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Das Geschäft mit der Fälschung: "Auszeichnung" für die dreistesten Plagiate

21.02.2014

Produkt- und Markenpiraterie ist ein lukratives Milliardengeschäft für Nachahmer. Den Preis dafür zahlen innovative Firmen, leichtgläubige Schnäppchenjäger und Arbeiter in illegalen Fabriken. Globalisierung und das Internet begünstigen den weltweiten Vertrieb von Plagiaten und Fälschungen - die Verfolgung unseriöser (Online)-Anbieter hingegen ist sehr schwierig. Zum 38. Mal wurde der Plagiarius vergeben.

Produkt- und Markenpiraterie und die oftmals vorausgehende Wirtschaftsspionage haben sich zu einer der gravierendsten Formen von Wirtschaftskriminalität entwickelt. 2012 haben die EU-Zollbehörden knapp 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von einer Milliarde Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt. Rund 72 Prozent der festgehaltenen Waren kamen aus China und Hongkong. Zu den Top Ten der Herkunftsländer gehören auch die Vereinigten Arabischen Emirate (8,37%) sowie die Türkei und zahlreiche osteuropäische Länder.

Betroffene Designer und KMU würden dem Verein Plagiarius e.V., der jährlich den Negativpreis Plagiarius an die dreistesten Produktfälscher verleiht, aber zunehmend von Problemen mit Nachahmern aus dem eigenen Land melden. Auch einzelne Markenhersteller, bisher Opfer von Plagiaten, würden hin und wieder selbst zu Produktpiraten.


Raus aus dem Hinterhof

Noch in den 90er Jahren hat Produkt- und Markenpiraterie nach dem "schwarz-/weiß"-Prinzip funktioniert. Markenprodukte waren qualitativ hochwertig, Fälschungen hingegen konnte man anhand der mangelhaften Qualität als solche erkennen. Was aber einst als laienhafte Kopierversuche in Hinterhof-Werkstätten begann, ist längst eine professionelle Industrie mit globalem Netzwerk aus Herstellung, Logistik und Vertrieb geworden. Und zwischen schwarz und weiß haben sich vielfältige Grauschattierungen entwickelt – mit vielen Beteiligten.

Es gibt Plagiate und Fälschungen in allen Preis- und Qualitätsabstufungen: Von gefährlichen Billigimitaten bis hin zu qualitativ einwandfreien Produkten. Bei Billigkopien setzen die Fälscher auf schnelle Gewinnmaximierung und kopieren plump ein erfolgreich am Markt etabliertes Produkt. Oftmals verwenden sie minderwertige Materialien, verzichten auf Qualitäts- und Sicherheitskontrollen, produzieren unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und setzen billigend die Gesundheit der Fabrikarbeiter sowie der Verbraucher aufs Spiel. Im Fall hochwertiger Nachahmungen haben die Plagiatoren über Jahre Know-how aufgebaut und Erfahrungen gesammelt und sind nun in der Lage Qualitätsprodukte herzustellen.

Negativpreis Plagiarius für die dreistesten Plagiate

Zum 38. Mal wurde der Negativpreis Plagiarius auf der Frankfurter Ambiente vergeben, der besonders dreister Nachahmungen „auszeichnet“. Ziel ist es, die unlauteren Geschäftspraktiken sowohl von Markenfälschern als auch von Plagiatoren, die geistiges Eigentum Anderer klauen und als eigene kreative Leistung ausgeben, ins öffentliche Licht zu rücken. Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase – als Symbol für die exorbitanten Profite, die die Produktpiraten sprichwörtlich auf Kosten Designer und innovativer Unternehmen erwirtschaften.

Im Rahmen der Verleihung betont der Verein Plagiarius e.V., "dass die Auszeichnung mit dem ‚Plagiarius' nichts darüber aussagt, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht. Die Aktion Plagiarius kann und darf kein Recht sprechen. Wir können aber auf Unrecht und die Probleme betroffener Unternehmen aufmerksam machen".

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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