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Amazon setzt auf immer mehr Verteilzentren in Europa.

Betriebsstätte oder Hilfsstätte? Das neue Amazon-Verteilzentrum unter der Lupe

15.10.2018

Amazon nahm kürzlich das rot-weiß-rote Verteilzentrum in Großebersdorf in Betrieb. Die Bundessparte Handel will nun überprüfen, ob es sich bei diesem tatsächlich um eine Hilfsstätte handelt. Entpuppt es sich als Betriebsstätte, muss der in Sachen Abgaben so ausgefuchste Online-Riese die Betriebsstättengewinne in Österreich versteuern.

Was ist eine Betriebsstätte? Hier erklärt's die Wirtschaftskammer.

Prinzipiell ist die Bundessparte Handel in der Zwickmühle, wenn es um Amazon geht. Viele heimische Händler nutzen gerne den Amazon Marketplace. Auf der anderen Seite steht die oft und heftig kritisierte Wettbewerbsverzerrung. Die Steuerpraktiken des Online-Riesens liegen oft in Grauzonen, was ihm Vorteile gegenüber den heimischen Händlern bringt. Am Fiskus gehen so viele, viele Euro vorbei, Gewinn- und Umsatzverlagerungen gehören zum guten Ton. Immer wieder krachen deswegen die EU und Amazon aneinander.

Die Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer steht dem neuen rot-weiß-roten Verteilzentrum in Großebersdorf grundsätzlich neutral gegenüber. Dieses ist ein Auslieferungslager. Eine Feststellung, die für Amazon wichtig ist. Denn Auslieferungslager sind Hilfsstätten und keine steuerlichen Betriebsstätten.

Betriebsstätte oder Hilfsstätte?

„Eine Betriebsstätte ist eine feste Geschäftseinrichtung, durch die die Tätigkeit eines Unternehmens ganz oder teilweise ausgeübt wird“, definiert die Wirtschaftskammer den Begriff. Der Gewinn, den eine Betriebstätte erwirtschaftet, wird in dem Land versteuert, in dem sie sich befindet. Einrichtungen allerdings, die ausschließlich Vorbereitungs- und Hilfsfunktionen erfüllen, wie eben ein Auslieferungslager, fallen im internationalen Steuerrecht nicht unter Betriebsstätten. So steht es im aktuellen OECD-Musterabkommen.  

In Sachen Großebersdorf will die Bundessparte Handel nun auf Nummer sicher gehen. „Wir prüfen gerade, ob es sich bei dem neuen Verteilzentrum nur um ein Auslieferungslager handelt oder ob wesentliche Komponenten einer Betriebsstätte gegeben sind“, erklärt Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer, gegenüber Elektrojournal. Der europäische Hauptsitz von Amazon befindet sich im steuerschonenden Luxemburg. Wäre der Standort in Großebersdorf aber tatsächlich eine Betriebsstätte, würde das internationale Steuerrecht greifen und Amazon müsste den Betriebsstättengewinn in Österreich versteuern.

Die Chancen dafür stehen realistisch gesehen wohl eher schlecht. Der Online-Riese ist routiniert und weiß ausgezeichnet, die rechtlichen Räume bis zum letzten Eck auszunutzen. So sind zum Beispiel die Zentren in Deutschland ebenfalls nur Hilfsstätten.

Autor/in:
Alexander Zechmeister
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