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„Der Handel verändert sich nur langsam.“ Shoppingcenter statt Einkaufsstraßen

16.01.2014

Weniger Einkaufsstraßen und dafür mehr Shopping-Zentren. Das erwarten die Experten von Standort + Markt. Heuer sollen österreichweit Einkaufszentren im Umfang von rund 132.000 Quadratmetern eröffnet oder ausgebaut. An Großeröffnungen stehen etwa in Wien das Citygate im 21. Bezirk an, ebenso wie die Geschäfte im Hauptbahnhof. Die Standortberater von RegioPlan berichtet von zurückgehenden Verkaufsflächen.  

Grobe Umwälzungen stünden unmittelbar nicht bevor: "Der Handel verändert sich nur langsam. In drei bis fünf Jahren wird sich die Situation aber geändert haben", sagt Standort + Markt Geschäftsführer Hannes Lindner. Sein auf Einzelhandel spezialisiertes Unternehmen analysierte auf Eigeninitiative - also ohne Auftraggeber - die Situation des Einzelhandels in 15 Städten quer durch Österreich. Künftig will man die Untersuchung jährlich wiederholen, um Veränderungen mit harten Fakten festhalten zu können.

 

Schwere Zeiten für die Mahü?

 

Auf die Mariahilfer Straße sieht Lindner schwere Zeiten zukommen. Er könne sich wegen der Umgestaltung Umsatzeinbußen von fünf bis zehn Prozent vorstellen. Der Grund dafür: Für Kunden, die früher mit dem Auto zum Einkaufen kamen, ist die Straße nun weniger attraktiv. "Wer von weiter weg kommt, kommt zwar seltener, gibt aber mehr Geld aus", so Lindner. "Diese Kunden könnten jetzt zu Einkaufszentren mit gratis Parkplätzen abwandern", warnt sein Kollege Robert Schwarzenecker. Der Immobiliendienstleister sah kürzlich 2914 als das „Jahr der Wahrheit" für die „Mahü“.  

 

So weit geht Schwarzenecker nicht. Er erwartet für Wiens größte Einkaufsstraße letztendlich eine "gute Entwicklung". Die Fußgänger- und Begegnungszone mache es allerdings schwerer. Derzeit bietet die Mariahilfer Straße in Österreichs Stadtzentren die größten Geschäftsflächen. 812 Shops haben dort auf 217.300 Quadratmetern Platz. Abgeschlagen auf Rang zwei folgt die Linzer Innenstadt mit 126.700 Quadratmetern und 669 Shops.

 

Die größten Shops gibt es hingegen im "goldenen U" der Wiener Innenstadt - also zwischen der Kärntner Straße, Graben und dem Kohlmarkt. Hier ist ein Geschäft im Schnitt 275 Quadratmetern groß. Auf den Rängen folgen die Grazer Innenstadt (274 m2) und die Mariahilfer Straße (268 m2).

 

Wenig überraschend zahlen die Luxusgeschäfte der Wiener Innenstadt auch die meiste Miete. Ohne Betriebskosten schätzt die Beratungsfirma die Kosten auf durchschnittlich 260 Euro pro Monat und Quadratmeter. Zum Vergleich: In Graz, dem zweitteuersten Standort, zahlt man 120 Euro, auf der Mariahilfer Straße 92 Euro.

 

Sinkende Verkaufsflächen

 

Laut RegioPlan sind erstmalig die Verkaufsflächen zurückgegangen, nämlich um 0,8 Prozent. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die Pleiten einiger großer Filialisten wie Niedermeyer und Dayli sowie die Tatsache, dass kaum noch neue Shopping-Center-Flächen eröffnet wurden. So wuchs die Shopping-Center-Fläche im Jahr 2013 nur noch um magere 0,9 Prozent. Das liege natürlich auch an den steigenden Online-Umsätzen. Aktuell machen sie rund 5,5 Milliarden Euro und zirka neun Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze in Österreich aus.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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