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Elektrobranche mit mehr Insolvenzen bei weniger Passiva

20.12.2016

In der Elektrobranche gab es mit 48 Insolvenzen heuer etwas mehr als im letzten Jahr. Allerdings belaufen sich die angehäuften Passiva auf nicht einmal die Hälfte des Vorjahreswerts. Die größte Branchenpleite betraf die Firma Stöhr bzw. Tema.    

Hans-Georg Kantner rechnet in 2017 mit einem "moderaten Zuwachs" an Firmeninsolvenzen.
Die Branchen-Insolvenzen im Detail. Zum Vergrößern anklicken.

2016 mussten 48 Elektrounternehmen den bitteren Gang zum Landesgericht antreten. Das sind um drei Insolvenz-Gänge mehr als im Jahr davor. Eröffnet wurden 34 Insolvenzen. 2015 waren es 31. Gleichbleibend war mit 14 die Zahl der mangels Vermögen abgewiesenen Verfahren. Trotz mehr Konkursen belaufen sich die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten der Elektrobranche auf "nur" 27,6 Millionen Euro. Das sind um satte 58 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies ist erklärbar mit der Großinsolvenz der HB Austria im Herbst 2015. Die damals vom KSV1870 berechneten Passiva beliefen sich auf satte 19,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die größte Branchenpleite dieses Jahr betraf laut KSV1870 die Firma Stöhr bzw. die Tema Electronic Service & Vertriebs GmbH mit Passiva von fünf Millionen Euro. 

Etwas mehr und kleinere Insolvenzen

Dass heuer etwas mehr und vor allem KMU in die Insolvenz mussten, ist kein Phänomen der Elektrobranche. „Ja, es hat heuer deutlich kleinere Unternehmen getroffen“, bestätigte auch KSV1870-Fachmann Hans-Georg Kantner beim heutigen (Dienstag) Gespräch mit Journalisten auf Nachfrage von Elektrojournal. Der geringe Anstieg an Pleiten sei nicht weiter besorgniserregend, 2016 sei keinesfalls ein insolvenzanfälliges Jahr gewesen. Branchenübergreifend stiegen die eröffneten und abgewiesenen Verfahren um je 1,5 Prozent auf 3.162 beziehungsweise 2.065. Damit zählte der KSV 5.227 Firmenpleiten in diesem Jahr.

Die Anzahl der betroffenen Dienstnehmer betrug 18.900 und ging somit – weil es eben kleinere Unternehmen traf – um zirka 13 Prozent zurück. Die Verbindlichkeiten schnellten im Gegenzug um 21 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro hinauf. Dies liege allerdings an den Verfahren um die Vermögen der Activ Solar (Passiva  500 Mio. Euro) und der Slav AG (Passiva 120 Mio. Euro). Diese beiden Pleiten wurden eigentlich im Ausland verursacht, fallen aber in die heimische Statistik. Rechnet man diese beiden hinaus, bleibt mit 2,32 Milliarden Euro ein Passiva-Rückgang von 4,5 Prozent unterm Strich stehen.

Für 2017 rechnet Kantner mit einem „moderaten Zuwachs“ an Insolvenzen. Die Konjunktur werde verstärkt anspringen, was zu höheren Zinsen führe und in Folge Insolvenzen verursache. So wie bereits 2016 werde aber auch 2017 keinesfalls besorgniserregend sein.

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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