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E-Control: Netzentgeltstruktur an neue Stromwelt anpassen

25.04.2017

Die Energieregulierungsbehörde E-Control wird die bestehende Struktur bei den Netzkosten modernisieren – so soll etwa mit flächendeckender Einführung von Smart Metern das Messentgelt entfallen.

Die Energieregulierungsbehörde E-Control wird die bestehende Struktur bei den Netzkosten modernisieren und an das veränderte Stromsystem anpassen. Im Bild: Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control.

Die Energieregulierungsbehörde E-Control möchte die Stromnetzentgeltstruktur ändern, weil sich in Österreich die Stromerzeugungs- und -verbrauchsstrukturen laufend ändern: Haushalte nutzen etwa verstärkt Wärmepumpen und erzeugen selbst Strom durch Photovoltaikanlagen.

Zudem bringt die Digitalisierung von Netzen und Stromzählern verbesserte Abrechnungsmöglichkeiten. Dazu Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der E-Control: „Das derzeitige System der Netzentgelte bildet diese Herausforderungen nicht ab. Daher muss die Struktur der Netzentgelte an die neue Stromwelt angepasst und modernisiert werden.“

Der Regulator hat seit Beginn des vergangenen Jahres einen Vorschlag für das neue System mit Netzbetreibern, Stromerzeugern und Sozialpartnern diskutiert und nun ein Positionspapier vorgelegt: Anfang 2019 soll das neue Stromnetzentgeltsystem in Kraft sein, damit in Netzgebieten, wo die Smart-Meter-Ausrollung gut voranschreitet, neue Kundenangebote möglich werden.

Die derzeitige Stromnetzentgeltstruktur ist knapp 20 Jahre alt. Urbantschitsch: „Vor 20 Jahren hatte kaum jemand eine Photovoltaikanlage, ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe, nun gibt es tausende solcher Anlagen. Auch von intelligenten Stromnetzen war noch kaum die Rede.“

Der Betrieb des Stromnetzes verursacht großteils Fixkosten und diese Kosten werden zusehends ungerecht verteilt, so E-Control. Aufgrund der derzeit stärkeren Orientierung an verbrauchsabhängigen Netzentgelten bezahlen Haushalte mit hoher Leistungsnachfrage, aber geringem Stromverbrauch, niedrigere Netzentgelte.

Allerdings nutzen Kunden mit großen Sonderanlagen wie Wärmepumpe, Elektroauto oder Photovoltaikanlage die Netzinfrastruktur im gleichen Ausmaß. Ohne Speicherung des selbsterzeugten Stroms liegt die Eigenversorgung mit einer Photovoltaikanlage bei nur rund 30 Prozent, für den Rest wird auf das Netz zurückgegriffen und von dort Strom bezogen.

Als Zwischenlösung bis zur exakten Abrechnungsmöglichkeit über Smart Meter hat die E-Control Anfang dieses Jahres die Netzpauschale, das ist jener Anteil, der jährlich fix abgerechnet wird, einheitlich auf 30 Euro netto angehoben.

Urbantschitsch: „Langfristiges Ziel ist es, diese Pauschale ganz abzuschaffen und in die Verrechnung nach der tatsächlich bezogenen Leistung zu integrieren.“

Da das Stromnetz zu jeder Zeit den benötigten Strom transportieren muss, ist die Leistung, also die in einem bestimmten Zeitpunkt transportierte Strommenge, jener Faktor, der hauptsächlich die Dimensionierung des Netzes und somit auch die Netzkosten bestimmt.

Mit der Leistungsverrechnung würde sich die Höhe der Netzkosten vorrangig nach der tatsächlichen Nutzung des Stromnetzes durch den Stromkunden richten. Dieses System wäre auch deutlich treffsicherer als das bisherige Pauschalverrechnungssystem, in dem alle Haushaltskunden die gleichen fixen Beträge zu entrichten haben, so die E-Control.

Die E-Control geht davon aus, dass sich für Standardhaushalte im Schnitt durch diese Umstellung an der Höhe der Stromrechnung nur marginal etwas ändern sollte. Voraussetzung für die Einführung eines einzigen leistungsgemessenen Netzentgelts für Haushalte sind digitale Stromzähler (Smart Meter).

Sobald die österreichweite Installation der Smart Meter abgeschlossen ist, können aus Sicht der E-Control die Netzentgelte noch weiter vereinfacht und das derzeit bestehende Messentgelt (maximal 28,8 Euro im Jahr) abgeschafft werden.

Das Positionspapier der E-Control findet sich unter www.e-control.at/netzentgeltestruktur-2.0.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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