Dicke Luft bei den Altgerätesammlern: Die ARGE österreichischer...
16.07.2009
Müll den keiner will oder wird nur schmutzige Wäsche gewaschen?
mehr Links
- Was tun mit zurückgesendeten Elektrogeräten? Das Bundesgremium gibt Antwort (03.02.2012)
- So haben Sie Expert noch nie gesehen! Alfred Kapfer als Reinhard Fendrich (02.02.2012)
- Kaum offeriert, schon kopiert: Betrüger hängten sich an Media-Saturn-Onlineshop (02.02.2012)
- Den Kreditversicherern ist um Österreich nicht bang: kein Pleiten-Anstieg erwartet (02.02.2012)
- Der Expansionszug fährt an: Elektrobranche bei RegioPlan in den Top 3 (01.02.2012)
"Die ERA Gmbh, eine Tochter der ARA AG, erfüllt seit drei Monaten ihre vertraglichen Verpflichtungen zur Abholung von Bildschirmgeräten von den kommunalen Sammelstellen nicht", sagt Alfred Weidlich, Obmann NÖ Abfallwirtschaftsverein.
Eine komplexe Berechnungsformel rechnet aus, wie viele Altgeräte jedes Sammelsystem zurücknehmen muss. Diese habe errechnet, dass das UFH eine sehr hohe Auftrags-Untererfüllung aufweist. Ein "Eingabefehler" wie es seitens der Abfallwirtschaftsverbände heißt. Da das Umweltforum Haushalt seine Aufträge laut Rechnung prozentuell nicht erfülle, würden nun die anderen Systeme versuchen, sich um die Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen zu drücken und weniger Geräte als ausgemacht abzuholen, um so Geld zu sparen. Die Stena GmbH und die EVA GmbH hätten die Kostenübernahme für Juni bereits rückwirkend aufgekündigt. Die ARGE verlangt nach gesetzlichen Maßnahmen.
Bei der ERA ist man sich keiner Schuld bewusst. Von Vertragsbruch könne keine Rede sein: "Die ERA GmbH sammelt zur Zeit nicht, weil es zu einer Übererfüllung der Aufträge kam", sagt Pressesprecher Christian Mayr zu Elektrojournal Online. "Die Bildschirmgeräte werden aber über die Abholkoordination entsorgt." >>>

Wurde jetzt ein Vertrag gebrochen? Die ARGE sagt ja, die ERA nein
Dies sei aber deutlich teurer, sagt wiederum Herbert Permoser von der NÖ BAWU. Schließlich müsse die Koordinierungsstelle ein System erst beauftragen. Dann seien die Systeme öfters für einen Abholplatz nicht richtig ausgerüstet und dabei könne es zu sinnlosen Leerfahrten kommen. Laut der ARGE Abfallverbände müssten dann die Gemeindeverbände die Vorsammelkosten aus den Müllgebühren finanzieren.
Bei der Koordinierungsstelle selbst merke man allerdings nichts von einer außergewöhnlichen Situation. Es laufe alles bislang wie gehabt. "Derzeit gibt es bei uns nichts Außergewöhnliches. Weder Beschwerden von Gemeinden noch sonst etwas. Alles läuft ganz normal", sagt Koordinierungsstellen-Sprecherin Helga Longin. Man sei aber für jeden Fall gerüstet.
"Flexibler sein"
"Über die Koordinierungsstelle wird das System mit dem jeweils höchsten Verpflichtungsanteil für die Abholung beauftragt", sagt EVA Prokurist Wilhelm Kleer gegenüber Elektrojournal Online. Diese Abwicklung führe dazu, dass jenes System, dass seinen Verpflichtungen zur Sammlung zum Zeitpunkt der Abholkoordinierung am wenigsten nachgekommen ist, in die Pflicht genommen wird. Die von den Landeslösungen praktizierte Zuteilung der erfassten Elektroaltgeräte (EAG) zu den einzelnen Systemen führe allerdings auch zu mehr oder weniger deutlichen Übererfüllungen der einzelnen Systeme, da bei der Zuteilung der EAG von den Landeslösungen der inverkehrsetzungsseitige Marktanteil nicht jedoch der erfassungsseitige Verpflichtungsanteil der Systeme berücksichtigt werde.
"So gesehen ist es nachvollziehbar, dass Systeme die ihren Verpflichtungsanteil erfüllt haben, von Landeslösungen (z.B. BAWU) eine Flexibilität und Mitwirkung erwarten die dazu führt, dass die entsprechenden EAG (z.B. Bildschirmgeräte) insbesondere jenem System überantwortet werden, das deutlich untererfüllt (seinen Sammelverpflichtungen also offensichtlich nicht ausreichend nachkommt)", sagt Kleer.
"Mitbewerber sammelte zu viel"
Nach Anfrage von Elektrojournal Online schickte die UFH eine Pressemeldung aus. In dieser heißt es: "Die momentane - durchaus prekäre - Situation rührt daher, dass im vergangenen Jahr ein Mitbewerbersystem weit mehr als vorgeschrieben gesammelt hat und diese Übererfüllung heuer sukzessive abbaut. Diese Vorgehensweise wurde erst durch eine Gesetzesänderung im Dezember 2008 ermöglicht." Dadurch würden Untererfüllungen der anderen Systeme in den jeweiligen Kategorien resultieren, wie es auch beim UFH der Fall sei. Das UFH sehe sich nun mit den Forderungen konfrontiert, massive Mehrmengen im Vergleich zum bestehenden Marktanteil und den aufrechten Verträgen zu übernehmen.
Maximal zehn Prozent durfte ein System pro Sammel- und Behandlungskategorie laut Elektroaltgeräte-Verordnung im Jahr 2008 ursprünglich mehr als vorgeschrieben sammeln.

Laut UFH war "ein Mitbewerber" letztes Jahr übereifrig und löste so das ganze Tohuwabohu aus
Verzwickte Lage
Eine verzwickte Lage in einem kaum zu durchschauendem System. Seit der 2005 erlassenen Elektroaltgeräteversorgung, sind Hersteller selbst für die Entsorgung der Elektroaltgeräte verantwortlich. Diese tragen auch die Kosten. Die Vereinbarungen zwischen Gemeinden und den Sammelsystemen sei privatrechtlich. Die ARGE österreichische Abfallverbände fordert, dass diese Vereinbarungen gesetzlich verankert werden, und dass es im Falle eines Vertragsbruchs Sanktionen gibt. "Hier sieht man, dass die wesentlichen Bestimmungen in solchen Fällen in die Gesetze gehören, damit die Wirtschaft ihre Auflagen erfüllt, sonst wird sie immer ihre finanzielle Verpflichtung zu lasten der Gemeinden und Gemeindeverbänden reduzieren und dies als großen Erfolg ihrer Arbeit seitens der Lizenzgebührenzahler verkaufen", poltert Obmann Josef Moser.
Permoser ortet noch weitere Probleme. Man müsse den Durchrechnungszeitraum fortführen. Derzeit werde erst im Juli bekannt, wie die Verpflichtungserfüllung fürs letzte Jahr aussah. Eine neue Verordnung seitens der EU sei zwar in Planung, "bis die kommt, können aber noch zwei bis drei Jahre vergehen."




Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben





