Direkt zum Inhalt

CES 2018: Standard-Wirren in der Unterhaltungselektronik

10.01.2018

4K, UHD, HDR, HDR10+, Dolby Vision: Beim Kauf eines neuen Fernsehers werden Verbraucher mit vielen Kürzeln und Fachbegriffen konfrontiert.

Die Unterhaltungselektronik-Messe CES hat schon so manchen Formatkrieg erlebt. In der Mutter aller Schlachten buhlten Ende der 70er-Jahre die Videokassettenformate VHS und Betamax um die Gunst der Kunden. Es dauerte damals Jahre, bis sich die von JVC entwickelte VHS-Videokassette gegen den technisch ausgeklügelteren Betamax-Standard von Sony durchgesetzt hatte.

Auch die Ära des hoch auflösenden Fernsehens begann mit einem Streit um das richtige technische Format. Damals traten die rivalisierenden Standards Blu-ray und HD-DVD gegeneinander an, als es darum ging, ein Nachfolgeformat für die herkömmliche DVD zu finden. Hinter Blu-ray standen Elektronik-Riesen wie Panasonic, Sony oder Philips, während HD-DVD von deutlich kleineren Konkurrenten wie Toshiba oder NEC unterstützt wurde. Die großen Player setzten sich durch, daran konnten auch Computergiganten wie Microsoft und Intel nichts ändern, die sich zuletzt noch für HD-DVD stark gemacht hatten.

Neue Fernseher haben 4K-Auflösung

Im aktuellen Formatstreit geht es vor allem um die Frage, wie Helligkeitskontraste und Farbverläufe auf dem Fernseher dargestellt werden. Bei neuen Fernsehgeräten sind inzwischen Geräte mit einer hohen 4K-Auflösung (UHD) quasi Standard. Unter den 4K-Geräten gibt es aber deutliche Unterschiede bei der Bildqualität. Fernseher mit HDR (High Dynamic Range) versprechen, Bilder in Bezug auf Helligkeit und Kontrast so darzustellen, dass sie sich von der Realität kaum noch unterscheiden.

Ein herkömmlicher Fernseher ohne HDR beherrscht 256 Helligkeitsstufen (8 Bit). Ein HDR-Standard-Fernseher kann dagegen 1.024 Helligkeitsstufen (10 Bit) anzeigen. Davon profitieren vor allem Filme mit Sequenzen, die sehr hell oder sehr dunkel sind (zum Beispiel Aufnahmen im Schnee oder in einer Höhle).

Anpassung an einzelne Szenen

Die Firma Dolby Laboratories, die vor allem mit Systemen zur Tonoptimierung bekannt wurde, ging noch einen Schritt weiter und entwickelte ein System mit zwölf Bit (4.096 Helligkeitsstufen) und einer dynamischen Anpassung je nach Filmsequenz. Bei Dolby Vision werden die Metadaten nämlich nicht für den gesamten Film festgelegt, sondern für jedes Bild einzeln übertragen, was die Bilddarstellung noch einmal deutlich verbessert. Das herkömmliche HDR ist dagegen statisch und passt sich nicht an einzelne Szenen an.

Eigentlich dürfte einem Siegeslauf von Dolby Vision nicht im Wege stehen, doch es gibt ein Problem: Dolby will mit dem Verfahren Geld verdienen und verlangt Lizenzgebühren von Filmstudios und Herstellern der TV-Geräte. Unternehmen wie Samsung wollen das aber nicht hinnehmen. Vor diesem Hintergrund entwickelten die Südkoreaner HDR10+ als offenen Standard, der ebenfalls eine dynamische Anpassung ermöglicht und bei dem keine Lizenzgebühren fällig werden.

Weitere Entwicklung noch offen

Nun kommt es vor allem auf die Inhalte-Anbieter an. Die TV-Anbieter in Deutschland - von den Öffentlich-Rechtlichen bis hin zu den meisten privaten Sendern - spielen dabei quasi keine Rolle, weil sie bis auf wenige Ausnahmen noch nicht einmal in 4K senden. Verbreitungskanäle für 4K-Inhalte sind die Blue-ray-Scheiben, TVBoxen wie Apple 4K, Amazons FireTV oder der Decoder von Sky. Von dem Filmstudios unterstützen die großen Player Sony, Paramount und Universal Dolby Vision. 20 Century Fox positioniert sich als Unterstützer von HDR10+, während Warner auch Titel in Dolby Vision anbietet. Der Unterhaltungsriese Disney, der 20th Century Fox kaufen will, unterstützt bisher nur Dolby Vision und HDR10.

Entscheidend könnte die Formatpolitik der Streamingdienste sein. Seit Ende Dezember kann man in Deutschland HDR10+-Videos über Amazon Video auf aktuellen 4K-TVs von Samsung wiedergeben. Netflix bietet seinen Kunden sowohl Filme in HDR10 (UltraHD Premium) als auch in Dolby Vision an. Bei HDR10+ warte Netflix zunächst einmal ab, wie Produktchef Greg Peters sagte. Auch iTunes streamt Filme auf dem Apple TV in HDR10 und Dolby Vision.

Eine vermittelnde Rolle im Format-Streit übernimmt Panasonic. Auf der CES stellten die Japaner einen Player für Ultra HD Blu-rays vor, der die beiden konkurrierenden HDR-Formate Dolby Vision und HDR10+ unterstützt. Allerdings zogen andere Hersteller bisher nicht nach, so dass es doch zu einem harten Showdown kommen könnte. (dpa/apa)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Multimedia
21.04.2018

Panasonic hat sich für seine „Mehrwerttage“ einen interessanten Partner ins Boot geholt: GSS Systems (auch als Grundig GSS bekannt) wird die Japaner auf ihrer Tour begleiten und den Teilnehmern ...

Alles Blödsinn, sagt Amazon. Man sei sogar ein sehr beliebter Arbeitgeber - wie man ja auch auf den offiziellen Pressebildern sieht.
Branche
19.04.2018

Wieder Ärger für Amazon. Ein Undercover-Journalist prangert in seinem Buch die „unwürdigen Arbeitsbedingungen“ in einem englischen Versandlager an. Amazon streitet die Vorwürfe ab.

Multimedia
12.04.2018

Elektrojournal Online-Leser sind wieder einmal früher dran. Sie können sich schon jetzt für die Panasonic-Mehrwerttage anmelden und sich einen der streng limitierten Plätze sichern.

Durch die TV>IP-Technik lassen sich die neuen Panasonic TVs flexibel überall aufstellen, teure Empfangsboxen in jedem Zimmer und aufwändige Verkabelungen entfallen
Produkte
05.04.2018

...dank TV>IP. Die neuen Fernseher von Panasonic eignen sich dank TV>IP und smarten Funktionen besonders gut für Hotels. Sie reichen von LED-Geräten mit 24 Zoll Bildschirmdiagonale bis hin ...

Samsungs neues TV LineUp verfügt über einen neuen, effizienten Bildprozessor
Multimedia
08.03.2018

Samsung hat heute in New York die neue Generation QLED TVs vorgestellt. Eine Premiere ist das One Invisible Cable, das die Stromversorgung und alle AV-Signale in einem einzigen Kabel bündelt.

Werbung