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Druck bei der Preisgestaltung im Handel? BWB beantragt Millionen-Strafe für heimische E-Unternehmen

23.03.2014

2,1 Millionen Euro will die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) von fünf heimischen Unternehmen der Elektronikindustrie und des Elektronikhandels. Sie hätten sich in die Verkaufspreise eingemischt und Druck auf Händler ausgeübt. Hintergrund sind die von Geizhals 2011 präsentierte Studie zum Online-Handel und der anschließende Aufruf, Lieferanten, Großhändler und Hersteller bei der BWB zu melden. 

Ende 2011, wir erinnern uns: Die Preisvergleichsplattform Geizhals ließ die WU Wien eine Händler-Befragung durchführen. In dieser gaben 47,2 Prozent der Online-Händler an, dass sie bereits von Herstellern unter Druck gesetzt wurden – insbesondere bei der Preisgestaltung. Die Händler hätten also nicht ohne Sanktionen die Preise frei gestalten können. Bei Geizhals schrillten die Alarmglocken. Schließlich lebt das Geschäftsmodell davon, Verbrauchern möglichst günstige Preise zu servieren. Dazu untersagen manche Hersteller, die Bilder einiger Produkte auf der Plattform zu veröffentlichen, was als zusätzliche Provokation empfunden wird.

 

Es ging bzw. geht also durchaus auch um die eigenen Interessen, als Geizhals Anfang 2012 zum großen Schlag ausholt und den berühmt-berüchtigten Brief an die Händler verschickt. „Die BWB will nun verstärkt gegen diese sogenannte Preisbindungen der zweiten Hand vorgehen und benötigt entsprechende Beweise, um ein Verfahren einleiten zu können. Wir würden Sie daher bitten, sich am besten direkt mit der BWB in Verbindung zu setzen und gleich auch an diese entsprechend belegbare Beweise im Zusammenhang mit Druck-Ausübung bei der Preis-Gestaltung seitens Herstellern, Großhändlern oder anderen Vertriebs-Partnern zu übermitteln.“

 
Wie hoch die Wellen darauf hin gehen, damit hat wohl Geizhals selbst nicht gerechnet. Auch im Schlamm wird untergriffig gewühlt - Elektrojournal berichtet laufend und ließ freilich alle Seiten zu Wort kommen.    

"Verdacht erhärtet"
 

Währenddessen nahm die Bundeswettbewerbsbehörde, basierend auf den Ergebnissen der Geizhals/WU-Studie, eine Untersuchung auf, „in deren Verlauf sich der Verdacht auf kartellrechtswidrige Preisabstimmungen der Elektronikindustrie in Bezug auf die Weiterverkaufspreise des Handels erhärtet hat“, wie es aktuell seitens der BWB heißt. Konkret geht’s um sogenannte „kartellrechtswidrige vertikale Preisbindungen im Zusammenhang mit aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen, welche eine Behinderung des Absatzkanals Online Verkauf von Unterhaltungs- und Haushaltselektronik bezweckt oder bewirkt.“

 

Die BWB will nun von fünf - allerdings nicht näher genannten - heimischen Unternehmen der Elektronikindustrie und des Elektronikhandels eine Geldbuße von insgesamt 2,1 Mio. Euro einheben. Die Anträge brachte die Behörde Ende Februar beim Kartellgericht ein. Betroffen sind vor allem Unterhaltungs- und Haushaltselektronik. Druck auf die Händler sei etwa durch Kündigungen von Selektivverträgen oder durch Lieferverweigerungen erfolgt, so die BWB.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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