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„Ein Up and Down, das man gar nicht aushalten kann“

30.03.2015

Ein ungewöhnlicher Ort für eine Buchpräsentation – das Refektorium des Franziskanerklosters im ersten Wiener Gemeindebezirk. Auch die Präsentation selbst war ungewöhnlich. Und vielleicht passte sie genau deshalb so gut zu Damian Izdebskis Buch „Meine besten Fehler“. Eine Geschichte von Enttäuschungen und Erfahrungen. 

Auf den ersten Blick passen die eleganten Stehtische nicht in das Ambiente des Klostersaales. Doch bereits als die ersten schick gekleideten Gäste kommen ändert sich das. Nach und nach füllt sich der Saal und bei Kaffee und Wein wartet man gespannt auf den Beginn. Der Autor, Damian Izdebski, eilt von einer Gruppe Gäste zur nächsten, unterhält sich und posiert für Fotos. Sehen und Gesehen werden scheint das Motto der Veranstaltung zu sein. Zwei Fotografen drängen sich durch den Saal und versuchen jeden einzelnen Gast vor die Linse zu bekommen. Eine halbe Stunde nach Veranstaltungsbeginn ist die kleine Bühne noch immer leer. Von Ungeduld bei den Gästen aber keine Spur. Vereinzelt nehmen einige an den Bänken am Rand Platz, da das Stehen auf Dauer doch etwas anstrengend wird. Der giten Stimmung tut dies keinen Abbruch.

Als es dann schlussendlich losgeht, wird es ruhig im Saal. Die ganze Aufmerksamkeit ist auf die kleine Bühne gerichtet, von der der Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, Sebastian Kurz ein paar einleitende Worte an Damian Izdebski richtet. Nachdem der Politiker seinen langjährigen Freund als gelungenes Beispiel für Integration und als erfolgreichen Unternehmer vorgestellt hat, ist es endlich soweit und Izdebski betritt die kleine Bühne. Vor einem Banner mit seinem Ebenbild und dem Buchtitel nimmt er Stellung und die Menge wartet gespannt auf seine Worte. Alle wollen endlich mehr über das Buch erfahren. Doch dazu muss er Autor erst ein wenig ausholen. Immerhin geht es in dem Buch um seine Erfahrungen des letzten Jahres. Und Erfahrungen musste er bekanntlich einige machen. Noch während seiner ersten Worte ist zu merken, wie sehr ihn das Erlebte immer noch prägt. „Vielleicht ein paar Worte zu dem was sich genau in drei Tagen jährt. Da musste ich den schwierigsten Weg zum Handelsgericht mit dem Insolvenzantrag in der Hand überstehen“, erinnert er sich. Er erzählt über die Zeit, in der alles versucht hat, um sein Unternehmen über Wasser zu halten und was psychische Anstrengungen damit verbunden waren. „Letztendlich hab ich wirklich alles versucht. Ich kann mich erinnern die letzten drei Monate vor der Insolvenz, dass eine extreme Amplitude von den positiven zu den negativen Gefühlen, das war jeden Tag ein Up ein Down, das man gar nicht aushalten kann. Irgendwann muss man erkennen, dass man verloren hat und das wars dann. Dann kam die Zeit der Leere.“

Die große Enttäuschung

Gespannt und voller Anteilnahme lauscht das Publikum seinen Worten. Er erbt Bewunderung, Respekt wird für seinen Mut und sein Stehaufvermögen gezollt. Izdebski kennt auch die andere Seite. In seinem Gesicht ist deutlich die Enttäuschung zu erkennen, als er erzählt, wie ihm alte Freunde nach der DiTech Pleite begegnen. „Man ruft Leute an, die man glaubt zu kennen und die heben nicht ab. Dann ruft man das zweite Mal an. Irgendwann testet man das aus und ruft sie mit einer unterdrückten Nummer an und dann heben sie ab. Und dann sagen sie ,Damian, ich hab eh gesehen ich wollte dich eh zurückrufen, aber ich habe gedacht du hast eh so viel zu tun und ich wollte nicht stören.‘  Na sicher, ich als arbeitsloser Unternehmer habe einen vollen Kalender“ erinnert er sich. „Ich war Realist genug um zu wissen, dass meine 2000 Kontakte die ich in meinem Outlook, meinem Handy habe, dass viele davon die Freunde des DiTech-Eigentümers waren und nicht die Freunde von Damian Izdebski, aber es ist trotzdem was anderes das alles einmal zu erleben und zu realisieren“, ist er noch heute enttäuscht.

