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Das Schnäppchen als Rettungsring

17.04.2013

Sonderangebote, Schnäppchen, Rabatte. Sie sind die Rettungsringe, an die sich die Verantwortlichen jetzt klammern, die Not-Stratgie, die die Elektrokette Niedermeyer als Erfolg abfeiert. Mit zynischen Aussagen wird nicht gespart, eine Woche nachdem 300 Mitarbeiter zum letzten Mal die Niedermeyer-Arbeitskluft überstreiften.

Niedermeyer ist insolvent. Das ist bekannt. Die Sanierung liege aber im Plan, heißt es im Beruhigungs-Sprech einer Presseaussendung. Grund für den angeblichen Optimismus: Der gelungene Abverkauf in den inzwischen 53 geschlossenen Standorten und die "minus-zehn-Prozent-auf-alle-Apple-Produkte-Woche“ in den verbleibenden 45 Filialen. Diese brachte sogar „überproportional hohe Umsätze“. Und bereits morgen geht die „Schnäppchenjagd“ weiter. Der Schwerpunkt liegt dieses Mal auf TV-Geräten. Die Kunden sollen Schlange stehen. Es winken noch mehr „überproportional hohe Umsätze“.

 
Für die 297 Ex-Mitarbeiter kommen diese zu spät. Letzte Woche läuteten ihre Wecker in aller Herrgottsfrühe. Wie immer. Sie zogen sich das blaue Niedermeyer-Hemd an. Sie frühstückten und fuhren in die Arbeit. Und trotzdem war’s anders, weil das letzte Mal. Die Jobs sind futsch. Auf Facebook gründete sich die Gruppe "Stellenangebote für Niedermeyer Mitarbeiter". Die meisten betroffenen Lehrlinge seien in anderen Niedermeyer-Filialen untergekommen, wie es heißt. Schön.

Gespräche mit Investoren

"In den nächsten Wochen geht es jetzt um die erfolgreiche Fortsetzung des bisher eingeschlagenen positiven Weges des Unternehmens. So ist es uns etwa gelungen, bereits einen Teil der geschlossenen Filialen zugunsten der Masse zu verwerten“, freut sich Insolvenzverwalter Georg Freimüller. Der Modehändler Jamal Al Wazzan greift sich Teile von Niedermeyer. Das sickerte bereits durch. Außerdem laufen Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren. Das sagt zumindest Werner Weber, Geschäftsführer von Niedermeyer. Bis es Ergebnisse gibt, wird's aber noch einige Wochen dauern. Es sind sensible Gespräche. Darum könne man zu den Interessenten zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details nennen.

Weber könne allerdings eine „positive Zwischenbilanz“ ziehen. "Unsere Mitarbeiter sind sehr engagiert. Wir werden die Sympathiewelle nutzen und Konsumenten auch in den kommenden Wochen immer wieder besonders attraktive Angebote offerieren“, kündigt er an. Yippie. Breits vor zehn Tagen feierte Niedermeyer per Aussendung den angeblich so erfolgreichen Pleiten-Abverkauf. Die Filialen seien „gestürmt worden“. Die tollen Verkaufszahlen würden die Mitarbeiter motivieren. Ihren inzwischen joblosen Kollegen wurde für die Loyalität gedankt.

Die Realität

Vor Ort sieht's anders aus. Die Niedermeyer-Mitarbeiter wirken enttäuscht. Ihre Augen sind feucht. Auch aus Wut. Sie sei nur eine Stunde vor der offiziellen Pleitemeldung an die Medien über ihr berufliches Schicksal informiert worden, sagt die brünette Verkäuferin. Sie ist Mitte 40. Was soll sie jetzt machen, hier in dieser Gegend? „Na dann gehst halt stempeln“, habe ihr der Vorgesetzte geantwortet.    

Die Pleite, die kommt nicht überraschend. Über die gemachten Fehler schreibt die PR-Feder kein Wort. Kein Wort vom fehlenden Profil der Marke oder vom leeren Raum, in dem Niedermeyer positioniert ist. Lieber klopft man sich aufgrund des "erfolgreichen Weges“ werbestark auf die Schulter, während 300 Mitarbeiter "stempeln gehen" und 280 weitere um ihre Jobs zittern.

 

Eine ausführliche Analyse mit allen Hintergründen zur Niedermeyer-Pleite lesen Sie im in Kürze erscheinenden Elektrojournal 4/2013.

Die nächsten Termine im Zuge des Sanierungsverfahrens sind die Prüfungstagsatzung am 6. Juni und die Sanierungsplantagsatzung am 26. Juni 2013.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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