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„Die Frage ist, zu welchen Konditionen“

15.09.2014

Im frisch erschienenen Elektrojournal 9/2014 spricht Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform, über die aktuellen Insolvenzen im Technikhandel, die Eigenkapitalquote und andere Kennzahlen der Branche. Im zweiten Teil des Interviews empfiehlt er den heimischen Unternehmern, mehr Zahlenaffinität zu entwickeln.  

Elektrojournal: Wenn’s für einen Unternehmer Richtung Insolvenz geht und er vielleicht einen Überbrückungskredit braucht, was ist da sinnvoll?

Weinhofer: Kredite sind so günstig wie nie zuvor. Die europäische Zentralbank hält den Euribor (Anm: Euribor steht für „Euro Interbank Offered Rate“, die die durchschnittlichen Zinssätze kennzeichnet) so niedrig wie schon lange nicht gesetzt. Die Frage ist aber, ob die Banken die günstigen Kredite an die Unternehmen weitergeben. Angesichts der Eigenkapitalquote und der Bonität wird es für viele Elektrohändler wohl schwierig sein, einen günstigen Kredit zu bekommen.

 

Elektrojournal: Unternehmen die in die Bredouille geraten sind und einen Kredit brauchen, bekommen keinen, weil sie in die Bredouille geraten sind?

Weinhofer: Sie bekommen schon einen Kredit. Die Frage ist aber, zu welchen Konditionen und zu welchen Sicherheiten. Die Banken müssen selbst an ihren Eigenkapitalquoten arbeiten und die Kredite besser absichern. Diesen Druck geben Banken an ihre Kunden weiter. Die Sicherheiten bestehen bei kleinen Unternehmen meist in persönlichen Haftungen.

 

Elektrojournal: Was empfehlen Sie?

Weinhofer: Unternehmer sollten im Vorfeld verstärkt das Augenmerk auf ihre Bonität legen. Dafür müssen aber viele ihr Risikomanagement optimieren. Mit höherer Bonität bekomme ich nicht nur leichter einen Kredit, sondern habe es auch leichter bei den Gesprächen mit meinen Lieferanten. Vielleicht lässt sich im gegebenen Fall dann etwas bei den Zahlungszielen machen.

 

Elektrojournal: Was heißt das konkret für den Alltag eines Händlers?

Weinhofer: Dass er den Markt ständig beobachten und bei Veränderungen flexibel agieren muss. Er muss eine Strategie für sich finde, sich etwa sehr breit aufstellt oder sich auf eine Nische konzentriert. Wichtig ist zudem mit Sicherheit ein funktionierendes Service. Wenn die Strategie aufgeht und das Unternehmen wächst, darf der Unternehmer nicht vergessen auf die eigenen Zahlen zu achten. Er muss schauen, dass er rechtzeitig zu seinem Geld kommt. Und natürlich braucht es eine gut funktionierende Buchhaltung

 

Elektrojournal: Ist eine zu schnelle Expansion wirklich so ein häufiger Insolvenzgrund?

Weinhofer: Das Problem ist ein anderes: In Österreich haben wir eine sehr kleinstrukturierte Wirtschaft. 99 Prozent der Unternehmen sind KMU. Von denen haben 90 Prozent weniger als zehn Mitarbeiter. Die Buchhaltung läuft sehr oft nebenbei, wird häufig von Familienmitgliedern gemacht. Man muss ein Bewusstsein für Zahlen entwickeln. Vor allem, wenn man wachsen will. Ein Geschäft ist erst abgeschlossen, wenn das Geld wirklich auf dem Konto ist.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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