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Handelsverband-Chef Rainer Will.

Corona-Lockdown Bilanz: Stationärer Handel verliert dramatisch

09.11.2020

Nach einer Woche „Lockdown light“ zieht der Handelsverband eine erste Bilanz für den österreichischen Handel – und diese fällt ernüchternd aus. Der zweite Lockdown inkl. nächtlicher Ausgangsbeschränkungen hat die angespannte Lage vieler heimischer Betriebe weiter verschärft.

„Der zweite Lockdown und insbesondere die Betretungsverbote in der Gastronomie haben auch im gesamten stationären Handel zu dramatischen Frequenz- und Umsatzverlusten geführt. Die wirtschaftliche Triage braucht nun zielsichere Hilfen auch für indirekt von den Schließungen betroffene Betriebe, die durch Umsatzausfälle offenkundig direkt betroffen sind. Daher begrüßen wir, dass die Bundesregierung unsere Forderung aufgreift“, unterstreicht Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Homeoffice-Effekt und neue Restriktionen

Fast alle stationären Händler verlieren sowohl durch den Homeoffice-Effekt als auch durch die neuen Restriktionen dramatisch. Mode- und Schmuckhändler berichten teilweise von Umsatzrückgängen in Höhe von 80 bis 90 Prozent, die Lebensmittelgroßhändler gar von Minus 90 Prozent. Während die gesamte Gastronomie ebenso wie viele Freizeiteinrichtungen für Gäste im November komplett gesperrt sind, darf der Handel zwar weiterhin offen haben – jedoch unter streng verschärften Hygiene-Vorgaben. Damit sind Einbrüche der Kundenfrequenz im gesamten Handel vorprogrammiert, was sich auch in den aktuellen Zahlen des Handelsverbandes widerspiegelt. Auf der Fläche sind die Umsätze in der letzten Woche lediglich im Lebensmitteleinzelhandel einigermaßen stabil geblieben bzw. leicht gestiegen.

eCommerce profitiert weniger stark als erwartet

Anders als noch der erste Lockdown hat der zweite auch im Onlinehandel bisher zu keinen nennenswerten Umsatzzuwächsen geführt. Zwar liegen die Umsätze im eCommerce weiterhin um rund 20 Prozent über dem Vorjahresniveau, dies war allerdings auch schon vor dem zweiten Lockdown der Fall und verteilt sich sehr ungleich. Einen ungebremsten Boom verzeichnen hierbei Stay-at-home-Sortimente wie Fitnessgeräte, Spielzeug und Elektrogeräte.

Handel braucht Planungssicherheit & Wirtschaftshilfen

„Der heimische Handel hat volles Verständnis für die neuen Corona-Maßnahmen des Gesundheitsministers. Genau dieses Verständnis erwartet sich der Handel aber auch vom Gesundheitsminister. Transparente Kommunikation ist die Basis für Planungssicherheit, sowohl für die Konsumenten als auch für die Händler. Was wir nicht brauchen können, sind täglich neue, vage Ankündigungen über etwaige Verschärfungen und im Nachgang verzögerte Verordnungen. Im Ergebnis hat sich die Sparquote bereits fast verdoppelt, was den Wirtschaftskreislauf hemmt", gibt Rainer Will, Sprecher des österreichischen Handels, den Frust der Branche wieder, der ihn aus allen Bundesländern erreicht. „Sollte es tatsächlich nochmal zu einem kompletten Lockdown kommen, muss dieses Mal rechtlich klar geregelt werden, das ‚Click & Collect‘ zulässig ist, damit die Händler so wie die Gastronomen zumindest Waren vor Ort ausgeben können“, ergänzt Will.

„Wirtschaftshilfen müssen an die wirtschaftlichen Realitäten angepasst werden und nicht umgekehrt, wenn man dem Motto 'Wir lassen niemanden zurück' treu bleiben will. Warum werden derzeit Expansion und Neuanstellung faktisch gestoppt, indem man beim Fixkostenzuschuss eine starre Vorjahresbetrachtung anlegt? Das verhindert jede Neueröffnung im Land. Alle Betriebe mit Lockdown-bedingten Umsatzeinbußen sollten entsprechend gestützt werden, ob es in das Schema passt oder nicht, es geht um Arbeitsplätze. Weg mit groben Umsatzstufen und den starren Ober- und Untergrenzen", fordert Will im Namen der betroffenen Händler.

Sollte tatsächlich auf den von der EU vorgesehenen Verlustausgleich verzichtet werden, der für die Wirtschaft essentiell wäre, dann muss der neue Fixkostenzuschuss "Prozent für Prozent" an Umsatzausfall für die Firmen aufkommen, fordert der Handelsverband. Die Einschränkung, auf ein Instrument bewusst zu verzichten, welches die Treffsicherheit für die Betroffenen sichergestellt hätte, ist jedoch kaum argumentierbar. Unternehmen anderer EU-Länder, die teilweise mit den österreichischen Firmen im Wettbewerb stehen, werden auf den Verlustausgleich zurückgreifen, daher ist die praxisnahe Ausgestaltung – im neunten Monate der Krise – entscheidend, um den Winter zu bewältigen.

Handel braucht Liquidität für doppelte Gehälter

Die Zeit drängt, denn egal ob Einpersonenunternehmen (EPU), Mittelständler (KMU) oder Konzern: Die nervliche Belastung ist den Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht mehr länger zumutbar. Die doppelten Gehälter („Weihnachtsgeld“) sind in den kommenden Tagen aufzustellen. Um die Arbeitsplätze zu schützen, muss das Geld jetzt mit jener Selbstverständlichkeit fließen, mit der man auch aus verständlichen Gründen in die Erwerbsfreiheit eingegriffen hat – und sowohl direkt als auch indirekt betroffene Leidtragende erzeugt hat, so der Handelsverband abschließend.

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