Die Nachfrage ist groß. Es gibt bereits 51 Lehrlinge.

Außerdem setzt die Wirtschaftskammer in der Verkäufer-Ausbildung auf den Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ als zusätzliches Angebot für Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe. Einzelhandelslehrlinge sollen so für digitale Anforderungen bestmöglich gerüstet werden, wie die Vertreter der Bundessparte Handel ausführen.

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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