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Die Glühbirne als "Kleinheizgerät": Aktionskünstler umgehen EU-Einfuhrverbot

22.11.2010

"Ich friere, Liebling. Schraub doch bitte noch eine Glühbirne in die Fassung." Endlich wird die Glühbirne als das verkauft, was sie eigentlich schon immer war: ein ineffizientes, teures Heizgerät. In Deutschland deklarieren nämlich zwei Ingenieure Glühbirnen unter dem Namen "Heatballs" als Kleinheizgeräte. Fassungslos reagierte der deutsche Zoll und machte den beiden vorläufig einen Strich durch die Rechnung.

Es sei eine "Kunst- und Protestaktion", sagen die Initiatoren Siegfried Rotthäuser und Rudolf Hannot über ihren Trick, mit dem sie das EU-Einführungsverbot von Glühbirnen unterlaufen. Ein gewerblicher Hintergrund bestünde aber nicht, betonen die Aktionskünstler. Trotzdem sind ihre "Kleinheizgeräte" mit 1,69 Euro pro Stück (30 Cent kommen Regenwäldern zugute) ganz schön teuer. Das Glas der leuchtenden Stromfresser wird dafür auch richtig schön heiß und wärmt in kalten Nächten. Das nächtens störende Licht ist leider ein unumgängliches Nebenprodukt.

Wie die warmen Semmeln

In Deutschland finden die "Kleinheizgeräte" mit 75- und 100-Watt viele Fans und gehen weg wie die warmen Semmeln. Nach nur wenigen Tagen wurde die erste Auflage mit 4.000 "Birnen-Heizungen" verkauft. Und es wird weiter fleißig geordert. Wenn es auch derzeit zu Liefer-Schwierigkeiten kommt. Denn letzte Woche hatte der deutsche Zoll nach Hinweisen der Bezirksregierung Köln, Dezernat 55 für Produktsicherheit und Sprengstoff, die neue Lieferung mit 40.000 "Heatballs" vorläufig gestoppt.

"Heizgeräte dürfen eingeführt werden"

"Ich verstehe die Aufregung an unserem Kunstprojekt nicht. Den Behörden danken wir aber, dass sie durch ihr Zutun unserer Aktion weitere Popularität verschaffen", sagt Rotthäuser im Gespräch mit pressetext. Heizgeräte seien schließlich nicht verboten. "Was derzeit beim Zoll ist, wird die letzte Bestellung sein. Insofern hätte man auch die Füße stillhalten können", sagt Rotthäuser.

Was mit der Ware passiert, bleibt offen. Der Bezirksregierung nach hat der Zoll diese nicht beschlagnahmt, sondern deren Freigabe "ausgesetzt". Etwas skurril, es müsse sichergestellt werden, dass die Heatballs keinen Sprengstoff enthalten. "Im Falle einer Beschlagnahmung klagen wir die im Grundgesetz garantierte Kunstfreiheit ein", so Rotthäuser gegenüber pressetext.

Eigentlich sollte man die Aktionskünstler wirklich werken lassen, zeigen sie doch gerade auf, wie ineffizient Glühbirnen (95% Wärme, 5% Licht) arbeiten und liefern ein starkes Argument gegen die alte Technologie und für neue Lösungen.

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