Heute hält er sich an die positiven Seiten der Medaille. Er sieht das Ganze als wichtige Erfahrung, von der er profitieren kann.  „Das sind Sachen, die kann man bei keinem Studium, bei keinem Seminar lernen. Man kann nicht lernen, wie man damit umgeht, dass eine Person, die man glaubt zu kennen, einen auf der Kärnterstraße sieht und so tut, als würde sie sich eine Shopauslage anschauen. Es wäre nämlich vielleicht nicht so günstig mit jemanden zu reden, der wochenlang für negative Schlagzeilen in den Zeitungen gesorgt hat.“ Und diese Schlagzeilen kennt Damian Izdebski nur zu gut. Wider besseres Wissen hat er sie alle gelesen, aus Angst etwas zu verpassen. Doch im Nachhinein betrachtet war dies vielleicht das Beste, was ihm hat passieren können. Denn als sich ihm die Chance bot, dem Ganzen Stress und der Demütigung in Österreich zu entfliehen, kaufte er sich ein One Way Ticket nach Los Angeles. Heute weiß er, dass dies genau die richtige Entscheidung war und ihm die dortigen Erfahrungen einen Neustart ermöglicht haben.

Die Menschen dort haben ihn mit vollkommen anderen Augen gesehen und ihn als Unternehmer ernst genommen. „Es war unglaublich und es war immer das Gleiche. Die haben im Prinzip die 15 Jahre gesehen als Paket. Die haben die Gründung des Unternehmens gesehen, die haben den Aufbau gesehen, die haben die Katastrophe am Ende gesehen und die haben das Paket als Gesamtes bewertet. und die Erfahrungen, die ich laut ihrer Meinung sammeln musste, diese Erfahrungen wollten sie mit mir teilen“, schwärmt der Unternehmer.

Drüben wurde es für selbstverständlich angesehen, dass er ein neues Unternehmen gründen würde. Diese Zeit hat ihn motiviert und ihn neue Kraft schöpfen lassen mit kleinen Schritten einen Neuanfang zu wagen. „Der Aufenthalt in den Staaten war auch der Auslöser für die endgültige Entscheidung, dass man Unternehmer bleibt und das ist das Einzige was ich machen möchte. Und ich habe im Herbst das erste Unternehmen gegründet“, ist Damian Izdebski stolz auf sich.  „Ich hab in den letzten Monaten sicher mehr gelernt als die 15 Jahre davor. Und das ist im Prinzip der Inhalt des Buches. Diese Erfahrungen, die ich als Fehler sehe, die habe ich versucht aufzuschreiben, hab ich versucht zu verarbeiten und die möchte ich einfach mit anderen Unternehmern und denen die es interessiert teilen.“

Nach der Präsentation hat das Ganze etwas von einem Rockkonzert. Manchen reicht ein Buch mit der Widmung nicht. Handyfotos sind nicht gut genug. Hochwertige Digitalfotos mit Damian Izdebski müssen es sein. Immer wieder werden Visitenkarten ausgetauscht, damit jeder an seine Fotos kommt. Im Nachhinein verblüfft es, dass vor einem Jahr keiner Damian Izdebski gekannt haben wollte. In diesem Moment können die Leute offenbar gar nicht genug von ihm bekommen. 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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