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1,7 Millionen Euro Schmiergeld für gute Standort-Bewertungen? Ex-Media-Saturn-Mitarbeiter vor Gericht

21.01.2014

Wieder ein Korruptionsfall rund um einen ehemaliger Mitarbeiter der Media-Saturn-Gruppe. Bestechungsgelder von 1,7 Millionen Euro soll er eingesackt haben. Im Gegenzug habe er die Angebote eines Bauträgers chancenreicher bewertet.  

Für Aufsehen sorgte der große Korruptionsprozess rund um den früheren Deutschland Chef von Media Markt. Michael Rook wurde zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt, weitere hochrangige Media Markt-Mitarbeiter wurden schuldig gesprochen. Doch offenbar war dies nicht der einzige Korruptionssumpf, in dem ehemalige Mitarbeiter des Elektrokonzerns bis zum Hals drinstecken.

 

Erpressung und Bestechlichkeit: Mit diesen Vorwürfen ist nun ein anderer ehemaliger Mitarbeiter der Media-Saturn-Gruppe konfrontiert. Es geht um die Standorte für neue Märkte, wie die Nürnberger Nachrichten berichten. Begonnen hat das Ganze 1997. Ein Geschäftsessen in Nürnberg. Der heute mitangeklagte Bauunternehmer bot dem damaligen Media-Saturn-Mitarbeiter ein Grundstück im deutschen Coburg an. Bei dem MS-Manager handelt es sich um einen 53-jährigen Nürnberger, der als Geschäftsführer bei Media-Saturn unter anderem für die Expansion neuer Standorte zuständig war. Die Position machte er sich laut Anklage zunutze. Er sollte das Grundstück bewerten, ob es als Standort für die Elektrokette geeignet ist. Doch diese Entscheidung habe er nicht nur von seinem Sachverstand abhängig machen wollen. Der Bauträger habe zahlen müssen, wenn er seine Angebote chancenreich bewertet haben wollte.  

 
"Lieber ein halbes Geschäft als gar keines"

17 Jahre später stehen die beiden „Geschäftspartner“ vor Gericht, genauer gesagt vor der dritten Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth. „Ich wollte lieber ein halbes als gar kein Geschäft machen“, sagte der Bauunternehmer und schob dem damaligen Media Saturn-Manager über die nächsten Jahre 1,7 Millionen Euro an Bestechungsgeldern zu, berichten die NN. Bezahlt wurde über Beteiligungen an den Bauträgergewinnen. „Getarnt“ wurde die Summe laut Ankläger als „Beraterentgelte“.

 

Als mittelständischer Bauträger sei ihm in der hart umkämpften Branche gar keine andere Chance, als bei diesen Deals mitzumachen, spricht der eine aus. Der ehemalige Media-Saturn-Manager bervorzugt es hingegen zu schweigen. Er schied 2005 aus der Elektrokette aus.

Der ganze Sumpf flog übrigens aus, weil der MS-Mitarbeiter versuchte, die Schmiergelder als “Betriebsausgaben” von der Steuer abzusetzen. Dies führte zu einer Telefonüberwachung.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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