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EU pocht weiter auf DVB-H als einzigen Handy-TV-Standard

25.06.2007

Dabei stellt sich niemand geringerer als Nokia hinter Reding, die ihre Absicht, den Standard für mobiles Fernsehen zu vereinheitlichen, bereits bei der CeBit im März bekannt gab .

"Wenn wir bis 2015 warten, ist es zu spät. Deswegen werden wir es so machen, wie Frau Reding entschieden hat", meinte Nokias EU-Lobbyist Serge Ferre bei der 1. Mobile TV World Conference 2007 in Rom. Der Handlungsbedarf bestehe jetzt und man dürfe nicht warten wie der Markt entscheidet. Denn bis dahin, so Ferre mit Verweis auf die nächsten Olympischen Spiele in Peking, würden die Chinesen die Europäer einholen.

Kritik an Ferre kommt von Eirin Zafeiratou, der Direktorin von GSM Europe. "Seit wann drängt die Industrie die Regulatoren sich einzumischen und den Technologiestandard zu bestimmen?", fragt sie. Sie dementiert auch Ferres Behauptung, alle Mobilfunker würden DVB-H bevorzugen. "Es ist eine gemeinsame Entscheidung der Industrie gewesen, sich auf DVB-H zu einigen", entgegnet der EU-Lobbyist. Den Handyherstellern würde ein einheitlicher Standard sehr entgegen kommen. Mitbewerber Samsung zeigt sich bei den Standards offener. "Natürlich würde eine Bestimmung durch die EU das Leben einfacher machen. Aber wir sind offen für jeden Standard. In Italien haben wir DVB-H, in Deutschland DMB und in den USA MediaFlo", so Anthony Park, Director Business Development bei Samsung, im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur pressetext.

In Europa tendiert die Industrie stark in Richtung DVB-H. So ist in Italien als erstem europäischen Land DVB-H bereits in Betrieb. Ebenso in Finnland. Auch Frankreich, die Niederlande, die Schweiz und Spanien werden demnächst DVB-H kommerziell auf den Markt bringen. In Deutschland soll DVB-H, das von vier Netzbetreibern unterstützt wird, rechtzeitig zur Fußball-EM starten. Dem EU-Diktat in Sachen Handy-TV erteilt die deutsche Politik allerdings eine Absage. Ende Mai sagte SPD-Vorsitzender Kurt Beck in seiner Funktion als Chef der Rundfunkkommission der Länder: "Ich halte ein individuell auf die Mitgliedsstaaten angepasstes Einführungskonzept für vorzugswürdig", so Beck im Interview mit dem Magazin "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk".

Die Festlegung der EU auf DVB-H würde für DMB, das in Deutschland mit DVB-H konkurriert, den Tod bedeuten. "Rechtlich ist die EU zu Technologie-Neutralität verpflichtet. Unterschiedliche Standards beleben den Markt und bringen die Entwicklung voran, wie man etwa am Spielekonsolenmarkt mit Sonys Playstation oder Nintendo sehen kann", gibt Hanns Wolter vom World DMB-Forum zu bedenken. DMB ist übrigens der Standard für mobiles Fernsehen in Korea.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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