Direkt zum Inhalt
Die WKW kann sich vorstellen, dass Modell mittelfristig auch auf Betriebe mit mehr als 30.000 Euro Jahresumsatz auszuweiten.

Einkommenssteuererklärung ohne Antrag: WK Wien fordert weniger Bürokratie für Kleinbetriebe

21.08.2018

Die Wiener Wirtschaftskammer (WKW) fordert die automatisierte Einkommenssteuererklärung für Kleinbetriebe. Damit sollen sich Ein-Personen-Unternehmen (EPU) mit bis zu 30.000 Euro Jahresumsatz die oft mühsame Antragstellung beim Finanzamt ersparen, erläuterte WKW-Chef Walter Ruck am Montag in einer Pressekonferenz. Nur noch der Umsatz müsste der Behörde gemeldet werden.

Für Unselbstständige gibt es bereits die automatische Arbeitnehmerveranlagung. Analog dazu wünscht sich Ruck nun ein ähnliches Modell für EPU. Denn das jetzige System bedeute für Kleinunternehmer hohe Kosten: Im Durchschnitt fielen 1.000 Euro jährlich für Steuerberaterleistungen an, hieß es. Dazu kämen eine aufwändige Buchführung, allerlei Formulare und viel bürokratischer Aufwand - beispielsweise durch das Sammeln etlicher Belege.

Künftig soll dies alles wegfallen. "Gemeldet wird nur der Jahresumsatz, den Rest wickelt das Finanzamt automatisch ab", erklärte Manfred Zipper, in der WKW für Finanzpolitik zuständig. Berechnet werden soll der formularlose Einkommenssteuerbescheid über Betriebsausgabenpauschalen. Dafür schlägt die Kammer grundsätzlich drei Kategorien vor.

Im Bereich Dienstleistungen wird die Betriebsausgabenpauschale mit 15 Prozent, im Produzierenden Gewerbe mit 35 Prozent und im Handel mit 55 Prozent berechnet. Für Unternehmer, die keine Sozialversicherung bezahlen - weil sie etwa mitversichert oder zusätzlich angestellt sind -, werden die Sätze mit 30, 50 und 70 Prozent berechnet. Die Höhen seien eine Summe aus Erfahrungswerten und jetzt schon existierenden Teilpauschalierungen, die geltend gemacht werden könnten.

Das vorgeschlagene Modell soll allerdings kein Muss sein, so Ruck. Unternehmer, die glauben, durch die Pauschalen schlechter auszusteigen, könnten weiterhin nach jetzigem System einmelden. Jedenfalls könnten 200.000 Unternehmer österreichweit profitieren, 40.000 davon in der Bundeshauptstadt. Unter der Annahme, dass die Hälfte aller Selbstständigen vom Angebot Gebrauch macht, blieben den Unternehmern im ganzen Land rund 100 Mio. Euro in der Tasche, rechnete Zipper vor.

Ruck sagte, es habe in der Sache bereits erste Kontakte mit Finanzminister Hartmut Löger (ÖVP) gegeben: "Wir hoffen, dass es gelingen wird, ihn davon zu überzeugen." Wobei sich die Kammer vorstellen kann, das Modell mittelfristig auch auf Betriebe mit mehr als 30.000 Euro Jahresumsatz auszuweiten.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
Werbung

Weiterführende Themen

Maria Smodics-Neumann, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Wien: „Der Handwerkerbonus hilft, die Beschäftigung in den Betrieben zu halten.“
Branche
04.04.2017

Die Regierung lässt das Förderinstrument des Handwerkerbonus auslaufen – Gewerbe und Handwerk fordern aber eine Fortsetzung, vielmehr einen Ausbau.

Peter Bartos, BDO Austria, Rainer Will, Handelsverband, Michael Kuttin, BMF,  Simone Hoepke, Kurier, Klaus Magele, Salamander, Claus Staringer, WU Wien (von links nach rechts).
Branche
28.04.2016

Welche Maßnahmen will die EU zukünftig setzen, um die Steuerflucht einzudämmen? Sind Zinsschranken, Exit-Tax, Switch-over Klauseln europaweit überhaupt umsetzbar? Wie verhält es sich mit der ...

E-Technik
13.04.2016

Fast jedes Unternehmen besitzt eine mehr oder minder großen Fuhrpark, der natürlich auch Kosten verursacht. Dieser Beitrag zeigt, wie steuerlich clever agieren kann etwa durch Anschaffung eines ...

Die EU-Kommission will eine neue schwarze Liste von Drittstaaten ausarbeiten.
Branche
02.02.2016

Die EU-Kommission will eine neue schwarze Liste von Drittstaaten ausarbeiten, die sich nicht an die Bemühungen der Europäischen Union für faire Steuersysteme und den Kampf gegen Steuerflucht ...

"Rechnungskontrolle!" Trickbetrüger unterwegs.
Branche
19.01.2016

Auf Rechnungskotrolle geht derzeit eine falsche Finanzpolizei. Von Endkunden, die vor Geschäften ihren Kassenbon nicht vorweisen können, kassiert sie 100 Euro. Tatsächlich gibt es keine Kontrollen ...

Werbung