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Brennende Fabriken: Proteste gegen China eskalieren

14.05.2014

Bei den schwersten anti-chinesischen Protesten seit Jahren sind in Südvietnam mehr als ein Dutzend Fabriken in Brand gesetzt worden. 500 Menschen wurden nach den Ausschreitungen festgenommen. Auch Werke von südkoreanischen Konzernen gerieten in Brand. Mehrer Fabriken schließen vorsorglich.

Die billigen Arbeitslöhne machen Vietnam für Konzerne aus den UE-Hochburgen Japan und Südkorea zu einem attraktiven Produktionsstandort. So will unter anderem Krösus Samsung vor allem Handys verstärkt in Vietnam produzieren, aber auch Hauptkonkurrent LG und andere Konzerne betreiben große Produktionsstandorte in dem südasiatischen Küstenstaat. Derzeit stehen aber viele Werke still.

 

Zehntausende Arbeiter waren in Vietnam am Dienstag auf die Straße gegangen, wie die staatliche Nachrichtenwebsite VNExpress meldete. Eine kleine Gruppe habe dann begonnen, Wachleute und Fabrikmanager anzugreifen. Anschließend seien mindestens 15 Gebäude in Brand gesetzt worden. In Blogs von Dissidenten wurden Bilder und Videos veröffentlicht, die Protestteilnehmer dabei zeigten, wie sie Fabriktore zerstörten, Fenster einwarfen und Büros verwüsteten.

 

Die Proteste richteten sich gegen chinesische Ölbohrungen in einem von beiden Ländern beanspruchten Seegebiet im Südchinesischen Meer. Die Übergriffe hatten chinesische oder von Chinesen geleitete Fabriken zum Ziel. Die Verdächtigen seien auf frischer Tat bei Brandstiftungen und Plünderungen in mehreren Fabriken gefasst worden, teilte die Polizei der Provinz Binh Duong mit.

 

Hersteller schließen vorsorglich Werke

 

Auch Produktionsstätten taiwanesische oder südkoreanischer Unternehmer wurden attackiert, die offenbar versehentlich für Chinesen gehalten wurden. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Mehrere Fabriken mussten ihren Betrieb zeitweise einstellen. Auch mehrere taiwanesische, japanische und südkoreanische Unternehmen in der Region schlossen vorsorglich ihre Fabriken.

 

Die chinesische Regierung äußerte ihre "ernste Besorgnis" über die Vorfälle. Peking fordere die vietnamesische Regierung auf, die Ausschreitungen zu stoppen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying am Mittwoch. Die Sicherheit chinesischer Bürger und Unternehmen in Vietnam müsse gewährleistet sein. Auch Taiwans Außenminister David Lin verurteilte die Gewalt und rief Hanoi auf, die Sicherheit seiner in Vietnam beschäftigen Landsleute zu garantieren.

 

Bewusst zugelassen?

 
Die Polizei schickte nach Angaben von VNExpress Spezialeinheiten in die Region, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. "Diejenigen, die die Lage ausgenutzt haben, um Unruhen anzuzetteln, werden hart bestraft", sagte der örtliche Behördenvertreter Tran Van Nam.

Landeskenner vermuten aber, dass die vietnamesische Regierung in Hanoi die Proteste der Bevölkerung bewusst zulässt und damit ihre eigene Empörung über das chinesische Vorgehen zum Ausdruck bringt. Normalerweise werden Demonstrationen in Vietnam von den Sicherheitsbehörden unterbunden. Zuletzt wurden aber mehrere gegen China gerichtete Kundgebungen zugelassen.

 

China und Vietnam streiten sich seit Jahrzehnten um Inseln im Südchinesischen Meer. Der Konflikt hatte sich Anfang Mai zugespitzt, als Peking eine Tiefseebohrplattform vor die Paracel-Inselgruppe verlegte. Hanoi schickte Schiffe in die Gegend, die dort nach eigenen Angaben von chinesischen Schiffen angegriffen und gerammt wurden. China warf seinerseits den vietnamesischen Schiffen vor, seine Schiffe Dutzende Male gerammt zu haben.

 

Im Südchinesischen Meer kommt es im Streit um überschneidende Gebietsansprüche immer wieder zu Zwischenfällen. China beansprucht fast das gesamte Seegebiet für sich, auf dessen Grund große Rohstoffvorkommen vermutet werden. Doch auch andere ASEAN-Mitglieder, allen voran Vietnam und die Philippinen, erheben Ansprüche.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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